Internationale Kunstfestivals sind zu zentralen Plattformen des transnationalen kulturellen Austauschs geworden und verstehen sich zunehmend als Räume des transkulturellen Dialogs. Diese Austauschprozesse sind jedoch durch institutionelle Strukturen geprägt, die keineswegs neutral sind. Entscheidungen über die kulturelle Programmgestaltung, Förderstrukturen und Kooperationen beeinflussen maßgeblich, welche künstlerischen Produktionen internationale Sichtbarkeit erlangen und welche marginalisiert bleiben. Dies ist insofern von besonderer Bedeutung, als Festivals zunehmend zu Orten werden, an denen kulturelle Macht ausgehandelt wird. Dennoch wurde bislang nur unzureichend untersucht, wie solche Veranstaltungen strukturelle Asymmetrien zwischen dem Globalen Norden und Regionen wie Westasien und Nordafrika (WANA) reproduzieren oder hinterfragen. Im Zentrum des Projekts steht daher die Frage, wie kulturelle Sichtbarkeit, symbolische Anerkennung und Kanonbildung innerhalb globaler kultureller Felder – insbesondere in den arabisch-europäischen Kulturbeziehungen – hervorgebracht und geprägt werden.
Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt, wie internationale Kunstfestivals als Orte transkultureller Praxis und kultureller Anerkennung zwischen der WANA-Region und Deutschland innerhalb eines breiteren europäischen kulturpolitischen Kontextes fungieren. Festivals werden dabei gleichzeitig als kulturelle Institutionen, kulturpolitische Handlungsräume und Orte symbolischer Anerkennung analysiert. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie kultureller Austausch in der Praxis organisiert wird, nach welchen Strukturen sich künstlerische Sichtbarkeit richtet und inwiefern Festivals zu gerechteren Formen des internationalen kulturellen Dialogs beitragen können. Darüber hinaus zielt die Forschung darauf ab, strukturelle Bedingungen zu identifizieren, die einen wechselseitigen und gleichberechtigten kulturellen Austausch ermöglichen oder limitieren.
Methodisch verbindet das Projekt qualitative Experteninterviews und Feldforschung mit der Analyse von Dokumenten und Festivalprogrammen sowie einer Diskursanalyse der Festival-Kommunikation und sozialer Medien. Interviews mit Kulturmanager:innen, Kurator:innen und Künstler:innen geben Einblicke in Entscheidungsprozesse, Förderstrukturen und die Herausforderungen bei der Organisation transkultureller Kulturveranstaltungen. Die Analyse von Programm- und Institutionsdokumenten ermöglicht es, Muster kultureller Sichtbarkeit, Teilhabe und Repräsentation über einen längeren Zeitraum hinweg nachzuzeichnen.