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Florian Keppeler

Eine 60-Stunden-Woche ist für Florian Keppeler nichts Außergewöhnliches: So studiert er an der ZU in Vollzeit den Masterstudiengang PAIR und arbeitet beim Landratsamt Lindau im Personalmanagement. Dabei versteht er es, Studium und Beruf zeitlich wie inhaltlich zu verbinden. Er hat am Lehrstuhl für Verwaltungswissenschaften & -modernisierung ein Forschungsprojekt zum zukunftsfähigen Personalwesen für Kommunen angestoßen, in Kooperation mit der studentischen Unternehmensberatung „Whyknot e.V.“ die Arbeitgebermarke „#beAmt“ aufgebaut sowie ein Talentförderprogramm für Nachwuchsführungskräfte im Landratsamt gestartet.


Florian Keppeler | MA PAIR

Während seiner Schulzeit zeigte Florian Keppeler noch mehr Interesse an Sprachen, belegte Latein und Englisch als Leistungskurse. Erst nach dem Abitur entschied er sich, ein duales Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege im fränkischen Hof aufzunehmen, und das zunächst aus einem ganz rationalem Grund: „Es war mir von Anfang an wichtig, einerseits zu studieren und andererseits Geld zu verdienen und damit unabhängig zu sein.“ Aufgrund seines vielfältigen ehrenamtlichen Engagements – so setzte er sich als aktiver Schiedsrichterassistent in der Jugendbundesliga für die Schiedsrichterjugendförderung ein und war Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr – war es ihm aber noch wichtiger, durch seinen Beruf auch zum öffentlichen Gemeinwohl beizutragen. „In diesem Sinne bietet die öffentliche Verwaltung einem nicht nur die Möglichkeit, Beruf und Ehrenamt zu vereinbaren, sondern an vorderster Front gemeinnützige Arbeit zu leisten“, erläutert Keppeler.

Florian Keppeler bestand den vorgelagerten Beamtentest mit Bravour, dem verwaltungswissenschaftlichen Studium stand nichts mehr im Wege. Wenig akademisch, dafür umso praxisnaher wurde er bestmöglich auf die Tätigkeit im öffentlichen Sektor vorbereitet. „Der Inhalt des theoretischen Teils des Studiums war strikt vorgegeben, es gab selten die Gelegenheit, eigene Projekte anzustoßen und zu realisieren“, erzählt Keppeler. Nicht verwunderlich also, dass ihm der praktische Part der Ausbildung mehr zusagt, durchlief er doch im Landratsamt Unterallgäu in Mindelheim alle Fachbereiche, lernte das A bis Z der allgemeinen inneren Verwaltung kennen: von der Abfallwirtschaft über Gewerberecht bis hin zur Zulassungsstelle. Sich wissenschaftlich austoben konnte Florian Keppeler bei der Bearbeitung seiner Diplomarbeit, in der er sich mit dem Einsatz von Sozialen Medien in der Öffentlichkeitsarbeit von Kommunen auseinandersetzte. 21 Monate Theorie und 15 Monate Praxis später konnte er sich Diplom-Verwaltungswirt (FH) und Regierungsinspektor nennen.

„Nach dem dualen Studium war mir schnell bewusst, dass akademisch gesehen noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht war“, erinnert sich Keppeler. Seine wissenschaftliche Neugier war durch das Erststudium geweckt worden, gestillt werden sollte sie in einem anschließenden Masterstudium an der ZU. „Denn die ZU passte hervorragend zu meiner Überzeugung, dass Verwaltung immer an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik angesiedelt ist“, erwähnt Keppeler. Bis heute ist er mit dem PAIR-Masterstudium sehr zufrieden: „In Hof habe ich zwar das rechtliche Handwerkszeug und die wirtschaftlichen Grundzüge erlernt, an der ZU konnte ich aber meine Kenntnisse und mein Wissen erweitern, indem ich andere Perspektiven kennenlernte, sei es aus der Politikwissenschaft oder der Verwaltungswissenschaft.“

Parallel zum Vollzeitstudium an der ZU arbeitet Florian Keppeler als Beamter auf Probe beim Landratsamt Lindau im Personalmanagement, kümmert sich um die Personalentwicklung, aber auch Arbeitsgerichtsverfahren. „Bereits während des dualen Studiums hat mir dieser Bereich am meisten zugesagt. Denn er ist der wesentliche Dreh- und Angelpunkt, um in der Verwaltung Prozesse zu modernisieren und zu verändern“, erklärt Keppeler.

