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Studierendenprofile

Chelsea Heese

Für Chelsea Heese ist Engagement kein Fremdwort, sondern Selbstverständnis. Kaum an der ZU angekommen, war sie bei der Amnesty International Hochschulgruppe und im studentischen Organisationsteam der Einführungswoche aktiv – aus letzterem folgten wiederum Aktivitäten im ZU-Eventteam und im Eventvorstand der StudentLounge. Im Anschluss drückte sie diesem Verein von Studierenden für Studierende als Erste Vorstandsvorsitzende ihren Stempel auf – immer mit dem Ziel vor Augen, die ZU zu einem Ort zu machen, an dem man sich wohlfühlt. Aus diesem Grund gründete sie auch die International Student Group, um Austauschstudierenden noch besser zu integrieren.


Chelsea Heese | BA PAIR

Um zu verstehen, weshalb sich Chelsea Heese so vielfältig engagiert, muss man einen Blick in ihre Schulzeit werfen. So gehört das von ihr besuchte Hainberg-Gymnasium Göttingen zum weltweiten Netzwerk der UNESCO-Projektschulen. Auf dem Unterrichtsplan standen daher Themen wie Menschenrechte, Armutsbekämpfung, Toleranz sowie Nachhaltigkeit – doch nicht nur das: „Um die internationale Verständigung und das interkulturelle Lernen zu fördern, wurde jedem die Möglichkeit geboten, sich aktiv an Austauschprogrammen und Welterbe- und Entwicklungshilfeprojekten zu beteiligen“, erzählt sie.

Und das setzte Chelsea Heese konsequent in die Tat um. Gleich das erste Engagement führte sie mit einigen Mitschülern in die südchinesische Provinz Yunnan, wo sie bei einem Wiederaufforstungsprojekt der mehrfach ausgezeichneten Stiftung WELT:KLASSE mitwirkte. „Als gerade einmal 15-Jährige war es schon ein einschneidendes Erlebnis, für mehrere Wochen in einem 1000-Seelen-Dorf auf dem chinesischen Land zu leben“, berichtet Heese. Um ihre Auslandserfahrungen zu teilen, hielt sie als WELT:KLASSE-Botschafterin über Videoschaltungen und Internetblog Kontakt zu ihrer Schulklasse und im Nachhinein Vorträge unter anderem in regionalen Unternehmen, um Fördergelder für künftige Fahrten zu akquirieren.

„Die in Südchina gesammelten Einsichten haben mich letztlich darin bestärkt, nach meiner Rückkehr weitere Projekte anzugehen“, sagt sie. So dauerte es nicht lange, bis Chelsea Heese erneut in die weite Welt aufbrach: Diesmal ging es im Rahmen eines UNESCO-Welterbeprojektes in die südkoreanische Hauptstadt Seoul, wo sie unter anderem eine Woche im buddhistischen Kloster Haein-sa lebte. Weiter ging es zu einem Auslandsschuljahr im texanischen Austin und einem Projektaufenthalt in Norwegens einziger Bergbaustadt und der Weltkulturerbestätte Røros.

Inzwischen fest zum UNESCO-Kreis auf dem Gymnasium gehörend, gründete Chelsea Heese anschließend gemeinsam mit weiteren Mitstreitern die Schülerfirma „macadamiafans“, die auf dem Gedanken des gleichnamigen Bildungsprojektes der Stiftung WELT:KLASSE beruht und bis heute erfolgreich besteht. „Dabei geht es im Kern darum, bio-zertifizierte und fair gehandelte Macadamia-Nüsse und -Öle von kenianischen Kleinbauern in unterschiedlichen deutschen Region zu vertreiben und damit das nachhaltige Bildungsprojekt und die Menschen vor Ort zu unterstützen“, erzählt Heese, die die Schülerfirma bis zu ihrem Abitur als Vorstand leitete.

Im Verlauf ihres sozialen Engagements machte sie zusehends Bekanntschaft mit einem naheliegenden Bereich: der Politik. „Mein wachsendes Interesse für politische Inhalte führte letztlich dazu, dass ich den Beschluss fasste, auch in diesem Bereich zu studieren“, erläutert Heese. Im Sommer und Herbst nach dem Abitur absolvierte sie zunächst ein Praktikum bei der Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. und nahm dann ein Studium in Politikwissenschaften an der Universität Bremen auf, das sie nach zwei Semester abbrach, „was insbesondere daran lag, dass ich mich in großen Massen und in der Anonymität nicht besonders wohlfühle.“

Schon vor dem Erststudium war ihr die ZU vertraut. „Je mehr ich mich dann mit der ZU beschäftigte, desto größer stieg in mir der Wunsch, in Friedrichshafen zu studieren“, erwähnt Heese. „Besonders das kleine, familiäre Umfeld war ein ausschlaggebender Punkt.“ Ausschlaggebend sollte darüber hinaus die vielfältige studentische Initiativenlandschaft sein, die ihrer Meinung nach „keine Wünsche offenlässt.“ Mit dem festen Ziel, sich an der ZU auch außerhalb des Studiums zu engagieren, besuchte Chelsea Heese kurz nach Studienbeginn die Student Fair, um sich ein Bild von den studentischen Initiativen zu machen. Ihre erste Wahl fiel – in Fortführung ihrer Aktivitäten während der Schulzeit – auf die Amnesty International Hochschulgruppe, die Menschenrechtsthemen an der Universität einbringt.

Nach und nach bemerkte sie allerdings, dass sie eine neue Aufgabe braucht. Diese Herausforderung stellte die studentische Weihnachtsfeier dar, die von den Mitgliedern der StudentLounge verwirklicht wird, einem Verein, der ZU-Studierende sowie studentische Initiativen vernetzt und unterstützt – sei es durch vielfältige Freizeitaktivitäten, kulturelle Veranstaltungen oder Hilfsangebote. Kurzerhand ließ sich Chelsea Heese für den Eventvorstand aufstellen und wurde gewählt. „Weil mir die Zusammenarbeit mit dem Team und die Atmosphäre in dem Verein so gut gefiel, entschied ich mich nach einem halben Jahr, für den Vorstandsvorsitz zu kandidieren“, ergänzt Heese. Erneut gewählt, bekleidete sie das Amt ein ganzes Jahr. Als gewaltige Aufgabe stellte sich dabei der Erhalt der Gemeinnützigkeit des Vereins heraus. „Es war schon eine sehr arbeits- und zeitintensive, aber auch sehr erlebnis- und erfahrungsreiche Zeit“, blickt Heese ein bisschen wehmütig zurück. Doch sie kann verkünden: „Nach etlichen Gesprächen kann die StudentLounge auf eine positive Zukunft blicken.“

Als wäre der Posten als Vorstandsvorsitzende nicht schon genug, unterstützte sie als studentische Hilfskraft das Eventteam der ZU. Weil sie über überaus gute Verbindungen zu den studentischen Initiativen verfügt, hat sie vorwiegend deren Veranstaltungen an der Universität betreut.

