Female Founders Night
Unterschätzt, übergangen, unbeirrt: Was Gründerinnen antreibt
Text: Charlotte Heinz | Fotos: Jim Papke
27.10.2026
Life
Mehr als 250 Gäste zählte die Female Founders Night: Das Format gibt Gründerinnen und Unternehmerinnen eine Bühne.
Mehr als 250 Gäste zählte die Female Founders Night: Das Format gibt Gründerinnen und Unternehmerinnen eine Bühne.
© Jim Papke
Female Founders Night

Unterschätzt, übergangen, unbeirrt: Was Gründerinnen antreibt

Text: Charlotte Heinz | Fotos: Jim Papke
27.10.2026
Life

Mehr als 250 Gäste, 13 Speakerinnen, ein Tag voller Panels und Workshops: Bei der diesjährigen Female Founders Night erzählen Gründerinnen und Unternehmerinnen an der Zeppelin Universität, wie sie sich in einer Weltwirtschaft behaupten, in der Frauen immer noch die Ausnahme sind.

Wozu Frauen an der Uni seien? Um einen Mann zu finden. Das habe ein Professor ihr und ihren Kommilitoninnen noch Anfang der Neunzigerjahre in einer Vorlesung erklärt, erzählt Evelyne de Gruyter bei ihrer Eröffnungs-Keynote im vollen Graf-von-Soden-Forum. Viel ermutigender klingen auch die Zahlen nicht, die die Geschäftsführerin des Verbands der Unternehmerinnen in Deutschland e.V. (VdU) mitgebracht hat: Nur etwa jedes fünfte Start-up in Deutschland hat mindestens eine Gründerin im Team. „Aber ich soll ja auch etwas Positives erzählen, wurde mir gesagt“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Der Saal lacht.


De Gruyters Appell an die Studierenden ist deutlich: „Wenn wir als Frauen am Tisch sitzen wollen, müssen wir diesen Platz einfordern.“ Und wenn es mal nicht klappt? „Aufstehen, Krönchen richten, weitermachen.“ Wie das aussehen kann, steht auf einer der großen Tafelwände im ZF Campus der ZU: „If they don´t give you a seat at the table, bring a folding chair.“ Der Satz wird der US-Politikerin Shirley Chisholm zugeschrieben, der ersten schwarzen Frau im US-Kongress. Er bringt die Message von de Gruyter auf den Punkt, die sich auch durch den ganzen Tag zieht: Auf eine Einladung zu warten, bringt wenig. Wer mitreden will, muss sich seinen Platz selbst nehmen.

Evelyn de Gruyter appelliert in ihrer Keynote: „Wenn wir als Frauen am Tisch sitzen wollen, müssen wir diesen Platz einfordern.“
Evelyn de Gruyter appelliert in ihrer Keynote: „Wenn wir als Frauen am Tisch sitzen wollen, müssen wir diesen Platz einfordern.“
© Jim Papke

Sichtbar sein statt übersehen zu werden

Wie es sich anfühlt, als junge Gründerin unterschätzt zu werden, wird im Panel „Young, Bold, Branded“ schnell klar. Juliane Reuter, Mitgründerin der Tennis-App ScoreGO mit rund 150.000 Downloads, erzählt, wie sie einmal allein zu einer Veranstaltung kam und gleich zweimal gefragt wurde, ob sie in Vertretung für den CEO da sei. Sie musste mehrmals klarstellen: „Nein, ich bin die CEO.“ Sophie Prinz dagegen brachte ihr Matcha-Getränk PRINZZ in knapp einem Jahr bundesweit in die Edeka-Regale, obwohl Skeptiker:innen ihr das frühestens in zwei, drei Jahren zugetraut hätten. Ihr Motto und Rat: „Sei flexibel bei der Umsetzung, aber stur bei deiner Mission.“


Ein Weckruf ist auch der Workshop von Francesca-Barbera Eckert. Die Gründerin von FemmeInvest räumt mit Glaubenssätzen auf, die viele junge Frauen vom Investieren abhalten: „Ich bin schlecht mit Geld“, „Ich bin noch zu jung“, „Dafür brauche ich viel Kapital“. Frauen investieren seltener – nicht, weil sie risikoscheuer seien, sondern weil es ihnen niemand erklärt habe, so Barbera-Eckert. Für den Anfang brauche man nicht viel Kapital. Ihr wichtigstes Argument ist aber das Alter des Publikums: „Ihr habt das größte Kapital: Zeit.“ Die Teilnehmenden des Workshops verlassen den Raum wenig später mit einem konkreten Auftrag: sich noch in dieser Woche einen Broker aussuchen und einen ersten kleinen Sparplan einrichten.