Digitalisierung, demografischer Wandel, immenser Kostendruck aufgrund der allgemeinen Schuldenlage: Mit diesen Herausforderungen hat Florian Keppeler zu arbeiten. „Diesen Herausforderungen kann man nur mit einem dynamischen und innovativen Personalmarketing begegnen“, betont Keppeler. Wie kann ich das Berufsbild für junge Menschen attraktiver gestalten? Wie kümmere ich mich umgekehrt um die Nachwuchsführungskräfte und andere Beschäftigte? Das sind Fragen, mit denen er sich intensiv beschäftigt.

Dabei schafft er es auch immer, nicht nur zeitlich Studium und Beruf zu verbinden, sondern auch inhaltlich: So betreut er ein Forschungsprojekt zum zukunftsfähigen Personalwesen für Kommunen, untersucht, welche Motivation junge Menschen antreibt, im öffentlichen Sektor zu arbeiten. „Ich wollte herausfinden, ob die Menschen, die in die Verwaltung gehen, gemeinwohlorientiert sind, ob sie die Sicherheit des Beamtentums suchen oder ob sie gar aus einem Beamtenclan stammen“, führt Keppeler aus. Das Projekt entstand am Lehrstuhl für Verwaltungswissenschaften & -modernisierung an der ZU und wird in Kooperation mit der Kommunalen Gemeinschaftsstelle (KGSt) und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) durchgeführt.

Darüber hinaus entwickelt er zusammen mit der studentischen Unternehmensberatung „Whyknot e.V.“ eine Arbeitgebermarke für den Landkreis Lindau mit dem Titel „#beAmt“. „Damit möchten wir junge Menschen für den öffentlichen Dienst gewinnen“, erklärt Keppeler. Zusätzlich hat er ein internes Talentförderprogramm aufgesetzt: Zwei Jahre betreut und begleitet ein externer Coach intensiv Nachwuchskräfte, um diese auf zukünftige Führungspositionen optimal vorzubereiten.

Mit seinen Ideen bewarb sich Florian Keppeler für den „HR Next Generation Award 2015“, der von der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) und dem Medien- und Softwareunternehmen Haufe-Lexware GmbH & Co. KG jährlich verliehen wird. Bei der Preisverleihung in Berlin zeigte er unter dem Titel „Aus Teichenten Talente machen“ auf, wie wichtig ein fortschrittliches Talentmanagement im öffentlichen Dienst ist. Damit überzeugte er die aus namhaften Wirtschaftsvertretern besetzte Jury sowie das anwesende Publikum und belegte den zweiten Platz: „Ich habe mich riesig über die Auszeichnung gefreut, auch vor dem Hintergrund, dass die meisten Teilnehmer wie Finalisten in den Personalabteilungen großer Konzerne arbeiten.“

Sein unermüdlicher Einsatz hat sich bezahlt gemacht: Seit August leitet er gemeinsam mit einem Kollegen die Abteilung Personal und Organisation und damit ein kleines, aber schlagkräftiges Team. Man muss kein Rechengenie sein, um zu erkennen, dass für Florian Keppeler eine 60-Stunden-Woche zur Normalität geworden ist. „Doch ich bin Überzeugungstäter, ich brenne für das Studium wie für den Beruf und bin weiterhin hochmotiviert“, sagt Keppeler.

Martin Bukies

Frech, offen und neugierig. Ehrlich, direkt und authentisch. Ein Stück weit verrückt und mit einer gehörigen Portion Selbstironie ausgestattet: So lässt sich der Charakter von Martin Bukies beschreiben, dem neuen studentischen Vizepräsidenten, der sich in dieser Aufgabe selbst als „penetranten, kreativen und konstruktiven Störfaktor“ sieht. Vor dem Studienbeginn an der ZU durchlief er sechs Jahre lang neben dem Theologiestudium die kirchliche Ausbildung zum Priester – eine Zeit, in der er mit seinem freiheitsliebenden Wesen oft aneckte. Schließlich entschied er sich gegen die Priesterweihe und fand im vergangenen Jahr den Weg an die ZU und in den Masterstudiengang PAIR.