Apropos gute Verbindungen: Auch auf der interkulturellen Ebene setzte sich Chelsea Heese dafür ein, Studierende zusammen zu bringen. „Bereits ziemlich früh im Studium ist mir aufgefallen, dass die Integration von Austauschstudierenden an der ZU nicht wirklich funktioniert“, berichtet Heese. „Dadurch entstand die Idee, in Kooperation mit dem International Office der ZU eine Initiative zu gründen, um den entgegen zu wirken. Aus dieser Idee wiederum entstand die International Student Group.“ Seither werden eigens für die Austauschstudierenden eine Campusführung sowie Ausflüge angeboten, um ihnen den Einstieg an der Universität zu erleichtern. Außerdem findet jedes Semester eine Study Abroad Fair statt, bei der die Internationals ihre Herkunftsländer und Universitäten vorstellen und direkten Kontakt zu anderen ZU-Studierenden herstellen können. „Inzwischen ist es keine Seltenheit mehr, dass Austauschstudierende nach einem Semester an der ZU noch ein zweites oder drittes bleiben“, sagt Heese. „Genau das wollte ich mit der Initiative bewirken: Dass sich Studierende aus aller Welt bei uns wie zu Hause fühlen.“


Marco Ramljak

Offen sein für alles: So lautet das Lebensmotto von Marco Ramljak. Entsprechend vielseitig sind seine Interessenschwerpunkte, denen sich der 22-Jährige nicht nur im Studium mit Begeisterung widmet. So arbeitet der PAIR-Studierende in der studentischen Initiative „Rock Your Life!“, hat die Partizipationsplattform „jugendforum FN“ mitorganisiert und ist als Werkstudent beim Stiftungsunternehmen WAGNER Group tätig. Und er ist stolz darauf, ZUler wie Häfler zu sein.


Marco Ramljak | BA PAIR

Die Anfangsjahre der Schulzeit gestalteten sich nicht gerade geradlinig für Marco Ramljak, der sich als Sohn einer amerikanischen Mutter und eines kroatischen Vaters in der oberbayerischen Provinz erst einmal behaupten musste. „Das war keine einfache Zeit für mich, was aber auch daran lag, dass ich zunächst nicht besonders integrations- und lernwillig war“, gesteht Ramljak. Zunächst verbrachte er ein Jahr auf der Hauptschule, bevor er auf die Realschule wechselte. Dort wiederholte er die fünfte Klasse und schaffte dann aufgrund seiner verbesserten schulischen Leistungen nach einem weiteren Jahr den Sprung auf das örtliche CJD Christophorus Gymnasium in Berchtesgaden. Ein Glücksfall für Marco Ramljak: „Dort herrschte eine tolle Gemeinschaft, die sich vor allem durch gegenseitige Unterstützung kennzeichnete.“

Dass ihm der gemeinschaftliche Aspekt besonders wichtig war, zeigte sich auch daran, dass er regelmäßig bei der ortsansässigen Tafel im Einsatz war, die von seiner Mutter mitgegründet wurde. „Die soziale Einstellung meiner Eltern hat mich sehr geprägt. So ist mir schon früh klargeworden, dass jeder Mensch mal Hilfe braucht und dass es gemeinsam leichter geht“, bemerkt Ramljak. Als wertvollstes Geschenk, das ihm seine Eltern und gesamte Familie mit auf den Weg gegeben haben, empfindet er allerdings, „dass sie mich früh dazu gedrängt haben, Verantwortung zu übernehmen“.

So war er nicht nur 2. Schülersprecher des Gymnasiums und der Region, sondern auch mit 14 Zeitungsausträger, mit 16 Verkäufer in einer Buchhandlung und mit 18 Kassierer in seiner Lieblingstankstelle der Familie Springl. „Dadurch habe ich nicht nur Selbstbewusstsein getankt, sondern auch mein in mir schlummerndes Interesse für Politik erkannt“, erläutert Ramljak, „denn dort habe ich teils hochpolitische Gespräche mit den Kunden geführt.“ Bedeutsamer war jedoch, dass er sich nun erstmals angekommen fühlte in seiner oberbayerischen Heimat.

Nach dem Abitur machte sich Marco Ramljak auf den Weg zur Berufsberatung und besuchte Ausbildungs- und Studienmessen. Auf einem solchen Event lernte er dann auch die ZU kennen. „Dabei war ich neben dem Studienkonzept besonders beeindruckt von der Orangensaftpresse“, scherzt Ramljak. Er hinterließ seine Kontaktdaten und wenig später flatterte auch schon der erste Newsletter in sein E-Mail-Postfach – darin ein Hinweis auf die Schülerakademie. Er überlegte nicht lange, reichte seine Bewerbung ein und erhielt die Zusage für den Workshop „Digital and Liquid Democracy“ bei Professor Dr. Jörn von Lucke. Ramljak war sofort Feuer und Flamme: „Die Schülerakademie hat mich sehr inspiriert. Es war nicht nur großartig, sich mit Gleichgesinnten einem wissenschaftlichen Thema zu nähern, sondern ich habe auch schnell festgestellt, dass genau diese Art des interdisziplinären Studierens genau zu mir passt.“

Marco Ramljak ist bis heute stolz, ZUler zu sein. Um dieses Gefühl auch nach außen zu tragen, ist er für die Universität unentwegt im Einsatz: auf Messen, bei Hochschul-Informationstagen, bei „Pioneers Wanted“-Auswahltagen und schließlich bei der Schülerakademie. „Die ZU macht einen zum Grenzgänger – positiv wie negativ –, sie gibt uns viele Freiheiten und bietet uns haufenweise Möglichkeiten, Experimentierfreudigkeit auszuleben und neue Projekte und Formate zu starten“, erzählt Ramljak. Eines dieser Projekte war die Organisation einer „Pioneers Wanted“-Fallstudie auf dem Obsthof der Familie Marschall, wo Ramljak jährlich bei der Hopfenernte mit anpackt. „Interdisziplinarität muss auch außerhalb der Universität gelebt werden“, bemerkt er.

Auch anderweitig engagiert sich Marco Ramljak an der ZU. So unterstützt er seit dem ersten Semester die studentische Initiative „Rock Your Life!“, die Mentoring-Beziehungen auf Augenhöhe zwischen Studierenden und Schülern ermöglicht. Regelmäßig besucht er die lokale Ludwig-Dürr Schule und spricht mit den Schülern über das Projekt und ihre Mentoren. Zugleich hat sich Ramljak dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, Wissen aufzubewahren. Daher hat er mithilfe der Projektmanagement-Software „Podio“ ein digitales Wissensmanagementsystem eingeführt, das inzwischen mehrere studentische Initiativen verwenden. „Mit der Benutzung des Tools lässt sich nicht nur viel Zeit und Energie einsparen, sondern Innovation, Transparenz sowie Kooperation und Vernetzung untereinander fördern“, beschreibt Ramljak.

Für die eigene Vernetzung wiederum sollte eine Veranstaltung außerhalb der ZU von Bedeutung werden: das „jugendforum FN“. Dabei hat Ramljak in einem Organisationsteam aus Kommunalpolitikern, städtischen Verwaltungsmitarbeitern und ehrenamtlichen Akteuren mitgewirkt. „Es ging darum, den Jugendlichen in Friedrichshafen eine Partizipationsplattform zu bieten“, erwähnt Ramljak. 250 Schüler kamen letztlich zusammen, um an zwei Tagen über kommunalpolitische Themen wie Infrastrukturprojekte zu diskutieren. Während seiner Arbeit für das „jugendforum FN“ konnte er genauestens beobachten, wie einer seiner Studienschwerpunkte, nämlich Bürgerpartizipation, in der Praxis funktioniert.

Was ihn nicht minder interessiert, das sind Themen wie Stadtentwicklung und Stadtplanung. Bis vor kurzem hat er deshalb an einem internationalen Forschungsprojekt als Hiwi mitgearbeitet, das am „European Center for Sustainability Research | ECS“ an der ZU angesiedelt ist. „Das Forschungsvorhaben untersucht die Auswirkungen von blau-grüner Infrastruktur auf die Lebensqualität in Metropolen“, führt Ramljak aus. „Meine Aufgabe bestand darin, verschiedene Stadtteile von Hamburg und Singapur zu beleuchten, genauer gesagt Interviews auszuwerten, neue Daten zu recherchieren und Profile zu entwickeln.“ Erstmals musste er sich dabei mit technischen Details der Stadtentwicklung intensiv auseinandersetzen.

