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Mai 2019

09 Do
artsprogram
artsprogram Das artsprogram etabliert künstlerische Praxis als Bestandteil von Lehre und Forschung an der ZU. Es lädt Künstler, Studierende, Wissenschaftler und Gäste zu Begegnungen zwischen Gegenwartskunst und Wissenschaften ein.
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Wissenschaftliche Events
Wissenschaftliche Events In forschungsorientierten Symposien, Vorträgen und Kolloquien geben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Ein- und Ausblicke in ihre Forschungstätigkeit.
19.00 – 21.00 Uhr
Friedrichshafen | ZF Campus, Black Box 1.09
Vortrag | Prof Dr Franz Schultheis
Kreativität als Beruf: Soziologie des Arbeitslebens in bildender Kunst und Design

Der kreativ Tätige, allen voran der Künstler, inkarniert in unserer „Gesellschaft der Individuen“ (Elias 1991) auf geradezu idealtypische Weise den Anspruch auf Authentizität, Unverwechselbarkeit der Persönlichkeit und die stetige Arbeit an deren Verwirklichung und Vervollkommnung. Hiermit ist er gewissermaßen zu einem tonangebenden Leitbild für breite Bevölkerungsschichten, insbesondere die bildungsnahen neuen Mittelschichten, geworden. Seine charakteristische Distanz zur Normalität der alltäglichen Lebensführung beschert ihm ein aus dieser Außeralltäglichkeit und sozialen Distinktion erwachsendes Charisma und eine Noblesse der Erhabenheit über den vulgären Materialismus der kapitalistischen Rechenhaftigkeit und Geschäftigkeit, die schon als solche für viele Zeitgenoss_innen ein starkes Motiv für einen an diesem Modell orientierten biografischen Entwurf darstellen. Kehrseite der Medaille ist die schon sprichwörtliche Brotlosigkeit dieser gesellschaftlichen Existenz für viele ihrer Adept_innen: Die ostentative Distanz zur von ökonomischem Interesse getriebenen Markt- und Erwerbsgesellschaft geht einher mit dem verbreiteten Los sozioökonomischer Prekarität und Randständigkeit, mag beides auch noch so romantisch verklärt und euphemisiert sein.

Franz Schultheis ist seit 2019 als Seniorprofessor an der ZU tätig. Zur Person:
Promotion Universität Konstanz, Habilitation EHESS/ Paris bei Pierre Bourdieu, Professuren sukzessive an den Universitäten Neuchâtel, Genf, St. Gallen. Er ist Vize-Präsident des Schweizer Wissenschaftsrates und Präsident der Stiftung Bourdieu. Aktuelle Forschungsthemen: Soziologie der Kunst und Kreativwirtschaft. Jüngste Publikationen: „Unternehmen Bourdieu. Erfahrungsbericht.“ (Bielefeld 2019); „Kunst als Passion. Lebenswege in eine Welt für sich.“ (Köln 2018); „When Art meets Money. Encounters at the Art Basel.“ ,(Köln 2015); „Art Unlimited? Dynamics and Paradoxes of a Globalizing Art World .“(Bielefeld 2016); „Η οικονομία της αθλιότητας: Ελλάδα 2010-2015 [The economy of misery: Greece 2010-2015], (Athen 2015).
 

Sprache
Deutsch
Veranstaltungsart
Öffentlich
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Kreativität als Beruf: Soziologie des Arbeitslebens in bildender Kunst und Design

event_location

Black Box 1.09

event_dates
Do, 09.05.2019, 19:00 Uhr - 21:00 Uhr

Der kreativ Tätige, allen voran der Künstler, inkarniert in unserer „Gesellschaft der Individuen“ (Elias 1991) auf geradezu idealtypische Weise den Anspruch auf Authentizität, Unverwechselbarkeit der Persönlichkeit und die stetige Arbeit an deren Verwirklichung und Vervollkommnung. Hiermit ist er gewissermaßen zu einem tonangebenden Leitbild für breite Bevölkerungsschichten, insbesondere die bildungsnahen neuen Mittelschichten, geworden. Seine charakteristische Distanz zur Normalität der alltäglichen Lebensführung beschert ihm ein aus dieser Außeralltäglichkeit und sozialen Distinktion erwachsendes Charisma und eine Noblesse der Erhabenheit über den vulgären Materialismus der kapitalistischen Rechenhaftigkeit und Geschäftigkeit, die schon als solche für viele Zeitgenoss_innen ein starkes Motiv für einen an diesem Modell orientierten biografischen Entwurf darstellen. Kehrseite der Medaille ist die schon sprichwörtliche Brotlosigkeit dieser gesellschaftlichen Existenz für viele ihrer Adept_innen: Die ostentative Distanz zur von ökonomischem Interesse getriebenen Markt- und Erwerbsgesellschaft geht einher mit dem verbreiteten Los sozioökonomischer Prekarität und Randständigkeit, mag beides auch noch so romantisch verklärt und euphemisiert sein.

Franz Schultheis ist seit 2019 als Seniorprofessor an der ZU tätig. Zur Person:
Promotion Universität Konstanz, Habilitation EHESS/ Paris bei Pierre Bourdieu, Professuren sukzessive an den Universitäten Neuchâtel, Genf, St. Gallen. Er ist Vize-Präsident des Schweizer Wissenschaftsrates und Präsident der Stiftung Bourdieu. Aktuelle Forschungsthemen: Soziologie der Kunst und Kreativwirtschaft. Jüngste Publikationen: „Unternehmen Bourdieu. Erfahrungsbericht.“ (Bielefeld 2019); „Kunst als Passion. Lebenswege in eine Welt für sich.“ (Köln 2018); „When Art meets Money. Encounters at the Art Basel.“ ,(Köln 2015); „Art Unlimited? Dynamics and Paradoxes of a Globalizing Art World .“(Bielefeld 2016); „Η οικονομία της αθλιότητας: Ελλάδα 2010-2015 [The economy of misery: Greece 2010-2015], (Athen 2015).