Dafür brauche ich viel Kapital: Darum dreht sich ein Workshop mit der Gründerin Francesca Barbera-Eckert.
Dafür brauche ich viel Kapital: Darum dreht sich ein Workshop mit der Gründerin Francesca Barbera-Eckert.
© Jim Papke

Der Weg vom Familientisch in die Chefetage

Die Frage nach dem Platz am Tisch wird im Panel mit Romina Haller und Kirsten Greten besonders greifbar. Hier geht es um einen Tisch, an dem besonders viel entschieden wird: den Familientisch. Romina Haller ist an diesem aufgewachsen. Gemeinsam mit ihrer Schwester hat sie das Familienunternehmen Haller Raumgestaltung übernommen, obwohl die beiden das eigentlich nie wollten. Als sie das erzählt, schaut sie ihren Vater, der im Publikum sitzt, schmunzelnd an. Umgestimmt hat sie dann schließlich die Frage: „Was wollen wir in der Welt bewegen?“ Heute führen sie den Betrieb mit über 60 Mitarbeitenden. Nach weiblichen Vorbildern hätten sie damals vergeblich gesucht. Also haben sie sich vorgenommen, selbst Vorbild zu sein: Seit ihrem Einstieg 2021 ist der Frauenanteil im Unternehmen von 30 auf 60 Prozent gestiegen.


Kirsten Greten, die als Unternehmensberaterin mittelständische Unternehmen begleitet, erzählt die Gegengeschichte. In der über 100 Jahre alten Unternehmerfamilie ihres Mannes bekamen die Töchter der Familie nicht einmal die Option, eine Rolle im Unternehmen zu spielen. Als das Paar die Firma modernisieren wollte, blockierten die älteren Gesellschafter, bis die Familie schließlich ihre Anteile verkaufte. Ihr Rat ist getragen von ihrer Erfahrung: „Ich habe viel zu viel gekämpft.“ Besser sei es zu verstehen, woher der Widerstand der älteren Generation kommt.

In den Panels und Workshops sprechen die Speakerinnen über ihre Rückschläge und Erfolge – ohne Filter und mit viel Offenheit.
In den Panels und Workshops sprechen die Speakerinnen über ihre Rückschläge und Erfolge – ohne Filter und mit viel Offenheit.
© Jim Papke

„Ein Kaffee kann genauso viel wert sein wie ein MBA“ – Die Kraft des Netzwerks

Woher man den Klappstuhl für den Tisch nimmt, erzählt Bianca Brunner. Als Erste in ihrer Familie besuchte sie die Uni, und in diesem Jahr wurde sie als „Leader of the Year“ ausgezeichnet. Ihr Trick: nicht „Kannst du mir helfen?“ fragen, sondern „Kennst du jemanden, der mir helfen könnte?“. Wer einmal in einem Netzwerk ist, für den werde es schnell zum Selbstläufer. „Ein Kaffee kann genauso viel wert sein wie ein MBA.“


Den Tisch für diesen Tag haben Studierende der Zeppelin Universität gebaut: Fast ein Jahr lang hat ein 17-köpfigen Team neben dem Studium die Female Founders Night organisiert. „Uns ging es nie darum, Gründerinnen als die Ausnahme zu feiern“, sagt Matilda Fritzmeier, die gemeinsam mit Constantin Sachsenberg das Event geleitet hat. „Wir wollten zeigen, wie selbstverständlich sie längst sind und wie viel sie bewegen.“ Damit ist das Ziel am Abend der Female Founders Night klar: dass irgendwann keine Frau mehr einen Klappstuhl braucht, um einen Platz am Tisch zu bekommen. Doch bis dahin muss sie ihn sich eben nehmen.

Haben fast ein Jahr auf diesen einen Tag hingearbeitet: das studentische Organisationsteam der Female Founders Night 2026.
Haben fast ein Jahr auf diesen einen Tag hingearbeitet: das studentische Organisationsteam der Female Founders Night 2026.
© Jim Papke

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