Technisch versiert muss Marco Ramljak auch bei seinem aktuellen Arbeitgeber sein: der WAGNER Group – Mittelständler und Weltmarktführer im Bereich Sprühtechnologie. Zu Beginn noch damit beauftragt, Menschen am Bodenseestrand mit Sonnencrème einzusprühen, mauserte sich Ramljak vom Praktikanten zu einem geschätzten Werkstudenten. „Was mir besonders an dem Unternehmen gefällt, ist das praxisorientierte, aber auch abteilungsübergreifende Arbeiten, wodurch ich einen vielfältigen Einblick erhalte“, sagt Ramljak. Vor kurzem gelang es ihm sogar, vier weitere ZU-Studierende zu vermitteln, mit denen er nun gemeinsam an einem Projekt im Bereich Produktentwicklung und Marketing arbeitet.

In all seinen Arbeiten, so betont Marco Ramljak immer wieder, ist er dankbar für die Hilfe, die er von allen Seiten erhalten hat. Ob seinen Chefs und Kollegen bei der Tankstelle, beim Obsthof, bei der WAGNER Group, seinen Kommilitonen und den Mitarbeitern an der ZU oder seiner Familie und seinen Freunden – allen möchte er danken: „Ohne ihre Unterstützung und ihre Zeit hätte ich niemals so viel gelernt!“ Dass Marco Ramljak es bislang so weit gebracht hat, liegt aber wahrscheinlich auch daran, dass er getreu seinem Motto die Chancen ergreift, die ihm geboten werden, dass er sich von Vorurteilen nicht beeindrucken lässt und für alles ein offenes Herz hat.

Baran Topbas

Baran Topbas ist ambitioniert, neugierig und ein humorvoller Kosmopolit. Denn seine bisherigen akademischen Stationen umfassen neben der ZU die University of St. Andrews und die Peking University. Seine praktischen Tätigkeiten hingegen führten ihn in ein Seniorenheim für jüdische Holocaust-Überlebende in Chicago und an die Deutsche Botschaft in Washington D.C. Als Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung setzt er sich außerdem für Bildungsgerechtigkeit in Deutschland ein.


Baran Topbas | BA PAIR

Nach seinem Abitur entschied sich Baran Topbas für ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Seniorenheim für jüdische Holocaust-Überlebende in Chicago. Eine Mischung aus Abenteuerlust, Neugier für jüdisch-amerikanische Kultur und das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der deutschen Geschichte haben ihn zu diesem Vorhaben bewegt. In der Einrichtung namens „Selfhelp Home“ war er für die Organisation und Koordination der Freizeitaktivitäten zuständig. „Ich habe mit den Senioren morgens Yoga gemacht, ihnen tagsüber Gesellschaft geleistet, und abends habe ich Veranstaltungen wie klassische Konzerte oder Filmabende auf die Beine gestellt“, berichtet Topbas. „Der Austausch mit den Senioren war ein prägendes Erlebnis für mich. So bekam ich Einblicke in die Geschichte einer anderen Generation und durfte mit Zeitzeugen im Dialog stehen.“ Direkt im Anschluss entschied er sich für eine Backpacker-Tour durch Neuseeland. „Für mich war es wichtig, meinen Alltag zu entschleunigen und mir bewusst zu werden, welche Richtung ich überhaupt einschlagen möchte. Letztlich haben mir beide Auslandsaufenthalte dabei geholfen, überlegte Entscheidungen im Hinblick auf meine Zukunft zu treffen. Auch wenn ich einen Umweg gehen musste, um schließlich an das richtige Ziel zu kommen“, erläutert Topbas.

Seit 2011 studiert Baran Topbas den Studiengang Politik, Verwaltung und Internationale Beziehungen an der ZU. Zusätzlich zu seinem Major absolviert er einen Minor in Wirtschaftswissenschaften. Neben der interdisziplinären Ausrichtung des Studiums waren vor allem die Studierenden selbst ausschlaggebend für seine Entscheidung an den Bodensee zu kommen. „Der innovative Lehransatz bestehend aus Zeppelin- und Humboldt-Jahr gibt mir die Freiheit, mein Studium mitzugestalten“, erwähnt Topbas. „Darüber hinaus habe ich im Laufe meines Studiums zunehmend ein Interesse für internationale Politik und globale Fragestellungen entwickelt.“

Angetrieben von seinen akademischen Interessen entschied er sich für ein Auslandssemester an der University of St. Andrews. „Von den Studieninhalten hat dieser Aufenthalt sehr gut zu meinem bisherigen Studium gepasst. Mit zwölf Lehrstühlen an der dort ansässigen ,School of International Relations‘ ist die University of St. Andrews eine renommierte Institution für die Disziplin der ,Internationalen Beziehungen‘“, erklärt Topbas. Eine weitere Besonderheit waren die internationalen Kommilitonen: „Drei Sprachen zu sprechen und in mehreren Ländern aufgewachsen zu sein wird plötzlich zum Normalfall“, sagt Topbas, der selbst als Sohn einer türkischstämmigen Einwandererfamilie zweiter Generation inmitten zweier Kulturen aufwuchs.

Die kritische Auseinandersetzung in St. Andrews mit Chinas Aufstieg in der internationalen Politik führte zu seinem Entschluss, ein Auslandssemester an der Peking University einzulegen. „So konnte ich Nischen-Seminare mit regionalem Schwerpunkt belegen und befand mich gleichzeitig am Puls des Geschehens,” erläutert Topbas. Einem Kulturschock konnte er sich jedoch nicht entziehen: „Mein Aufenthalt in China hat mir auch in kultureller Hinsicht die Augen geöffnet. China ist sehr anders, aber das ist auch gut so.“

Die neu gewonnenen Kenntnisse über internationale Politik und Wirtschaft konnte Baran Topbas im Sommer 2014 in der Wirtschaftsabteilung der Deutschen Botschaft in Washington D.C. einbringen. Im Rahmen eines dreimonatigen Praktikums konnte er bei Fragestellungen zur globalen Energie- und Handelspolitik mitwirken. „Das Praktikum ermöglichte es mir auch, an Veranstaltungen renommierter Institutionen wie dem IWF, dem US-Kongress und der Brookings Institution teilzunehmen“, sagt Topbas.
Mit Beginn des Studiums ist Baran Topbas in den Club of International Politics (CIP) eingetreten, um sein politisches Interesse mit dem Engagement in einer studentischen Initiative zu verbinden. Zwei Jahre engagierte er sich für die Veranstaltungsreihe „GlobalTalks“, indem er die Akquise von Politikern und die Organisation der Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen organisierte. „Ich finde es weiterhin beeindruckend, dass hochrangige Politiker wie Peer Steinbrück oder Jürgen Trittin der Einladung des CIP folgen und in einem kleinen Kreis über aktuelle politische Themen referieren und debattieren“, sagt Topbas.

Parallel dazu engagierte er sich für die Bildungsinitiative „Rock Your Life!“. Über einen Zeitraum von zwei Jahren begleitete er einen Jungen mit türkischem Migrationshintergrund, der vor seinem Hauptschulabschluss stand. „Besonders in dieser wichtigen Phase des Lebens ist es von großer Bedeutung, wenn junge Menschen einen Ansprechpartner, aber auch einen Impulsgeber haben, der ein Stück weit die Richtung vorgibt und dabei beratend und unterstützend wirkt“, erklärt Topbas. Für seine akademischen Leistungen und sein gesellschaftspolitisches Engagement wurde er in das Begabtenförderwerk der Friedrich-Ebert-Stiftung aufgenommen und mit dem ,Geh Deinen Weg-Stipendium‘ ausgezeichnet.

