Auf dieser Seite
Fragen?
Ihre Frage:
 
18.10.2018

Bodensee-Unternehmen sehen in Digitalisierung eine hohe Bedeutung und Nachholbedarf in der Praxis

Friedrichshafen/Kreuzlingen. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in der Bodenseeregion haben den Stellenwert der Digitalisierung für ihren Geschäftserfolg weitestgehend erkannt, bei der Umsetzung von digitalen Prozessen aber hinken viele noch hinterher. Die Unternehmen wünschen sich zudem Unterstützung von der Politik vor allem in einer verbesserten digitalen Infrastruktur und bei der Aus- und Weiterbildung von IT-Fachkräften am Bodensee. Eigenen Handlungsbedarf sehen sie bei rechtlichen Fragestellungen sowie Datenschutz und -sicherheit.


Dies zeigen die Ergebnisse einer Befragung der Führungsebenen von 115 KMU in der Bodenseeregion in Baden-Württemberg, Bayern, der Ostschweiz und Vorarlberg. Diese sind im soeben veröffentlichten Grünbuch „Digitale Agenda Bodensee“ festgehalten, das gemeinsam von Christopher Köhler von der Zeppelin Universität, Prof. Dr. Sibylle Olbert-Bock von der FHS St. Gallen Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Prof. Dr. Marc Strittmatter von der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung erstellt wurde.


„Der Wettbewerb um IT-Fachkräfte in der Region, rechtliche Fragen zum Datenschutz sowie der dringend notwendige Ausbau der digitalen Infrastruktur sind die zentralen Problemstellungen der KMU in der Bodenseeregion“, erklärt Christopher Köhler. Insgesamt zeigen die Daten von 115 KMU aus der Bodenseeregion, dass die Relevanz der Digitalisierung in den Führungsebenen längst angekommen ist. Lediglich zehn Prozent der befragten Geschäftsführer oder Abteilungsleiter bewerten den digitalen Wandel als unwichtig für das eigene Unternehmen.


Gleichzeitig ist lediglich gerade jedes fünfte KMU in der Bodenseeregion weitgehend digitalisiert. Mit ein Grund dafür ist auch das Fehlen von IT-Fachkräften in vielen KMU in der Bodenseeregion. Solche müssen am Arbeitsmarkt oftmals außerhalb der Bodenseeregion rekrutiert werden. „Gleichzeitig verändern sich durch die Technisierung oft unbewusst die personalpolitischen Rahmenbedingungen und die Anforderungen an Mitarbeiter. Darauf müssen die Unternehmen reagieren“, erläutert Sibylle Olbert-Bock.


Zudem sehen 80 Prozent der befragten Führungskräfte rechtliche Fragestellungen als zentrale Herausforderungen für das eigene Unternehmen im Rahmen der Digitalisierung. „Das Grünbuch gibt deshalb auch einen Überblick über die zentralen rechtlichen Fragestellungen und liefert detaillierte Analysen zu branchentypischen Rechtsfragen der Digitalisierung“, erklärt Marc Strittmatter. Insbesondere sind dies die Frage nach der Zuordnung der Daten, der Umgang mit der EU-Datenschutz-Grundverordnung, dem Knowhow-Schutz sowie Fragen der Haftungszuordnung in digitalisierten Wertschöpfungsketten. Ebenso sind Fragen der eigenen Datensicherheit für die Bodensee-KMU hoch relevant. In beiden Bereichen fehlen nach Aussagen der Führungskräfte jedoch Detailkenntnisse innerhalb der Unternehmen.


Für Dr. Frank Speier, Leiter des Referats Wirtschaftspolitik in Europa im Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg und Vorsitzenden der Kommission Wirtschaft der Internationalen Bodensee-Konferenz, zeigen diese Ergebnisse klare Botschaften an die politischen Akteure in der Bodenseeregion: „Wir müssen über die Landes- und Kantonsgrenzen hinweg Bildungs- und Weiterbildungsangebote zur Digitalisierung in der Bodenseeregion forcieren und gleichzeitig ein innovationsfreundliches Umfeld schaffen, damit diese IT-Fachkräfte auch in der Region bleiben. Das Grünbuch gibt uns dafür wichtige Hinweise. Wir versuchen in der neuen IBK-Digitalisierungsinitiative einige Lösungswege aufzuzeigen.“


Für Prof. Dr. Insa Sjurts, Präsidentin der Zeppelin Universität, ist die Digitalisierung die zentrale Herausforderung für die Bodenseeregion: „Als Hochschulen können wir bei der Bearbeitung dieser Herausforderungen gemeinsam mit der Praxis einen wichtigen Beitrag leisten.“


Die Ergebnisse der Studie werden zunächst in einem Grünbuch „Digitale Agenda Bodensee“ publiziert. Gemeinsam mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft erarbeitet das Projektteam in den kommenden Monaten nun konkrete Handlungsempfehlungen für die Politik und Unternehmen, die im Sommer 2019 in einem Weißbuch präsentiert werden. „Die intensive und langjährige Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis bei der Suche nach Lösungen für solche komplexe Fragestellungen ist einer der Faktoren für die Innovationskraft in der Bodenseeregion“, erklärt Prof. Dr. Sebastian Wörwag, Vorsitzender der Internationalen Bodensee-Hochschule (IBH), die das Projekt unterstützt.


Finanziell gefördert wird das IBH-Lab „KMUdigital“ vom EU-Regionalfonds „Interreg V Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein“. Die Studie durchgeführt haben die Zeppelin Universität Friedrichshafen, die FHS St. Gallen Hochschule für Angewandte Wissenschaften sowie die Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung. Gemeinsam mit fünf weiteren Hochschulen und einer Reihe von Praxispartnern bilden sie das IBH-Lab „KMUdigital“.


Das Grünbuch ist online verfügbar – Sie finden es hier