01.10.2020

Elias Sedlmayr

Gut möglich, dass Elias Sedlmayr wegen seines absoluten Gehörs den Weg zur Musik gefunden hat. Seine besondere musikalische Begabung führte ihn von der Yamaha Music School in Hamburg-Eppendorf über die Idyllwild Arts Academy in Südkalifornien bis an die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). An der ZU verschaffte er sich Gehör bei seinen Auftritten als Pianist bei studentisch organisierten Festivals oder bei Graduierungsfeiern. Inzwischen beherrscht er auch die Klaviatur des wissenschaftlichen Arbeitens, was sich daran zeigt, dass er für seine Bachelorarbeit mit dem „Best Bachelor Thesis Award“ der Zeppelin UniversitätsGesellschaft e.V. ausgezeichnet wurde.

Foto: ZU/Samuel Groesch


Wie es genau dazu kam, daran kann sich Elias Sedlmayr nicht mehr erinnern. Jedenfalls wünschte er sich im Alter von nicht einmal fünf Jahren, Klavier zu spielen. Seine Eltern nahmen den Wunsch ernst, und so dauerte es nicht lange, bis ein elektronisches Klavier mit gewichteten Tasten bereitstand. „Glücklicherweise kommt hinzu, dass ich ein absolutes Gehör habe“, bemerkt Sedlmayr. „Das heißt, ich bin in der Lage, die Höhe eines beliebigen gehörten Tons ohne Hilfsmittel exakt zu bestimmen. Dadurch habe ich von Kindesbeinen an einen natürlichen Zugang zur Musik gehabt, was mich wiederum beflügelt hat.“


Um seine musikalischen Anlagen weiterzuentwickeln, besuchte er parallel zum Gymnasium Einzel- und Gruppenunterricht an der Yamaha Music School in Hamburg-Eppendorf. „In diesen Kursen habe ich neben dem eigentlichen Klavierspielen auch das Musizieren im Ensemble, das Improvisieren und das Komponieren erlernt“, berichtet Sedlmayr. „Diese breit angelegte musikalische Ausbildung brachte mir auch andere Genres als die klassische Musik nahe, wie den Jazz.“


Auch wenn ihm die musikalische Ausbildung an der Yamaha Music School einen spielerisch-freien und improvisatorischen Zugang zur Musik eröffnete, so war sie mit Blick auf seine weiteren musikalischen Herausforderungen nicht ausreichend, da er keine klassische Klavierschule durchlaufen hat. Das sollte sich zeigen, als Elias Sedlmayr vor der Oberstufenzeit an die mitten in den Bergen Südkaliforniens gelegene Idyllwild Arts Academy wechselte, die eine der weltweit führenden Musikprogramme anbietet. Nachdem er dort drei Eigenkompositionen eingereicht hatte, erhielt er einen Platz im Music Department und zusätzlich ein Stipendium der Idyllwild Arts Foundation. Der Plan, ein Jahr in den USA zu bleiben und dann wieder nach Deutschland zurückzukehren, wurde schnell ad acta gelegt. „Damals war es mein vorrangiges Ziel, Musik zu studieren“, erläutert Sedlmayr. „Und da die Idyllwild Arts Academy ihre Schülerinnen und Schüler auf das Studium an den besten Kunst- und Musikhochschulen vorbereitet, fiel mir die Entscheidung nicht sonderlich schwer, dort meinen Schulabschluss zu machen.“ Drei Jahre lang erhielt er bis mittags akademischen und bis zum frühen Abend musikalischen Unterricht.


Obwohl er ursprünglich wegen der Faszination für den Jazz in die USA gegangen war, spielte die Jazzmusik nach dem ersten Jahr in Idyllwild eine untergeordnete Rolle. Die klassische Musik drängte sich in den Vordergrund. So registrierte Elias Sedlmayr früh, was in seinem Alter schon alles möglich ist: „Ich habe richtig gute Pianistinnen und Pianisten aus dem asiatischen Raum kennengelernt, die Klavierliteratur von Liszt oder Chopin gespielt haben, als wäre es das Leichteste der Welt. Das hat mich demütig gemacht, aber auch angespornt, genauso gut werden zu wollen.“ Nach einem Gespräch mit dem Fakultäts- und Klavierklassenleiter war klar: Wenn klassisches Klavier, dann zu 100 Prozent. „Die Zeit in den USA hat mich ungemein geprägt. In einem geschlossenen Umfeld und zugleich in einer offenen Atmosphäre mit Gleichgesinnten aus aller Welt zusammenzukommen und mit ihnen gemeinsam hart und kreativ zu arbeiten, war eine großartige Erfahrung.“


Nach dem Abschluss ging es für Elias Sedlmayr zurück nach Europa, aber nicht nach Deutschland, sondern nach Frankreich. „Ich wollte vor Aufnahme eines Studiums noch Französisch lernen und mein Klavierspiel verbessern“, erklärt Sedlmayr. Eine wunderbare Gelegenheit, ein Jahr lang Klavierunterricht mit dem Erlernen der französischen Sprache zu verbinden, ergab sich für ihn am Conservatoire Darius Milhaud im südfranzösischen Aix-en-Provence.