Zukünftig stehen für Baran Topbas Fragestellungen wie der Digitale Wandel oder Old vs. New Economy weit oben auf der politischen Agenda. „Mein Ziel ist es, an globalen Herausforderungen wie diesen mitzuarbeiten und die Gesellschaft von morgen mitzugestalten.“

Alina Zimmermann

Wer aus dem 18.000-Einwohner starken Städtchen Heusenstamm kommt, landet in Friedrichshafen fast in einer Großstadt. Zugegeben: Mit der Kehrwoche tut sich Alina Zimmermann manches Mal noch schwer. Doch nach drei Semestern hat sich die 21-Jährige am Bodensee eingelebt und bringt sich sowohl an der ZU als auch in der Region tatkräftig ein – sei es als Ortsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Redaktionsassistentin des Online-Magazins ZU|Daily oder Organisatorin von Simulationen der Vereinten Nationen.


Alina Zimmermann | BA PAIR

„Ich weiß gar nicht genau wieso“, überlegt Zimmermann, „aber Politik hat mich schon immer fasziniert.“ Die Gelegenheiten, die ihr politisches Interesse geweckt haben könnten, sind vielfältig: ein Vater, der seit vielen Jahren als grüner Fraktionsvorsitzender auf kommunaler Ebene aktiv ist, ein Politiklehrer, der seine Schüler mit frischem Unterricht begeisterte, oder das eigene Engagement in der Schulkonferenz. So stand schon vor ihrem Abitur im Juni 2013 fest: Ein politisches Studium an der ZU soll es sein.

Seit dem Herbstsemester 2013 studiert Alina Zimmermann den Bachelor-Studiengang „Politics, Administration & International Relations“. Dabei ist am Ende ihres dritten Semesters das Interesse für politische Prozesse keineswegs geschmälert. Dieses Interesse verfolgt sie nicht nur in ihren Kursen sondern auch außerhalb des Studiums tatkräftig. Besonders angetan haben es ihr Simulationen der Vereinten Nationen — sogenannte „Model United Nations“-Konferenzen, auf denen Studierende aus aller Welt in die Rolle von Diplomaten schlüpfen und gemeinsam Lösungen für die Probleme unserer Zeit entwerfen. Seit Beginn ihres Studiums ist Zimmermann Mitglied des „Club of International Politics“ und bringt sich besonders in der „Zeppelin MUN Society“ ein. „Dort arbeiten wir regelmäßig an unseren Kenntnissen und rhetorischen Fähigkeiten, um nach intensiver Vorbereitung Teil einer internationalen Simulation zu werden“, erläutert sie. Im Februar 2014 flog Zimmermann mit einer achtköpfigen Delegation nach London zur größten Simulation der Vereinten Nationen in Europa. Dort vertrat sie die Republik Jemen in der Liga der Arabischen Staaten, um die Rolle der Frau im Arabischen Frühling zu debattieren. „Ein Land in einem Gremium zu repräsentieren war ein wirklich spannendes Erlebnis, aus dem ich auch für mein Studium eine Menge mitnehmen konnte“, erinnert sich Zimmermann an die Zeit in London.

Nach ihrer Rückkehr war das Interesse für MUN-Konferenzen endgültig geweckt und drei Monate später besuchte Zimmermann das Planspiel „Model United Nations Baden-Württemberg“ in Stuttgart — eine jährliche Konferenz für 400 Schüler aus einem Dutzend Staaten. Für die kommende Konferenz im Mai 2015 betreut sie die Teilnehmer und unterstützt vor Ort die Öffentlichkeitsarbeit. „Mir liegt es besonders am Herzen, die so wichtigen und gleichzeitig so komplexen Vereinten Nationen am spielerischen Beispiel greifbar zu machen“, beschreibt Zimmermann.

Doch nicht nur in den simulierten Gremien der Vereinten Nationen ist politisches Engagement für Zimmermann eine Herzensangelegenheit – denn seit einigen Wochen ist sie auch direkt vor der Haustür engagiert. Als neue Vorsitzende des Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen leitet Zimmermann in einem Vierergespann seit Oktober 2014 die kommunale Arbeit. Knapp ein Jahr nach ihrem Eintritt in die Partei hat sie die Chance ergriffen, „reale Politik auf kommunaler Ebene aktiv voranzutreiben“, wie sie sagt. Denn Gründe und Themen gibt es dafür genug. „Auf Bundesebene beschäftigen mich besonders die Unterbringung und Integration von Asylbewerbern oder die Gleichstellung von Mann und Frau. Gerade die Diskussion über die Frauenquote verfolge ich gespannt. Aber auch im Alltag begegnen mir politische Themen wie die Wohnungssituation in Friedrichshafen oder der Austausch zwischen den Universitäten und der Stadt. Genau hier möchte ich in den kommenden Monaten anpacken.“ Um Interessenten und Bürger gleichermaßen einzubinden, plant Zimmermann regelmäßige Stammtische, Podiumsdiskussionen mit Landtags- und Bundestagsabgeordneten und Gesprächsrunden zu aktuellen Themen aus Stadt, Land und Bund.

Auch vor ihrer Wahl war sie immer wieder in politischer Mission unterwegs. Um nach dem Abitur Praxisluft zu schnuppern, absolvierte sie im Sommer 2013 ein achtwöchiges Praktikum bei Bündnis 90/Die Grünen im Offenbacher Büro der Stadtverordnetenversammlung und im Regionalbüro von Tarek Al-Wazir, der als Spitzenkandidat gerade mitten im hessischen Landtagswahlkampf steckte. „Direkt nach der Schule ins kalte Wasser zu springen, das war für mich eine wertvolle Erfahrung. Ich habe einen umfangreichen Einblick in Wahlkampfstrategien und Programmplanungen bekommen. Das Praktikum hat mich nochmal darin bestärkt, dass ich mich für das passende Studienfach entschieden habe.“

Ein Jahr später kehrte sie für sechs Wochen in den politischen Alltag zurück — dieses Mal allerdings unter die wohl bekannteste Kuppel der Hauptstadt: in den Deutschen Bundestag. Im Abgeordnetenbüro von Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, sozialpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, lernte sie vor allem die inhaltliche Ebene bundespolitischer Arbeit kennen. „Besonders begeistert haben mich die konstruktiven und programmatischen Debatten auf den verschiedensten Ebenen“, fasst Zimmermann die Erlebnisse zusammen. „Von den Arbeitsgruppen der Fraktionen über die Ausschusssitzungen bis ins Plenum konnte ich die Entwicklung bestimmter Themen ganz genau nachverfolgen.“

Neben der simulierten und selbst gemachten Politik hat Zimmermann besonders seit Studienbeginn ein zweites Standbein für sich entdeckt. Mit Aufnahmegerät und Kamera bewaffnet, unterstützt sie seit ihrem dritten Semesters das Wissenschaftsmagazin der ZU. Als Redaktionsassistentin von ZU|Daily kümmert sich Zimmermann um vielfältige Aufgaben von der Themenplanung bis zur Bildrecherche und verfasst immer wieder auch eigene Artikel. Dabei reizt sie vor allem die journalistische Aufbereitung wissenschaftlicher Themen: „Die Inhalte, die wir an der Universität behandeln, für jeden greifbar zu machen, ist eine wirklich fordernde Aufgabe. Gleichzeitig ist es immer interessant, Alltagsphänomene wissenschaftlich zu betrachten“, berichtet Zimmermann über ihre Arbeit, die besonders „als Teil einer studentischen Redaktion großen Spaß macht.“

Auch unabhängig von Politik und Journalismus ist Zimmermann vielfältig engagiert: Bereits zu Schulzeiten tourte Zimmermann als Badminton-Nachwuchs von Spiel zu Spiel und unterstützte über mehrere Jahre hinweg eine Klasse von acht Schülern mit geistigen Behinderungen. Gerade dieses Engagement hat ihr für die Zukunft viel mit auf den Weg gegeben: „Durch den Umgang mit jungen Menschen mit Behinderungen habe ich gelernt, wie intensiv und vorurteilsfrei die unterschiedlichsten Menschen zusammen lernen und arbeiten können. Für mich ist das eine Einstellung, die wir in der ganzen Gesellschaft gut gebrauchen können.“ Mit ihrem Umzug nach Friedrichshafen entdeckte Zimmermann auch neue Projekte für sich. Bei den Workshop- und Karrieretagen „ZUtaten“ hat sie für einen reibungslosen Ablauf der Events gesorgt und die Facebook-Seite betreut, mehrmals die Kommunikation der Einführungswoche übernommen und bei der „Langen Nacht der Musik 2014“ die Schuloper „Der Ja-Sager“ als Teil eines bunten Ensembles aus Studierenden und Bürgern auf die Bühne gebracht.

