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01.02.2017

Tobias Grünfelder (Campoverde)

Tobias Grünfelder hat eine außergewöhnliche Leidenschaft: die Zauberei. Unter dem Künstlernamen Tobias Campoverde ist er Mitglied beim Magischen Zirkel von Deutschland und regelmäßig als Zauberkünstler auf verschiedenen Veranstaltungen unterwegs. Da der 23-Jährige auch die Welt und die Vorgänge in ihr als Zauberkunststücke empfindet und diese verstehen möchte, hat er sich zunächst für einen Bachelor in Philosophy & Economics an der Universität Bayreuth und dann für ein Master in Politics, Administration & International Relations an der ZU entschieden.

Foto: Gianni Seufert


Noch bis kurz vor seinem Abitur verfolgte Tobias Grünfelder mehrere Hobbies – und jedes davon mit gewissem Erfolg. Inspiriert von seiner ländlichen bayerischen Heimat in Ursberg und dem gemeinsamen regelmäßigen Schauen des Musikantenstadls im Fernsehen, erlernte er bereits in jungen Jahren und unter Anleitung von professionellen Musikern das Akkordeonspielen. Zehn Jahre lang spielte er das Instrument in einer Akkordeonschule, nahm mit dem Orchester an nationalen und internationalen Wettbewerben teil und wurde sogar bayerischer Jugendorchestermeister.


Parallel dazu war Grünfelder im Fußballverein TSG Thannhausen aktiv, durchlief dort einige Jugendmannschaften, war Auswahlspieler für den Bezirk Schwaben und spielte einige Jahre sogar in der Bayernliga: „Es war schon sehr amüsant, wenn Vereine wie der FC Bayern München, TSV 1860 München oder FC Augsburg in die Provinz fahren mussten, um es mit uns aufzunehmen“, erzählt Grünfelder. Daneben entdeckte er die Schauspielerei für sich, wirkte jahrelang bei der schulischen Theatergruppe mit und belegte in der Oberstufe das Fach Darstellendes Spiel, bei dem auch Workshops mit erfahrenen Theaterschauspielern auf dem Lehrplan standen. Hinzu kam eine Passion, die ihn nicht mehr loslassen sollte: die Zauberei, wobei ihm bestimmte Elemente von den anderen Hobbies durchaus zugutekommen. Vom Akkordeonspielen die Fingerfertigkeit, vom Fußball der Umgang mit unterschiedlichsten Menschen, von der Schauspielerei die Steuerung des Publikums und der Atmosphäre durch den gezielten Einsatz von Sprache, Körperhaltung, Mimik und Gestik.


Der Beginn seiner größten Leidenschaft reicht bis ins Jugendalter zurück: „Ein Fußballkollege zeigte mir während einer längeren Auswärtsfahrt ein Kartenkunststück und ich war so fasziniert davon, dass ich mir zum Geburtstag ein Zauberbuch und einen Zauberkasten wünschte.“ Mit 16 Jahren stieß er dann auf den Magischen Zirkel von Deutschland – eine Vereinigung von Zauberkünstlern, die die magische Kunst pflegen und fördern – und besuchte regelmäßig den nahegelegenen Ortszirkel. „Es ist einfach nur zauberhaft anzuschauen, wenn sich ein 15-Jähriger und ein 75-Jähriger gegenübersitzen, um sich über Kunststücke, Tricktechniken und Präsentationsformen auszutauschen“, schwärmt Tobias Campoverde.


Auf Einladung erfolgte nach mehreren Monaten die Aufnahmeprüfung. Tobias Campoverde durchwälzte Standardwerke der Zauberkunst und Zaubergeschichte, um den theoretischen Teil zu bestehen. Anschließend war der praktische Teil an der Reihe, „wobei für das Bestehen ein gewisses Repertoire an Zauberkunststücken mit Karten, Bällen, Münzen und Seil unabdingbar ist.“ Eine zehnminütige Vorführung im Rahmen einer Gala später war es geschafft: Tobias Campoverde bestand die Aufnahmeprüfung mit besonderer Auszeichnung und wurde so vom Gast- zum internen Mitglied des Magischen Zirkels von Deutschland. „Der Eintritt in den Magischen Zirkel bedeutet für mich sehr viel. Dadurch besteht die Möglichkeit, nicht nur in größerem Maße von professionellen Zauberkünstlern zu lernen, sondern auch von einem breiteren Netzwerk zu profitieren.“


