Pionierin des Monats
Hannah Hartenstein: Im Einklang mit der Ermöglichungskultur
von Sebastian Paul
26.08.2026
People
Hannah Hartenstein
Hannah Hartenstein
© Anna Weber
Pionierin des Monats

Hannah Hartenstein: Im Einklang mit der Ermöglichungskultur

von Sebastian Paul
26.08.2026
People

Knapp drei Jahre lang stand Hannah Hartenstein hinter der Theke des studentischen Cafés „Beton & Bohne“. Gemeinsam mit ihrer jeweiligen Co-Leitung trug sie dabei auch die Verantwortung für Team, Betrieb und Budget – und lernte, was Führung im Alltag wirklich bedeutet. Parallel dazu reifte über Stationen in der Zentralen Notaufnahme und Praktika in der Beratung und im Klinikmanagement ein ganz eigenes Interesse heran: das für die wirtschaftliche Seite des Gesundheitswesens.

Hannah Hartenstein ist zwar in Backnang geboren, doch bereits in ihrem ersten Lebensjahr ging es für die Familie weiter ins südöstlich von Stuttgart gelegene Esslingen. Da ihre Eltern zusammen selbstständig im Gesundheitswesen tätig sind, war und ist der Praxisalltag nicht wegzudenken vom Familienalltag. „Eine Zeit lang habe ich selbst mit dem Gedanken gespielt, ein Medizinstudium aufzunehmen. Auch wenn meine Eltern mir alle Freiheiten und Optionen offengelassen hat, unsere eigenen Wege zu finden und zu gehen“, bemerkt Hartenstein. Und genau das tat sie. Denn eine eigene Arztpraxis zu führen, förderte eine weitere Begleiterscheinung zu Tage. „Besonders faszinierten mich die wirtschaftlichen Aspekte hinter der Selbständigkeit“, erläutert Hartenstein, die ihr Interesse an Wirtschaft auf ihrem Gymnasium weiterentwickelte: indem sie an dem Projekt „Schule als Staat“ teilnahm und infolgedessen ein Unternehmen mitgründete; indem sie in der Oberstufe Wirtschaft als Leistungskurs belegte.

Vom Gesundheitswesen über die Kommunikationswissenschaften zum CME-Bachelor

Doch ihre Entscheidung, was nach dem Abitur kommt, war damit alles andere als in Stein gemeißelt. „Hinzu kam die Coronapandemie, die zuvor gefasste und für richtig empfundene Pläne komplett umgeschmissen hat und einen nicht nur verunsichert, sondern manchmal auch verängstigt zurückließ“, erinnert sich Hartenstein. Doch nur kurz ließ sie sich davon einschüchtern und abschrecken, mehr als couragiert fiel die Wahl ihrer nächsten Station aus: So absolvierte sie ein FSJ in der zentralen Notaufnahme einer Klinik in Nürtingen. „Für die zentrale Notaufnahme habe ich mich bewusst entschieden, weil ich aus meiner Komfortzone ausbrechen wollte“, bemerkt Hartenstein, die vorwiegend Krankentransport- und Krankenpflegeaufgaben übernahm und auch in herausfordernden Situationen einen kühlen Kopf bewahrte, etwa wenn neben den teils schweren Coronafällen auch schwierige medizinische Notfälle zu bewältigen waren. „In der Zeit habe ich viel darüber gelernt, wie man mit Stress umgeht. Es ist unbeschreiblich, was Menschen tagtäglich in der Krankenpflege leisten“, betont Hartenstein. Nach einem halben Jahr in diesem schnelllebigen Umfeld beendete sie das auf diesen Zeitraum angesetzte FSJ, anschließend folgte ein halbes Jahr in Kliniken in Konstanz und in Stuttgart, wo sie jeweils in verschiedenen Bereichen hospitierte.


Nach ihrer Zeit im Gesundheitswesen entschied Hannah Hartenstein sich zunächst für ein Studium der Kommunikationswissenschaften an der Universität Hohenheim, bevor sie nach zwei Semestern den Studienort wechselte. „Das Studienjahr war dennoch lehrreich. Denn dabei zeigte sich, was mir an einem Studium wichtig ist: dass sich Theorie und Praxis die Waage halten. Zudem fehlte mir die Wirtschaft, die nie wirklich aus meinen Gedanken verschwunden war“, erklärt Hartenstein. Diese Kombination aus Kommunikation und Management entdeckte sie im CME-Bachelor an der ZU. „Und nach einem Infotag blieb mir ein Wort nachhaltig in Erinnerung: Ermöglichungskultur – im Sinne von: ,Wenn du etwas machen möchtest, dann such dir die passenden Leute und mach es‘“, so Hartenstein.

Besonders beeindruckt vom studentischen Café „Beton & Bohne“

Von Anfang an war Hannah Hartenstein besonders beeindruckt von der außergewöhnlichen Atmosphäre, die von dem studentischen Café „Beton & Bohne“ ausgeht: das bunte Treiben und die lebhaften Begegnungen. „Obwohl ich keinen Schimmer hatte, wie man eine Siebträgermaschine bedient, habe ich mich auf eine Stelle als Barista beworben“, erwähnt Hartenstein. Nachdem sie in den ersten Monaten hinter dem Tresen stand und unter anderem diverse Kaffee- und Kuchensorten über die Theke reichte, rückte der Zeitpunkt näher, an dem das Leitungsduo am Studienende angekommen war und nach einer Nachfolge suchte. „Natürlich habe ich mich riesig darüber gefreut, dass ich gefragt und mir die Leitung zugetraut wurde“, bemerkt Hartenstein.