Ähnlich politisch und abwechslungsreich soll es für Alina Zimmermann auch in Zukunft weitergehen. Für das Herbstsemester 2015 steuert sie ein Auslandssemester im englischsprachigen Ausland an. „Ich möchte einen ganz anderen Studienalltag miterleben und die Erfahrung sammeln, was es heißt, sich an einer größeren Universität als Studierende durchzusetzen“, erklärt Zimmermann. Nach dem Abschluss ihres Bachelor-Studiums, den sie für das Frühjahr 2017 anpeilt, soll es vor dem Einstieg in die Berufswelt mit einem Master weitergehen. Danach möchte Zimmermann besonders gerne bei einer internationalen Organisation arbeiten. „Es würde mich vor allem interessieren, die Arbeit der UN-Frauenrechtsorganisation UN Women, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit oder der Bildungssparte der UNESCO zu unterstützen. Gerade die intensive Zusammenarbeit mit verschiedensten Menschen in den unterschiedlichsten Projekten mit dem Versuch, etwas zu bewegen und zu verändern, hat für mich einen ganz eigenen Reiz“, sagt sie.

Sadi Al-Dari

Für Public Policy hegt Sadi Al-Dari ein ganz besonderes Interesse. Mit diesem gesellschaftspolitischen Thema hat sich der frisch gebackene Absolvent des Bachelor-Studiengangs PAIR während seiner Zeit an der ZU in zwei Projekten auseinandergesetzt. Zum einen hat er ein Jahr lang ein Forschungsprojekt über neue Anliegenmanagement-Systeme der Verwaltung Friedrichshafen und des Bodenseekreises wissenschaftlich begleitet. Zum anderen arbeitete Al-Dari am Aufbau einer öffentlichen Verwaltung für Rawabi, der ersten palästinensischen Stadt, die am Reißbrett entsteht. Und damit hat er wahre Pionierarbeit geleistet. Was bei all dem erstaunt: Sein Werdegang war nicht immer geradlinig, er hatte auch viele kritische Situationen zu überstehen.


Sadi Al-Dari | BA PAIR

Der 24-jährige Al-Dari hat sich Zeit seines Lebens mit gesellschaftlichen Themen wie Politik und Geschichte beschäftigt. Das liegt vor allem daran, dass er schnell den Umgang mit zwei völlig verschiedenen Kulturen erlernen musste: So ist er Sohn eines palästinensischen Vaters und einer deutschen Mutter. „Da ich in Deutschland geboren bin, hatte ich natürlich erst einmal einen direkten Kontakt zur deutschen Kultur und Sprache. Doch als Erstgeborener eines Erstgeborenen lag es meinem Vater ganz besonders am Herzen, dass ich von klein auf auch die palästinensischen Traditionen einatme“, erzählt Al-Dari. So hat er zahlreiche Urlaube bei seinen Verwandten in Palästina verbracht, hält regelmäßigen Kontakt. „Das ist sehr wichtig für mich“, sagt er voller Stolz über seine Herkunft.

Die ständige Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen verwandelte sich in jungen Jahren in Neugier, was vor allem während seiner Schulzeit nicht nur Vorteile mit sich brachte. „Meine Lehrer mussten damit erst einmal zurechtkommen, dass ein 8-Jähriger immer wieder nachhakt und nachfragt. Da bin ich oft angeeckt“, erinnert sich Al-Dari. Das setzte sich dann auch wenig später auf dem Gymnasium fort. „Dort habe ich gerne Diskussionen über politisch brisante Themen angefangen. Das führte schnell dazu, dass ich als überpolitisch abgestempelt wurde“, sagt er.

Als die Schule seine Wissbegierde auf diesem Gebiet nicht mehr stillen konnte, fällte er eine auf den ersten Blick kurios anmutende Entscheidung. „Ich musste einfach etwas Neues ausprobieren. So habe mich für die Leistungskurse Mathematik und Physik entschieden“, begründet Al-Dari seine Wahl. Dass er sich dadurch sein Abitur versaute, ist im Nachhinein betrachtet zwar ärgerlich für ihn, „aber ich war nun mal beseelt von der Vorstellung, dass allein durch Fleiß und Motivation alles erreichbar ist“, erklärt er. Zum Studium ging er zunächst an die Technische Universität Kaiserslautern und studierte Wirtschaftsingenieurwesen für Maschinenbau. „Es hat mich auch alles wahnsinnig interessiert und gefesselt. Doch nach und nach fing ich an zu begreifen, dass es nicht klug ist, etwas zu studieren, was gar nicht unbedingt den eigenen Begabungen entspricht“, gibt er zu. Im vierten Semester fasste er den Entschluss, das Studium vorzeitig abzubrechen, was nicht nur im familiären Kreis zu Konflikten führte. „Ein Studium abzubrechen, das muss man erst einmal verkraften“, sagt Al-Dari.

Glücklicherweise hat ihm dann ein Freund von der ZU berichtet, von den lebhaften Diskussionen in den Seminaren und dem engen Kontakt zu den Wissenschaftlern. „Das klang im ersten Moment alles sehr spannend“, sagt Al-Dari. Er bewarb sich um einen Studienplatz, kam zum Auswahltag – und war alles andere als begeistert. „Es war der komplette Gegensatz zu dem, was ich vorher gewohnt war, alles so klein, so intim“, erzählt er. Erst das Auswahlgespräch mit Dr. Patrick von Maravić hat den Ausschlag für ein Studium an der ZU gegeben. „Er hat mich davon überzeugt, dass diese Universität genau das Richtige für mich ist“, erläutert Al-Dari. „Wenig später bekam ich die Zusage und ich habe mich sofort für die ZU entschieden. Im Nachhinein betrachtet: ein wahrer Glücksfall für mich.“

Und ziemlich schnell hat er ein wissenschaftliches Thema gefunden, dass sich wie ein roter Faden durch sein Studium an der ZU zieht: Public Policy. Direkt im zweiten Semester arbeitete Al-Dari mit drei Kommilitonen beim Forschungsprojekt „Der Bürger als Kunde – Anliegenmanagement im öffentlichen Sektor“ unter der Leitung von Dr. Christian Brock mit. Dabei ging es um die Online-Plattform „www.sags-doch.de“, auf der Bürger ihre Anliegen mitteilen und Beschwerden einreichen können, eine neue Form der Modernisierung und Digitalisierung der Stadtverwaltung Friedrichshafen. „Wir haben untersucht, wie sehr die Bürger auf die Plattform zugreifen, wie zufrieden sie damit sind und ob ihre Hemmschwelle, sich zu beschweren, gesunken ist“, sagt Al-Dari zu den analysierten Fragestellungen.