Seine magischen Fähigkeiten präsentierte er allerdings nicht nur innerhalb der Zaubererzunft, schon früh führten ihn erste Auftritte auf familiäre Geburtstage und Hochzeiten. Doch schon bald kamen öffentliche Darbietungen hinzu: So zauberte Tobias Campoverde bereits im Legoland Deutschland für Jung und Alt und nahm mehrfach beim internationalen Straßen- und Varietéfestival „Bamberg zaubert“ teil – getreu seinem Motto „Staunen, Lachen, Nachdenken“. Darüber hinaus entstand im Zuge eines Praktikums beim Goethe-Institut in Litauen die Idee, im Auftrag der kulturellen Einrichtung eine zweiwöchige Zaubertournee durch die baltischen Staaten zu unternehmen, um Schulkindern auf spielerische Weise die deutsche Sprache näherzubringen. „Es gibt einfach nichts Schöneres, als gemeinsam mit Kindern zu zaubern, denn sie verstellen sich nicht und zeigen noch wahre Emotionen, sind direkt und ehrlich“, sagt Campoverde.


Zwar stand das eine und andere Mal der Gedanke im Raum, professionell Akkordeon beziehungsweise Fußball zu spielen oder Schauspielerei zu betreiben, doch Tobias Grünfelder entschied sich für ein wissenschaftliches Studium – und das aus einen ganz einfachen Grund: Er interessierte sich mehr für gesellschaftliche Themen.


Nach dem Abitur nahm er das Bachelorstudium in Philosophy & Economics an der Universität Bayreuth auf. Doch während seines Studiums interessierte sich Tobias Grünfelder nicht nur für Philosophie und Wirtschaft, sondern auch für Politik, „die mich sogar noch mehr in ihren Bann gezogen hat.“ Da in seinem Studiengang Kurse mit Schwerpunkt Politik Illusionen blieben, entschloss sich Grünfelder dazu, ein Praktikum im Deutschen Bundestag zu absolvieren sowie zwei inhaltlich auf Politik ausgerichtete Auslandssemester einzulegen: In Mailand beschäftigte er sich mit Entwicklungsländern und internationalen Organisationen, in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul mit internationalen Märkten und Beziehungen. Was ihn an dem südostasiatischen Land aber darüber hinaus reizte, war der Umstand, dass es dort eine Hochschule für Zauberkunst gibt. „Der Besuch dieser Hochschule war schon sehr beeindruckend“, erwähnt Campoverde. „Es ist wirklich faszinierend, dass dort junge Menschen Zauberei studieren. Noch faszinierender ist es jedoch, dass es zu funktionieren scheint, immerhin haben die Südkoreaner bei den vergangenen Weltmeisterschaften der Zauberkunst zahlreiche Preise abgeräumt.“


In der Bachelorarbeit behandelte er noch die Frage „Who are refugees?“, nun wollte Tobias Grünfelder im Masterstudium Antworten auf folgende Fragestellungen finden: Wie funktioniert der Staat? Und wie lassen sich internationale Beziehungen analysieren? In Gesprächen mit Freunden, die an der ZU studieren, wurde ihm die Universität am Bodensee empfohlen. „Dabei war der PAIR-Master genau der Studiengang, den ich gesucht habe“, sagt Grünfelder. Seine Erwartungen an das Studium und die Universität haben sich bislang erfüllt: ob individuelle Betreuung, kleine Seminargruppen, motivierte Kommilitonen oder vielfältige studentische Initiativen, wobei er selbst Vorstandsmitglied beim Club of International Politics ist.


Tobias Campoverde verzaubert übrigens auch an der ZU und in Friedrichshafen seine Mitmenschen. So hat er bislang vor allem bei Veranstaltungen der studentischen Initiativen Rock Your Life! und welt_raum Zauberkunststücke vorgeführt. Und demnächst ist er beim Straßenzauberer-Festival in der Häfler Innenstadt vertreten.