Martin Bukies | MA PAIR

Bei der Suche nach einem passenden Studienangebot stieß er auf den weiterbildenden Masterstudiengang PAIR. „Ich war vom mehrdimensionalen Ansatz des Studienkonzeptes sowie der ganzen Universität begeistert“, sagt Bukies. „Einerseits kommen hier in einem Studiengang Menschen mit ganz unterschiedlichen fachlichen Expertisen zusammen, andererseits bietet die ZU als Ganze durch ihre Konzeption ,zwischen den Disziplinen‘ die Möglichkeit, dass sich Studierende und Dozenten multiperspektivisch auf die Suche nach Antworten auf relevante Themen unserer Zeit begeben.“ Eine weitere perspektivische Bereicherung stellte für Bukies im vergangenen Semester der Besuch eines Seminars an der Universität Zürich dar, der ihm durch die IBH-Modulmobilität ermöglicht wurde. „Auch meine Erstausbildung fällt im Master nicht unter den Tisch: Das Zu-, Mit- und Gegeneinander von Politik und Religion ist kein sonderlich kleines Feld“, ergänzt Bukies.


Tobias Grünfelder

Tobias Grünfelder hat eine außergewöhnliche Leidenschaft: die Zauberei. Unter dem Künstlernamen Tobias Campoverde ist er Mitglied beim Magischen Zirkel von Deutschland und regelmäßig als Zauberkünstler auf verschiedenen Veranstaltungen unterwegs. Da der 23-Jährige auch die Welt und die Vorgänge in ihr als Zauberkunststücke empfindet und diese verstehen möchte, hat er sich zunächst für einen Bachelor in Philosophy & Economics an der Universität Bayreuth und dann für ein Master in Politics, Administration & International Relations an der ZU entschieden.

Tobias Grünfelder | MA PAIR

Noch bis kurz vor seinem Abitur verfolgte Tobias Grünfelder mehrere Hobbies – und jedes davon mit gewissem Erfolg. Inspiriert von seiner ländlichen bayerischen Heimat in Ursberg und dem gemeinsamen regelmäßigen Schauen des Musikantenstadls im Fernsehen, erlernte er bereits in jungen Jahren und unter Anleitung von professionellen Musikern das Akkordeonspielen. Zehn Jahre lang spielte er das Instrument in einer Akkordeonschule, nahm mit dem Orchester an nationalen und internationalen Wettbewerben teil und wurde sogar bayerischer Jugendorchestermeister.

Parallel dazu war Grünfelder im Fußballverein TSG Thannhausen aktiv, durchlief dort einige Jugendmannschaften, war Auswahlspieler für den Bezirk Schwaben und spielte einige Jahre sogar in der Bayernliga: „Es war schon sehr amüsant, wenn Vereine wie der FC Bayern München, TSV 1860 München oder FC Augsburg in die Provinz fahren mussten, um es mit uns aufzunehmen“, erzählt Grünfelder. Daneben entdeckte er die Schauspielerei für sich, wirkte jahrelang bei der schulischen Theatergruppe mit und belegte in der Oberstufe das Fach Darstellendes Spiel, bei dem auch Workshops mit erfahrenen Theaterschauspielern auf dem Lehrplan standen. Hinzu kam eine Passion, die ihn nicht mehr loslassen sollte: die Zauberei, wobei ihm bestimmte Elemente von den anderen Hobbies durchaus zugutekommen. Vom Akkordeonspielen die Fingerfertigkeit, vom Fußball der Umgang mit unterschiedlichsten Menschen, von der Schauspielerei die Steuerung des Publikums und der Atmosphäre durch den gezielten Einsatz von Sprache, Körperhaltung, Mimik und Gestik.

Der Beginn seiner größten Leidenschaft reicht bis ins Jugendalter zurück: „Ein Fußballkollege zeigte mir während einer längeren Auswärtsfahrt ein Kartenkunststück und ich war so fasziniert davon, dass ich mir zum Geburtstag ein Zauberbuch und einen Zauberkasten wünschte.“ Mit 16 Jahren stieß er dann auf den Magischen Zirkel von Deutschland – eine Vereinigung von Zauberkünstlern, die die magische Kunst pflegen und fördern – und besuchte regelmäßig den nahegelegenen Ortszirkel. „Es ist einfach nur zauberhaft anzuschauen, wenn sich ein 15-Jähriger und ein 75-Jähriger gegenübersitzen, um sich über Kunststücke, Tricktechniken und Präsentationsformen auszutauschen“, schwärmt Tobias Campoverde.