Nach einem durch die ZU ermöglichten Studienaufenthalt an der University of Berkeley reiste Sadi Al-Dari erneut nach Palästina. Und diesmal plante er keinen Urlaubsaufenthalt bei seinen Verwandten, sondern absolvierte in Rawabi, einer geplanten Stadt in der Nähe von Ramallah, ein viermonatiges Praktikum. Wie er dazu kam? „Das war eine ganz verquere Geschichte. Ich habe damals einen Blog verfolgt, auf dem regelmäßig über Projekte im Nahen Osten berichtet wurde. Dort habe ich dann ein Interview mit dem Leiter des Projektes in Rawabi gesehen und dachte: ‘Irgendwo habe ich den Namen schon einmal gehört.’ Tatsächlich stellte sich heraus, dass der Interviewte ein Kindheitsfreund von meinem Vater war. Also habe ich mir die Kontaktdaten besorgt und dort angerufen. Und sie haben mir einen Praktikumsplatz angeboten“, erzählt Al-Dari schmunzelnd. „Und glücklicherweise hat zu dem Zeitpunkt die palästinensische Autonomiebehörde ihre finanziellen Hilfen für den Aufbau der öffentlichen Infrastruktur zurückgezogen. Das musste nun das private Unternehmen auch übernehmen. Und so fehlte Public Policy-Expertise.“ Natürlich hat ihn auch das zivile Projekt an sich fasziniert, das Wohnraum für 40 000 Palästinenser bieten soll. „Das beweist, dass die Palästinenser auch anders können. Denn die Medien zeigen oft ein Bild der Palästinenser, das von Steinewerfern und einer Opferrolle geprägt ist“, muss Al-Dari immer wieder feststellen.

Gleich am ersten Tag sah er sich mit der schwierigen, fast unlösbaren Aufgabe konfrontiert, „das abstrakte Gebilde Verwaltung voranzubringen“, wie er es selbst nennt. „Die ersten zwei Wochen habe ich komplett damit verbracht, die bestehenden Rechtssysteme zu durchforsten. Dadurch konnte ich mir einen ersten Überblick verschaffen“, erläutert Al-Dari seine anfängliche Herangehensweise. Und das war alles andere als einfach, eine regelrechte Pionierarbeit. „Denn das Stück Land, auf dem die Stadt Rawabi errichtet wird, hatte mehrfach den Besitzer gewechselt. Und diese haben jeweils die bestehenden Rechtssysteme mit eigenen Gesetzen ergänzt – so entwickelte sich ein ganzer Wust an Regeln“, sagt er.

Über verschiedene Wege kam Al-Dari an die entsprechenden Informationen. So benutzte er die Online-Rechtsdatenbank einer benachbarten Universität, besuchte die Verwaltungsbehörden in Ramallah und Al-Bireh und studierte Kommunalordnungen aus Kanada, Großbritannien und den USA. „Denn erschwerend kam hinzu, dass sich die Planer von Rawabi von Traditionen lösen und viele Innovationen einführen wollen, welche die Energieversorgung, das öffentliche Zusammenleben und die kommunale Regierung betreffen“, behauptet Al-Dari.

Welche Art von Gemeinde ist eigentlich Rawabi? Welche Dezernate müssen geschaffen werden? Wie viele Personen müssen in den Dezernaten angesiedelt sein? Wie sehen die verschiedene Rechte und Pflichten der politischen und verwaltungstechnischen Ämter aus? Mit diesen Fragen hat sich Al-Dari vier Monate lang beschäftigt. Die Ergebnisse hat er in einem Dossier zusammengefasst und damit einen Grundstein für die zukünftige öffentliche Verwaltung der innovativen Stadt gelegt.

Wird sein Leitfaden befolgt? „Ich weiß es nicht. Aber ich gehe davon aus, dass der mittlerweile aktive Gemeinderat und die übrigen Planer auf mein Material zurückgegriffen haben“, sagt Al-Dari. Und rückblickend ist ihm erst bewusst geworden, dass er in Rawabi wichtige Erfahrungen für sein späteres Berufsleben gesammelt hat. „Alles, was ich über Verwaltung und Politik gelernt habe, konnte ich dort umsetzen. Dadurch entwickelt man plötzlich ganz andere kreative Möglichkeiten, die mir auch bei zukünftigen Tätigkeiten weiterhelfen werden“, betont er.

Zurückgekehrt nach Friedrichshafen, schrieb Al-Dari sogleich an seiner Bachelor-Arbeit bei Prof. Dr. Joachim Behnke mit dem Titel „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen? Grundeinkommensmodelle in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung“. Und was bringt die Zukunft? „Ich bin auf der Suche nach einem Master in Public Policy oder Politik. Gerne würde ich auch im Ausland studieren“, äußert Al-Dari seine Wünsche. „Und ich hoffe, dass ich im späteren Berufsleben mit meiner Arbeit auch etwas bewirken kann und vielmehr noch: Sinn stifte.“

Florian Gehm

Er ist in journalistischer, politischer und diplomatischer Mission unterwegs: Florian Gehm. Neben seinem Bachelor-Studium in Politik, Verwaltung und Internationale Beziehungen engagiert sich der 22-Jährige an der ZU auf vielfältige Weise: Er ist Redakteur der ersten Stunde von ZU|Daily sowie Präsidiumsmitglied der Zeppelin Model United Nations (MUN) Society und Pressesprecher des Club of International Politics e.V. Und er ist seit Januar Vorsitzender der Programmschaft seines Studienganges und Vertreter der PAIR-Bachelor-Studierenden im StudentCouncil.


Florian Gehm | BA PAIR

Das Bedürfnis, sich außerhalb des regulären Arbeitsalltags zu engagieren, entstand bei Florian Gehm bereits im Alter von 14 Jahren, zu einer Zeit, als er in Kiel ein humanistisches Gymnasium besuchte. „Damals habe ich meinen ersten Artikel für die Schülerzeitung Athene geschrieben“, erinnert sich Gehm. „Das hat mir so gut gefallen, dass ich sofort wusste, dass ich im journalistischen Bereich weiterarbeiten möchte.“

Mit 16 Jahren folgte dann der erste Autorenvertrag bei einem Kieler Verlag. „Dort wurde jemand gesucht, der gut schreiben kann und Applikationen und neue Geräte von Apple testet. Da ich mich auch ansonsten relativ gut mit Technik auskannte, habe ich einige Arbeitsproben eingereicht.“ Fünf Jahre lang hat er für den Verlag gearbeitet, seine journalistischen Fähigkeiten weiterentwickelt. Und auch heute noch verbindet er journalistisches und technisches Wissen. So ist er Jahr für Jahr auf verschiedenen Elektronik-Messen wie der photokina oder gamescom unterwegs und berichtet freiberuflich für Tageszeitungen und ein österreichisches Magazin.

Auch sein Interesse für politische Zusammenhänge bildete sich in jungen Jahren aus. „Ich fand Politik schon immer spannend, habe mich in der Zeitung viel darüber informiert. Und ich fand es schade, dass ich mit 16 Jahren noch nicht wählen durfte, da ich als aktiver Wähler gerne Teil der Politik gewesen wäre“, blickt Gehm zurück. Eines Tages hat er sich dann an seiner Schule auf die Teilnahme an einem Modell Europa Parlament beworben, eine Konferenz, bei der Schüler das EU-Parlament simulieren. „Daran habe ich dann schnell Gefallen gefunden. Besonders, weil man viele neue Menschen und Orte kennenlernt. So fand eine Konferenz in Berlin, eine andere in Bratislava statt.“ Kurze Zeit später nahm er dann erstmals an den MUN-Konferenzen – Simulationen der Vereinten Nationen – in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg teil. „Nach einem Jahr als Teilnehmer bin ich ins Organisationsteam gerutscht. Das mache ich bis heute“, erzählt Gehm. Damit gehört er einem Team an, das für bis zu 500 Teilnehmer eine der größten deutschsprachigen Konferenzen weltweit auf die Beine stellt.