Ein zweites Jahr hätte er dranhängen können, doch er entschied sich dagegen. „Währenddessen stellte sich mir immer dringlicher die Frage, ob mich ein rein musikalisches Studium aus- und erfüllt“, begründet Sedlmayr. „Denn mehr und mehr verspürte ich den Drang, mich auch akademisch weiterzubilden. Genau dieser Drang, meinen vielfältigen Interessen nachzugehen, hat mich schließlich auch davon abgehalten, eine Laufbahn als Konzertpianist anzustreben.“


Beim Gespräch mit einer Beraterin wurde er auf die ZU aufmerksam gemacht: „Sie erzählte mir, dass die ZU ein Ort ist, an dem sich junge Menschen mit ungewöhnlichen Lebenswegen persönlich und akademisch frei entfalten können.“ Weil er damals unentschlossen war, welche Studienschwerpunkte für ihn in Frage kommen, sah Elias Sedlmayr dem Zeppelin-Jahr erwartungsvoll entgegen – einem Jahr, in dem Seminare aus diversen Disziplinen auf dem Lehrplan stehen. „Dieses erste Studienjahr hat dazu geführt, dass ich im Laufe des Studiums etwa zahlreiche Rechtskurse belegt habe“, berichtet Sedlmayr, der während seines Studiums an der ZU in die Stipendienprogramme der Hanns-Seidel-Stiftung und der Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen wurde.


Elias Sedlmayr war es wichtig, sich in den ersten Studienjahren voll und ganz auf das Studium an der ZU konzentrieren, seinen Bildungsschatz zu erweitern und Freundschaften zu schließen. Das Klavierspiel rückte da zwangsläufig in den Hintergrund. Unterdessen kümmerte er sich um einen Studienplatz an einer Musikhochschule in der näheren Umgebung. „Um anspruchsvollen Klavierunterricht zu erhalten und dabei zu erkunden, ob ein Musikstudium Sinn macht, besuchte ich das einjährige PreCollege Musik an der ZHdK“, erzählt Sedlmayr. Als sich allmählich die Einsicht durchsetzte, dass ein Musikstudium tatsächlich Sinn macht, bereitete er sich intensiv auf die praktische und theoretische Aufnahmeprüfung vor. Mit dem Bestehen stand fest, dass er neben dem vierjährigen Bachelor in CCM an der ZU auch einen dreijährigen Bachelor der Musik mit Vertiefung in Klassik und dem Hauptfach Klavier an der ZHdK studiert. Und es ist gar nicht lange her, dass er beide Studiengänge erfolgreich abgeschlossen hat.


Während Elias Sedlmayr in seiner Abschlussprüfung an der ZHdK unter anderem gemeinsam mit einem Geiger Johannes Brahms‘ Sonaten für Klavier und Violine zur Aufführung brachte, setzte er sich in seiner Bachelorarbeit an der ZU mit der Verquickung von Recht und Musik auseinander. „Darin habe ich die Frage untersucht, ob die neue EU-Urheberrechtsrichtlinie für einen fairen Ausgleich der unterschiedlichen Interessen und Rechte von Kreativen, Konsumenten, Musikunternehmen und Plattformbetreibern wie YouTube im digitalen Raum geeignet ist“, erläutert Sedlmayr. Für seine Abschlussarbeit wurde er mit dem „Best Bachelor Thesis Award“ der Zeppelin UniversitätsGesellschaft e.V. ausgezeichnet.


Dass es im Bereich des Möglichen liegt, dass Elias Sedlmayr später einmal als Kulturmanager an einem Musikfestival, Konzerthaus oder Opernhaus tätig sein wird, ist auf seine Tätigkeit bei den Bregenzer Festspielen zurückzuführen. Als Inhaber des CCM-Exzellenzstudienplatzes absolvierte er einen Teil seines Studiums auf der anderen Seeseite und war zwei Festspielsaisons lang in Vollzeit für die Festspiele aktiv. Nachdem er dort sämtliche Abteilungen durchlaufen hatte, arbeitete er eng mit dem damaligen Festspieldramaturgen zusammen. Er verfasste drei Programmhefttexte zu Orchesterkonzerten und wirkte als Projektmanager für die Aufführung des Singspiels „Bastien und Bastienne“ anlässlich des 70-Jahre-Jubiläums der Festspiele. „Bei den Bregenzer Festspielen habe ich ein Gefühl dafür bekommen, wie so ein besonderer Kulturbetrieb tickt“, sagt Sedlmayr. „Insgesamt denke ich, dass ich durch meine theoretische und praktische Reflexion mit der Musik für mein späteres berufliches Leben gut gewappnet bin.“

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