Auf Einladung erfolgte nach mehreren Monaten die Aufnahmeprüfung. Tobias Campoverde durchwälzte Standardwerke der Zauberkunst und Zaubergeschichte, um den theoretischen Teil zu bestehen. Anschließend war der praktische Teil an der Reihe, „wobei für das Bestehen ein gewisses Repertoire an Zauberkunststücken mit Karten, Bällen, Münzen und Seil unabdingbar ist.“ Eine zehnminütige Vorführung im Rahmen einer Gala später war es geschafft: Tobias Campoverde bestand die Aufnahmeprüfung mit besonderer Auszeichnung und wurde so vom Gast- zum internen Mitglied des Magischen Zirkels von Deutschland. „Der Eintritt in den Magischen Zirkel bedeutet für mich sehr viel. Dadurch besteht die Möglichkeit, nicht nur in größerem Maße von professionellen Zauberkünstlern zu lernen, sondern auch von einem breiteren Netzwerk zu profitieren.“

Seine magischen Fähigkeiten präsentierte er allerdings nicht nur innerhalb der Zaubererzunft, schon früh führten ihn erste Auftritte auf familiäre Geburtstage und Hochzeiten. Doch schon bald kamen öffentliche Darbietungen hinzu: So zauberte Tobias Campoverde bereits im Legoland Deutschland für Jung und Alt und nahm mehrfach beim internationalen Straßen- und Varietéfestival „Bamberg zaubert“ teil – getreu seinem Motto „Staunen, Lachen, Nachdenken“. Darüber hinaus entstand im Zuge eines Praktikums beim Goethe-Institut in Litauen die Idee, im Auftrag der kulturellen Einrichtung eine zweiwöchige Zaubertournee durch die baltischen Staaten zu unternehmen, um Schulkindern auf spielerische Weise die deutsche Sprache näherzubringen. „Es gibt einfach nichts Schöneres, als gemeinsam mit Kindern zu zaubern, denn sie verstellen sich nicht und zeigen noch wahre Emotionen, sind direkt und ehrlich“, sagt Campoverde.

Zwar stand das eine und andere Mal der Gedanke im Raum, professionell Akkordeon beziehungsweise Fußball zu spielen oder Schauspielerei zu betreiben, doch Tobias Grünfelder entschied sich für ein wissenschaftliches Studium – und das aus einen ganz einfachen Grund: Er interessierte sich mehr für gesellschaftliche Themen.

Nach dem Abitur nahm er das Bachelorstudium in Philosophy & Economics an der Universität Bayreuth auf. Doch während seines Studiums interessierte sich Tobias Grünfelder nicht nur für Philosophie und Wirtschaft, sondern auch für Politik, „die mich sogar noch mehr in ihren Bann gezogen hat.“ Da in seinem Studiengang Kurse mit Schwerpunkt Politik Illusionen blieben, entschloss sich Grünfelder dazu, ein Praktikum im Deutschen Bundestag zu absolvieren sowie zwei inhaltlich auf Politik ausgerichtete Auslandssemester einzulegen: In Mailand beschäftigte er sich mit Entwicklungsländern und internationalen Organisationen, in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul mit internationalen Märkten und Beziehungen. Was ihn an dem südostasiatischen Land aber darüber hinaus reizte, war der Umstand, dass es dort eine Hochschule für Zauberkunst gibt. „Der Besuch dieser Hochschule war schon sehr beeindruckend“, erwähnt Campoverde. „Es ist wirklich faszinierend, dass dort junge Menschen Zauberei studieren. Noch faszinierender ist es jedoch, dass es zu funktionieren scheint, immerhin haben die Südkoreaner bei den vergangenen Weltmeisterschaften der Zauberkunst zahlreiche Preise abgeräumt.“

In der Bachelorarbeit behandelte er noch die Frage „Who are refugees?“, nun wollte Tobias Grünfelder im Masterstudium Antworten auf folgende Fragestellungen finden: Wie funktioniert der Staat? Und wie lassen sich internationale Beziehungen analysieren? In Gesprächen mit Freunden, die an der ZU studieren, wurde ihm die Universität am Bodensee empfohlen. „Dabei war der PAIR-Master genau der Studiengang, den ich gesucht habe“, sagt Grünfelder. Seine Erwartungen an das Studium und die Universität haben sich bislang erfüllt: ob individuelle Betreuung, kleine Seminargruppen, motivierte Kommilitonen oder vielfältige studentische Initiativen, wobei er selbst Vorstandsmitglied beim Club of International Politics ist.

