Im Interview mit ZU|Daily spricht Professor Dr. Simon Koschut, Vizepräsident für Forschung und Inhaber des ZEPPELIN-Lehrstuhls für Internationale Sicherheitspolitik, über die Veränderungen der europäischen Sicherheitsordnung. Er ordnet den Begriff der „Zeitenwende“ kritisch ein: Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe viele Entwicklungen zwar beschleunigt und sichtbar gemacht, diese hätten jedoch schon lange vor 2022 begonnen. Sicherheit versteht Koschut heute als vernetztes Phänomen, das neben militärischen Fähigkeiten auch wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Faktoren umfasst. Für das transatlantische Verhältnis stelle sich weniger die Frage „mehr Europa oder mehr NATO“, sondern wie eine stärkere europäische Handlungsfähigkeit das Bündnis ausgewogener machen könne. Als möglichen blinden Fleck benennt er die gesellschaftliche Dimension von Sicherheit, etwa Vertrauen, Zusammenhalt und Resilienz gegenüber hybrider Einflussnahme. Mit Blick auf den Defence Summit an der Zeppelin Universität betont er zudem die Verantwortung von Wissenschaft und Hochschulen: Sie sollen Entscheidungsgrundlagen verbessern, Unsicherheiten transparent machen und dabei wissenschaftliche Offenheit mit Forschungssicherheit und einem verantwortungsvollen Umgang mit Dual-Use-Wissen verbinden.
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