Turbulent geht es meist zu Beginn eines Semesters zu, wenn das zehnköpfige studentische Team in Teilen neu aufgestellt werden muss. Gemeinsam mit ihrem jeweiligen Co-Leiter oder ihrer jeweiligen Co-Leiterin verantwortete Hannah Hartenstein dabei den gesamten Prozess: von der Ausschreibung offener Stellen über die Auswahl neuer Teammitglieder in Bewerbungsgesprächen bis hin zu deren Einarbeitung. Erst wenn das Team steht, geht es weiter mit Lebensmittel- und Getränkebestellungen, bevor schließlich die Schichten eingeteilt werden. „Im Semesterbetrieb erscheinen zudem Social-Media-Posts, in denen wir über unsere Öffnungszeiten, anstehende Events wie Barabende oder Neuheiten im Sortiment informieren“, ergänzt Hartenstein, die neben dem Café auch das Backteam leitete, in dem regelmäßig das allseits bekannte und berüchtigte Bananenbrot gebacken wird.


Mit Ausnahme eines Auslandssemesters in Kopenhagen hatte Hannah Hartenstein vom dritten bis zum achten Semester die Leitung des studentischen Cafés inne. „Dass ich so lange dabei blieb, hat vor allem damit zu tun, dass die Arbeit nie langweilig wurde und ich nie davor zurückgescheut habe, Verantwortung zu übernehmen und in wechselnden Konstellationen zu arbeiten“, begründet Hartenstein, die gemeinsam mit ihrem Team laufend versucht hat, Barabende auf die Beine zu stellen oder Bewirtungsaufträge zu bewerkstelligen.

Fokus auf Kursvielfalt im CME-Studium

Die fächerübergreifende Kurswahl, die das CME-Studium ab einem gewissen Semester ermöglicht, nutzte Hannah Hartenstein bewusst für sich. „Während sich viele meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen auf einen Minor festlegten, habe ich mir durch die Kursvielfalt eine größere Bandbreite an Themen erschlossen. Hauptsache, der praktische Teil – sei es Exkursionen oder konkrete Fallbeispiele – kam nie zu kurz", berichtet Hartenstein. Im weiteren Studienverlauf belegte sie mehr und mehr Managementkurse – so auch in ihrem Auslandssemester an der Copenhagen Business School. „Die Stärke des CME-Bachelors liegt gerade darin, uns zu verantwortungsbewussten und kreativen Führungskräften auszubilden. Mein Ziel steht mittlerweile fest: Zukünftig möchte ich selbst in einer Managementposition arbeiten“, verrät Hartenstein.


Besonders angetan war Hannah Hartenstein von dem Kurs „Management of Innovation and Transformation“ von Professor Dr. Matthias Weiss, in dem danach gefragt wird, wie das Innovationspotenzial für die digitale Transformation in Unternehmen nachhaltig gestärkt werden kann. „Schon während des Kurses wusste ich, dass ich meine Bachelorarbeit in diesem Themenfeld schreiben möchte, nur fehlte mir noch das konkrete Thema“, erzählt Hartenstein.

Bachelorarbeit zu digitalen Innovationen in Kliniken

Erst ein Praktikum im Büro der Geschäftsleitung einer Klinik in Zürich brachte sie zur Fragestellung ihrer Abschlussarbeit. „Gemeinsam mit der damaligen Geschäftsführerin habe ich viel über digitale Innovationen in Kliniken – von Telemedizin über Künstliche Intelligenz bis hin zu Robotik – gesprochen und darüber, warum sie oftmals nicht umgesetzt werden“, erklärt Hartenstein, die in ihrer Bachelorarbeit zunächst eine Literaturanalyse zu digitalen Innovationen im Klinikkontext durchführte und anschließend die Faktoren digitaler Innovationen in zwei Kliniken gegenüberstellte. Dabei habe ich herausgefunden, dass es nicht an der technologischen, sondern an der menschlichen Komponente liegt, warum bestimmte digitale Innovationen nicht umgesetzt werden. Erschwerend hinzu kommen neben der Skepsis und Angst gegenüber den neuen Technologien die festgefahrenen Strukturen und Prozesse in Kliniken“, beschreibt Hartenstein.


Die Bachelorarbeit ist abgegeben, fehlt lediglich die Graduierungsfeier in diesem Herbst. Zu diesem Zeitpunkt wird Hannah Hartenstein zurückgekehrt sein nach Kopenhagen, um einen Master in Business Administration and Innovation in Health Care zu studieren. Mit der Abgabe ihrer Bachelorarbeit ging auch ihre Arbeit für das studentische Café zu Ende. Im Mai hatte sie ihre letzte Schicht. „Das Gute ist, dass ich eine großartige Nachfolge gefunden habe und die Übergabe einwandfrei über die Bühne ging“, erläutert Hartenstein. „Und was auch nicht schlecht ist: Sollten einmal alle Stricke reißen, dann weiß ich jetzt zumindest, wie es ist, ein eigenes Café zu führen.“

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