
Wenn Künstliche Intelligenz Unternehmen kleiner, flacher und schneller macht – was müssen Gründer:innen dann überhaupt noch können? Beim diesjährigen Village Hub geben Expertinnen und Experten aus der Start-up-Szene, darunter viele Alumnae und Alumni, eine deutliche Antwort. Und die hat weniger mit Technik zu tun, als man vielleicht denkt.
Milliardenunternehmen mit nur zehn Mitarbeitenden: Klingt skurril, ist für Maximilian Dekorsy aber keine ferne Zukunftsvision mehr. „Wir sind davon nicht so weit weg“, sagt der Gründer und CEO von ecoplanet gleich zu Beginn seiner Keynote. Dekorsy hat selbst an der Zeppelin Universität studiert, heute entwickelt sein Start-up KI-gestützte Software, mit der mittelständische Unternehmen ihren Energieverbrauch steuern. Er erzählt, wie in Start-ups klassische Titel und Hierarchien immer mehr an Bedeutung verlieren. Stattdessen arbeite jede:r operativ mit, auch er selbst als Gründer. In seinem Vertriebsteam übernehme KI inzwischen die Recherche und Vorbereitung. So habe er statt 90 Minuten nun 120 Minuten Zeit für das Gespräch mit den richtigen Kundinnen und Kunden.
Aber was bleibt dann noch für die Arbeitskraft Mensch? Dekorsy ist der Meinung: „Ein cooles Modell zu bauen, ist nicht mehr smart. Das kann jeder.“ Den Unterschied mache ein klares Ziel vor Augen. Nur, wer selbst schon mal ein Ergebnis von Hand erarbeitet hat, wisse, wie man gute Prompts schreibt. Noch wichtiger sei die Fähigkeit, Komplexität so einfach zu erklären, dass sie alle verstehen.

Dekorsy ist einer von vierzehn Speaker:innen, die das Village Hub-Team an diesem Nachmittag auf dem SeeCampus der Zeppelin Universität holt. Bereits das dritte Jahr in Folge wird das Format von der studentischen Initiative „Startup Village by Tatendrang“ organisiert. Rund 175 Teilnehmende verteilen sich bei Sonnenschein auf Foyer, Seminarräume und die Mensa. Im Publikum sitzen vor allem Studierende, darunter auch einige Erstsemester, aber auch Alumnae und Alumni, Professor:innen und Dozierende.
Parallel zur Keynote lernen die Teilnehmenden des Workshops „Prompt to Pitch“ vom PioneerPort und dem move+ Accelerator, wie sich KI als „Co-Founder“ nutzen lässt. In Teams entwickeln sie eigene Ideen zu dreiminütigen Pitches, die übrigen Teilnehmenden werden zur Jury. Auch ZU-Alumnus Vincent Koch, Gründer von klarx und Frans Health, berichtet davon, dass KI-Agenten seine Arbeit teilweise fünf- bis zehnmal schneller machen – natürlich nur, wenn man sie richtig bedient.
KI verändert also das Werkzeug, aber nicht das, worauf es beim Gründen wirklich ankommt. Und das ist kein angeborenes Talent oder Gründer-Gen, sondern fast reine Übungssache. Mark Kugel, Gründer unter anderem des Space-Biotech-Startups Yuri, erzählt, was ihm selbst den Anstoß gab: der Vergleich mit einem etwas älteren, erfolgreichen Gründer. Der sei definitiv smarter als er, „aber vielleicht nicht doppelt so smart, sondern vielleicht nur so 30 Prozent“. Sein Satz bleibt hängen, weil er die Distanz zu den vermeintlich großen Genies schrumpfen lässt.

Wie früh man mit dem Üben anfangen kann, zeigt Charlotte Schmid. Die ZU-Alumna hat Lucia Fuchs in ihrem ersten Semester kennengelernt – und dann direkt mit ihr gemeinsam gegründet. Ihr Start-up habitus.art verbindet Malen nach Zahlen mit Werken echter Künstler:innen. Ihr Rat für die Studierenden im Publikum: „Einfach machen und nicht zu lang nachdenken!“
Jennifer Hintz, heute Chief of Staff beim Münchner Gründungszentrum UnternehmerTUM, lernte ihren Mitgründer dagegen auf einer Startup-Konferenz kennen und baute das Fintech finway sechs Jahre lang als Co-CEO auf. So unterschiedlich die Wege der beiden sind, so einig sind sie sich jedoch in folgendem Punkt: Das Studium sei ein guter Zeitpunkt für die erste Gründung – die Fixkosten seien niedrig, die Verantwortung überschaubar und die Fehler, aus denen man am meisten lernt, müsse man ohnehin selbst machen.

Dass diese Rechnung aufgeht, zeigt sich nicht nur auf der Bühne: Runtergerechnet auf die Studierendenzahlen zählt die Zeppelin Universität regelmäßig zu den gründungsstärksten Universitäten Deutschlands. Dass so viele Alumnae und Alumni unter den Speaker:innen sind, ist also kein Zufall.
Zum letzten Talk füllt sich das Foyer auf dem SeeCampus nahezu vollständig. Als Kilian Strobl die Bühne betritt, applaudiert das Publikum laut. Jede:r kennt ihn. Er hat gerade erst sein CCM-Studium an der Zeppelin Universität abgeschlossen. Gemeinsam mit Arved Friese hat er in seinem zweiten Semester das Studierendenbier Züffl gegründet, das mittlerweile fester Bestandteil studentischer Feiern in- und außerhalb der Universität ist. Gebraut wird es von Meckatzer. Constantin Weiss, Strobls Gesprächspartner im Panel, leitet in fünfter Generation das Marketing der Familienbrauerei. Was als Schnapsidee begann, hat sich inzwischen an der Uni über 21.000-mal verkauft, jedes Semester mit einem neuen Etikett, das aus einem Designwettbewerb unter den Studierenden hervorgeht.

Dieses Semester bleibt das Etikett zum ersten Mal leer. Strobl und Friese geben die Marke symbolisch an die Studierenden weiter. Vor der Bühne stehen Bierkästen und bunte Stifte bereit – noch während des Talks fangen einige Leute im Publikum an, ihre Flaschen selbst zu gestalten. „Züffl ist Partizipation“, sagt Strobl.
Was der diesjährige Village Hub mehr als deutlich macht: Niemand wird als Gründer:in geboren. Gründen ist eine Haltung, die man üben kann – und an der Zeppelin Universität fängt man damit oft schon im ersten Semester an. Vielleicht ist das leere Etikett deshalb das passendste Bild für diesen Tag. Was darauf landet, entscheiden jetzt die Studierenden selbst. Die Alumnae und Alumni auf der Bühne haben gezeigt, wie es gehen kann.