Tobias Campoverde verzaubert übrigens auch an der ZU und in Friedrichshafen seine Mitmenschen. So hat er bislang vor allem bei Veranstaltungen der studentischen Initiativen Rock Your Life! und welt_raum Zauberkunststücke vorgeführt. Und demnächst ist er beim Straßenzauberer-Festival in der Häfler Innenstadt vertreten.

Sven Liebert

An der ZU kennt man ihn als Nachwuchspolitiker, Moderator und Netzwerker. Im Herzen ist er ein bodenständiger Ruhrgebietler. Doch egal, was Sven Liebert anpackt: Für Action ist in jedem Fall gesorgt.


Sven Liebert | MA PAIR

Als im Jahr 2006 Mülheim an der Ruhr den ersten Jugendstadtrat der Stadtgeschichte ins Leben rief, war Sven Liebert direkt Feuer und Flamme und wurde gewählt, und das auch gleich zum Vorsitzenden. „Mülheim an der Ruhr ist keine junge Stadt: Rund 50 Prozent der Einwohner sind über 60 Jahre alt, das heißt, Jugendpolitik wird teilweise von alten Leuten gemacht. Das ist nicht mein Politikverständnis und hat mich gestört“, erklärt der 23-Jährige seine Motivation, als er sich für den Jugendstadtrat aufstellen ließ. Mit der Gründung des Gremiums betrat die Stadt Neuland, diese Art und Weise der Einbindung von Jugendlichen hatte es noch nicht gegeben. Mit Erfolg: Gemeinsam mit 28 anderen jungen Menschen wurde unter anderem ein Jugendsportpark ins Leben gerufen.

Sven Liebert war zwar vorher schon Schülersprecher gewesen, hat sich aber als Jugendstadtrat zum ersten Mal konkret mit Politik auseinandergesetzt. „Wir haben beispielsweise ein Jugendfestival davor gerettet, abgeschafft zu werden, nachdem sich die Nachbarn immer wieder über den Lärm der feiernden Jugendlichen beschwert hatten“, berichtet er. „Wir standen am Anfang sehr unter Beobachtung, aber man konnte unglaublich viel machen: Es hat sich eine gewisse Dynamik entwickelt und es hat wirklich gut funktioniert“, erklärt Liebert. Besonders stolz ist er auf die Tatsache, dass sie es geschafft haben, innerhalb der zweijährigen Amtszeit die Wahlbeteiligung um 50 Prozent zu steigern.

Das Studium an sich wurde für Liebert zu einem kleinen, großen Abenteuer, da er als erster in der Familie überhaupt sein Abitur machte. „Es war etwas völlig Neues, mir konnte auch keiner wirklich weiterhelfen, weil bei mir im Freundeskreis auch nicht viele Eltern waren, die studiert haben“, räumt Liebert schmunzelnd ein. Die Entscheidung mit viel Bauchgefühl für die ZU hat er bis heute nicht bereut.

An der Uni hat Sven Liebert seine politischen Ambitionen weiter ausgebaut und sich 2011, in seinem zweiten Semester, zum Studentischen Senator wählen lassen. Während seiner Amtszeit wurde die Öffentlichkeitsarbeit der Senatoren durch die neue Facebook-Präsenz ausgebaut und ein Online-Wahlsystem eingeführt. Die Steigerung der Wahlbeteiligung auf mehr als 80 Prozent war die Folge. „Wir waren stolz wie Oskar, dass das alles so gut geklappt hat und Hochschulpolitik auch an der ZU eben nicht langweilig sein muss“, berichtet Liebert.

Dank seiner Erfahrung im Stadtrat und als Studentischer Senator ist Liebert inzwischen ein Experte, wenn es um Bildungsfragen geht. Als im Frühjahr 2012 das „Munich Economic Summit“ – eine kleine Version des Weltwirtschaftsforums in Genf – von ifo Institut und BMW Stiftung im „Bayerischen Hof“ in München stattfand, war er in der „Young Experts Group“ mit dabei. „Drei Tage lang haben wir uns mit der Bildungspolitik Europas beschäftigt und uns mit der Fragestellung auseinandergesetzt, wie man das Schiff wieder ins rechte Fahrwasser bringen kann“, erklärt Liebert. „Das Team steht auch heute noch in engem Kontakt. Gemeinsam stricken wir an der einen oder anderen Bildungsidee.“