An der ZU konnte er sein Engagement für derartige Konferenzen fortsetzen. So ist er in organisatorischer und beratender Funktion bei der LakeMUN der ZU tätig und saß erst kürzlich als Delegierter Indonesiens im Wirtschafts- und Finanzgremium bei der London International MUN. „Dabei lernt man viel über zwischenmenschliche Kommunikation, darüber, wie man sich selbst und ein Projekt organisiert. Und man erfährt eine Menge über politische Themen und Prozesse. Das bringt mir ungemein viel fürs Studium und fürs Leben“, konstatiert Gehm.

Es war nur konsequent, dass Gehm in der Oberstufe Geschichte, Wirtschaft und Politik als Schwerpunkt wählte und in Politik eine zusätzliche Abiturprüfung ablegte. Der Weg, nach der Schulzeit ein politikwissenschaftliches Studium aufzunehmen, war damit geebnet. So bewarb er sich an mehreren Universitäten, immer mit Blick auf Politologie, jedoch verbunden mit einem interessanten Nebenfach wie Recht, Verwaltung oder Kommunikation. Doch erst durch einen Freund, der damals wie heute an der ZU studiert, ist er auf die Universität am Bodensee gestoßen. „Während einer Party kam er zu mir und sagte: ‘Du bist doch politisch interessiert? Da habe ich genau die richtige Universität für dich. Schau dir mal die ZU im Internet an!’ Das habe ich dann gleich am nächsten Tag gemacht und das Konzept der ZU hat mir sehr zugesagt.“ Er bewarb sich in Friedrichshafen und erhielt kurz nach seinem Auswahltag die Zusage. „Ich bin nach wie vor froh, dass ich die Zusage der ZU angenommen habe“, betont Gehm.

Vielleicht auch deshalb, weil er einen Praxiscoach hat, der einer der bekanntesten und beliebtesten Nachrichtensprecher in Deutschland ist: Peter Kloeppel, RTL-Chefredakteur und dienstältester Anchorman. Die Art und Weise, wie er zu seinem Praxiscoach gekommen ist, ist ebenso genial wie einfach: „Ich habe Peter Kloeppel bei Facebook eine Nachricht geschrieben“, sagt Gehm mit einem Lächeln im Gesicht. „Ein paar Stunden später hat er geantwortet und mir ein Treffen bei RTL in Köln angeboten. Ich war wahnsinnig überrascht und hätte das nie für möglich gehalten.“ Seit dem ersten Treffen sehen sie sich regelmäßig einmal pro Semester. „Er hilft mir ungemein bei meiner persönlichen Weiterentwicklung, indem er meine Arbeiten und Artikel durchschaut und offene und ehrliche Kritik übt“, sagt Gehm begeistert.

Und Artikel produziert Florian Gehm am laufenden Band: für das Wissenschaftsmagazin ZU|Daily. Dabei gehört er zum Gründungsteam, hat zusammen mit etwa zehn weiteren studentischen Redakteuren im August und September 2012 das Portal mit aufgebaut. „Es hat mich von Anfang an gereizt, auch mal eine andere Seite von Journalismus kennenzulernen, weg von der einseitigen Berichterstattung über Veranstaltungen wie Messen hin zur journalistischen Aufbereitung von wissenschaftlichen Themen“, erzählt Gehm seinen Beweggrund. Seitdem ist er ZU|Daily treu geblieben, hat zahlreiche Interviews geführt und Beiträge geschrieben.

Eine ganz neue Aufgabe übt er seit Januar aus, als er in den StudentCouncil gewählt wurde. „Ich wollte unbedingt mal hinter die Kulissen einer Universität schauen und habe mich wahnsinnig auf die informativen und spannenden Sitzungen gefreut. Dass man als Studierender die Möglichkeit erhält, an seiner Universität mitzureden und mitzugestalten, hat mich doch sehr gereizt“, begründet Gehm seine Kandidatur.

Wie er all die Aktivitäten unter einen Hut bringt, kann sich Florian Gehm auch nicht so recht erklären: „Ich bin kein Organisationstalent mit einer To-do-Liste an meiner Wand, sondern versuche lediglich, mich auf eine ganz bestimmte Aufgabe zu konzentrieren, die ich dann zügig durcharbeite, um mich dann dem nächsten Projekt zu widmen. Und dennoch schaffe ich es auch, in fast jeder Vorlesung zu sitzen.“ Dass er all das nicht für seinen Lebenslauf macht, meint er ehrlich. „Ich mache es, weil es mir Spaß bereitet“, betont Gehm. „Man baut bei solchen Projekten über Jahre hinweg viele Freundschaften auf – jede Veranstaltung ist da wie ein Familientreffen. Aber das Wichtigste: Man hat am Ende das erfüllende Gefühl, dass man etwas geschafft hat.“

Und auch weiterhin will Gehm mit anpacken – und sich so vielleicht seinen „großen Traum“ erfüllen und „in einer Fernsehredaktion unterkommen oder vielleicht sogar als Auslandskorrespondent arbeiten und dann die Bilder zu liefern, die man jeden Abend in den Nachrichten sieht.“ Ein wichtiger Schritt in diese Richtung steht im Sommer 2015 an. Dann hospitiert er in der Hauptredaktion des ZDF heute journals.

Bleibt noch die Frage, welche Projekte in naher Zukunft vor ihm liegen. Zunächst einmal geht es Anfang Mai nach Stuttgart zur MUN in Baden-Württemberg. „Dort übernehme ich mit fünf weiteren Personen die komplette Öffentlichkeitsarbeit. Wir gestalten den Social Media- sowie den klassischen Presse-Auftritt und betreuen die Fotografen und Journalisten vor Ort“, erzählt Gehm. Für den Sommer hat er sich auf einen der begehrten Praktikumsplätze bei der BILD-Redaktion in Berlin beworben, um auch die investigative Seite des Journalismus kennenzulernen. Gleichzeitig zieht es ihn zur Werbeagentur Scholz & Friends, um weitere Erfahrungen in PR-Beratung und Unternehmenskommunikation zu sammeln.

Und auch wenn er dann weit entfernt von der ZU sein wird, bleibt er doch präsent. Und sei es, dass er wie gewohnt den einen oder anderen Beitrag für ZU|Daily schreibt.

Robin Maus

Zuerst wollte er Medizin studieren, aber dann kam er doch nach Friedrichshafen. An die ZU führten ihn das Konzept der Interdisziplinarität und sein großes Interesse an internationaler Politik. Und in dieser Hinsicht hat Robin Maus bereits eine beeindruckende Karriere hinter sich.


Robin Maus | BA PAIR

Der 23-jährige Studierende der Politik- und Verwaltungswissenschaften war Delegierter der National Model United Nations (NMUN) in New York und Lille, hat bei der ersten Model United Nations der ZU für Schüler (LakeMUN) die Unterkünfte und den Transport der Teilnehmer organisiert und war ein Jahr lang erster Vorsitzender des studentischen Club of International Politics e.V. (CIP). Das sind wohl einige Gründe, warum er im Sommer ein Praktikum bei der Deutschen Botschaft in London macht.

Bereits in der Schule hatte Maus großes Interesse an internationaler Politik. „Über die Teilnahme an der NMUN und die Organisation der LakeMUN bin ich in den CIP gekommen“, erzählt er. „Die Wahl zum Vorsitzenden des Vereins war eine Herausforderung, bei der ich mir beweisen wollte, dass ich das schaffe und den Verein weiter voranbringen kann.“ Nachdem er Ende des letzten Jahres die Vorstandsgeschäfte abgegeben hat, kann er in der Tat auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken.

„Während der Schulzeit habe ich das soziale Engagement für mich entdeckt“, berichtet Maus, der in der zwölften Klasse zum Schülersprecher gewählt wurde. Er organisierte SV-Seminare, konzipierte eine neue Schulordnung und half bei der Konfliktvermittlung in seinem „nicht immer einfachen“ Heidelberger Gymnasium. Seinen Zivildienst absolvierte er im Krankenhaus Mannheim in der Patientenlogistik, wo man ihn zum Vertrauenszivildienstleistenden wählte. Nach seinen Erlebnissen im Krankenhaus entschied er sich jedoch dazu, nicht Medizin zu studieren, und fand seinen Weg an die ZU: „Letztendlich war es das Konzept der Interdisziplinarität, das mich fasziniert hat“, berichtet Maus. „Das ist ein schönes Umfeld, hier kann man was bewegen – das war mein erster Eindruck von der Universität. An der Schule hatte ich immer das Gefühl, eingeengt zu sein.“

„Während des Studiums haben sich für mich viele Möglichkeiten aufgetan, wie ich mich engagieren kann“, sagt Maus. Neben seinem Engagement im CIP half Maus 2012 bei der Ausrichtung der studentisch organisierten Workshop- und Karrieretage „ZUtaten“ als Mitarbeiter im Marketing-Team und konnte dort auch seine kreativen Fähigkeiten beweisen.

Zurzeit befindet er sich in einem Praxissemester in Berlin und arbeitet dort im Konzernbüro der METRO GROUP. „Es ist spannend, politische Meinungsbildung hautnah miterleben zu können und zu sehen, wie politische Entscheidungsprozesse funktionieren“, erläutert Maus. Dies könne man so nur in der Hauptstadt beobachten.

Der begeisterte Skifahrer und Hobbyfotograf möchte nach dem Bachelor vor allem eines nachholen: einen längeren Auslandsaufenthalt, den viele Kommilitonen bereits während der Schule oder aber nach dem Abitur gemacht haben. Er möchte noch mehr von der Welt sehen, über die er im Studium so viel diskutiert: „Ich bin froh, dass ich diese Erfahrung nachholen kann“, sagt Maus. „Schließlich will ich wissen, worüber ich rede.“

Nina Hillekum

Klimaschutz: Wie ein „grüner Faden“ zieht sich dieses Thema durch Nina Hillekums Leben. An der ZU gründete die 26-jährige PAIR-Studierende die grüne Hochschulgruppe „Rework“. „Bei Rework handelt es sich nicht um die Hochschulgruppe einer Partei oder einer Umweltorganisation, wir sind eine Plattform für grüne Projekte“, erklärt Hillekum.

Nina Hillekum | BA PAIR


Seit der Schule engagiert sich Nina Hillekum für den Klimaschutz. Angefangen hat es bei ihr als 15-jährige bei Greenpeace, wo sie alsbald die Koordination der Jugendarbeit übernahm. Es folgte die Teilnahme als Jugenddelegierte bei der UNO-Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag in New York. „Ich war erstaunt zu sehen, dass die jetzige Entscheidergeneration mit Themen wie der internationalen Abrüstung von Atomwaffen nicht vorankommt. Umso wichtiger fand ich es als Vertreterin meiner Generation, das Thema für uns greifbar zu machen. Immerhin werden wir es erben“, berichtet Hillekum. „Hinzu kommt, dass sich bestimmte Probleme einfach nur auf internationaler Ebene lösen lassen.“ Sie glaubt, dass man außergewöhnliche Leistungen nur dort erbringen kann, wo man auch intrinsisch motiviert ist. „All die Sachen, die ich gemacht habe, habe ich getan, weil ich es wollte! Und nicht weil ich dachte: ‚Das liest sich jetzt gut auf meinem Lebenslauf’. Ich denke, man muss sich ausprobieren, in Praktika, Reisen, Ehrenamt usw. um überhaupt erst rauszufinden, was für eine Vision man hat. Meine ist die einer CO2-armen Gesellschaft. Die treibt mich um. Und mein Fahrrad.“

Als sie Berlin verlassen hat, um in Friedrichshafen ihr Studium zu beginnen, hat sie einen Satz mitgenommen: „Leben will erfunden werden.“ Und genau das will sie tun: „Räume aktiv gestalten, Bühnen bauen und das am Besten im internationalen Raum. Denn meine Vision ist die einer globalen CO2-armen Gesellschaft.“

Lena Schulze-Gabrechten

Lena Schulze-Gabrechten | BA PAIR

Verantwortung zu übernehmen und sich politisch zu engagieren, hat Lena Schulze-Gabrechten offenbar in den Genen. Einer ihrer Vorfahren war anno dazumal Dorfschulze ihres nordrhein-westfälischen Heimatdorfes, und so kam auch ihr Nachname zustande: „Als ’Schulze’ wurden damals die nicht gewählten Ortsbürgermeister bezeichnet, und der Ort, aus dem meine Familie stammt, heißt Gabrechten. So entstand unser Name“, erklärt die PAIR-Studierende. Fast ihre gesamte Familie engagiert sich politisch in verschiedenen Organisationen, ihr Vater ist Mitbegründer der Freien Wähler auf kommunaler Ebene, und ihre Mutter ist Mitglied der CDU: „Bei uns wird eigentlich immer leidenschaftlich und vor allem sehr kontrovers diskutiert, manchmal auch sehr lautstark, was meine zwei Schwestern doch manchmal nervt.“

Bereits zu Schulzeiten war Lena Schulze-Gabrechten am Thema Mitbestimmung interessiert: seit der Grundschule als Klassensprecherin, später als Schul- und Oberstufensprecherin - in dieser Funktion reformierte sie unter anderem das Wahlsystem für die Schülervertretung des Archigymnasiums Soest mit. Neben dem Abitur arbeitete sie im Büro der Grünen in Soest.

Nach dem Abitur gönnte sie sich, ermöglicht durch ein Stipendium, ein Jahr „Bildungsluxus“ am European College of Liberal Arts in Berlin. „Das war ein geisteswissenschaftlicher Rundumschlag, wir haben die großen Klassiker wie zum Beispiel Homer und Platon bis hin zu modernen Klassikern wie Nietzsche und Marx gelesen und dann in den Seminaren und vor allem später im Wohnheim darüber diskutiert. Das alles auf Englisch und mit Leuten aus aller Welt. Diese Zeit möchte ich nicht missen, denn sie hat mich persönlich sehr weitergebracht“, berichtet Lena Schulze-Gabrechten. So reifte in ihr schließlich der Entschluss, Politik zu studieren statt des zunächst präferierten Psychologie-Studiums. Zu dieser Entscheidung trug auch ein Praktikum im Stab eines grünen Senators des Landes Bremen bei.

Die Studienstipendiatin der Heinrich Böll Stiftung engagierte sich an der ZU in diversen Initiativen und Gremien und hat dabei auch gelernt, „mit dem eigenen vermeintlichen Scheitern und der Selbstüberschätzung“ umzugehen. Als studentische Vizepräsidentin hatte sie kurz vor ihrem Abschluss dann ein ganzes Jahr Zeit, an der Weiterentwicklung der ZU mitzuarbeiten. Der Ausgleich zu so viel Engagement sind ihre Hobbys: Briefe schreiben, Freundschaften pflegen, Kuchen backen und alle drei Jahre ein Fallschirmsprung „zur Tiefenentspannung“.