Nach seinem Praxissemester bei der UBS Deutschland AG hat sich der wortgewandte PAIR-Studierende schließlich erneut zum Studentischen Senator wählen lassen, was es in der Universitätsgeschichte der ZU vorher noch nicht gab. Mehr Partizipationsmöglichkeiten für Studierende und der Abbau von Politikverdrossenheit stehen nach wie vor auf Sven Lieberts Agenda: „In einem Jahr Hochschulpolitik kann man wirklich eine Menge bewegen, und ich habe gesehen, dass es Dinge gibt, die ich noch weiter vorantreiben möchte. Mir macht der Job einfach wahnsinnig viel Spaß.“

Eva Becker

Als Peer Steinbrück im Jahr 2008 beim Galadinner der ZU von der zunehmenden Politikverdrossenheit junger Menschen sprach, wollten die anwesenden Studierenden seine These nicht einfach akzeptieren. Sie schlugen dem damaligen Bundesfinanzminister ein Forschungsprojekt vor, der zeigte sich sofort interessiert – und die Studierenden, darunter Eva Becker, gründeten „zu|gänglich“ und präsentierten das Projekt schließlich dem Finanzminister im Willy-Brandt-Haus in Berlin.


Eva Becker | MA PAIR

Für die Studentin im Masterprogramm Politik & Verwaltung war dies eine besondere Erfahrung. Mit ihren Kommilitonen entwickelte sie die Vision „Stell dir vor, es ist Demokratie und jeder macht mit“ und untersuchte unter Leitung von ZU-Juniorprofessor Dr. Markus Rhomberg Strukturen, Kommunikation und Marken in der Politik. Aus der spontanen Idee wurde ein Forschungsprojekt, zu dem im Frühjahr 2010 ein Symposium mit Wissenschaftlern, Politikern, Bürgern und Studierenden stattfand. „Das war der erste Workshop, den ich moderiert habe, und ich hoffe, es war nicht der letzte“, so Eva Becker damals.


Im Bachelor hatte Eva Becker Kommunikationsmanagement, Philosophie und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in Leipzig studiert. Im ersten Semester in Leipzig stellte sie fest, dass Lobbying und politische Kommunikation für sie besonders interessant sind. Es folgten Praktika beim Verband der Chemischen Industrie in Brüssel, im Bundespresseamt und im Amt des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages. Bei der Public Affairs Sparte der PR-Agentur Ketchum Pleon war Eva Becker lange studentische Mitarbeiterin. Sie beobachtete die Bedeutung von Expertise für politische Einflussnahme, beschäftigte sich dann in ihrer Masterarbeit mit Nicht-Wissen in der Politik und schließlich in ihrer Doktorarbeit mit Wissensasymmetrien zwischen Regulierungsbehörden und Finanzinstituten.

Und wie geht es weiter? Wieder interdisziplinär. „Nach meinem Studium an der ZU stehe ich wirklich zwischen Politik, Wirtschaft, und – in meinem Fall – Kommunikation. Ich wünsche mir, dass sich dies in meiner Arbeit widerspiegelt.“ 2012 begann Eva Becker ihre Promotion an der ZU und der LMU, und heute sagt sie: „Ich werde der Uni verbunden bleiben. Es gibt ja das gängige Klischee über Privatunis und deren Studenten, das sich aber an der ZU zum Glück nur sehr selten bestätigt. Die ZU ist für mich die private Uni, die man trotzdem wählt.“

Das Masterstudium „Public Management and Governance“ an der ZU war für sie ohne Alternative. „Ich wollte sehr gerne an der ZU studieren, weil mich diese Universität überzeugt hatte. Gleichzeitig hatte ich aber keine Wahl, denn es gibt wenige Universitäten, die es sich trauen, Studenten nicht-konsekutiv studieren zu lassen.“ So begann Eva Becker mit dem Master in Politik- und Verwaltungswissenschaften ein bisschen von vorne. Mit der ZU teilt sie neben der Freude an Wissenschaft die Interdisziplinarität.

Maximilian Koch

Schweizern wird ja allgemein eine gewisse Gemütlichkeit nachgesagt – wenn dieses Vorurteil stimmen sollte, dann ist Max Koch kein typischer Eidgenosse. Der 43-Jährige ist Bürgermeister, kantonaler Parlamentsabgeordneter, Berufsschullehrer, Gründer und Trainer eines Handballvereins, und „nebenbei“ studiert er auch noch an der ZU. „Das wichtigste dabei ist ein gut geführter Kalender“, sagt Koch und lacht.


Maximilian Koch | MA PAIR

Er studierte an der ZU den Masterstudiengang Politics, Administration & International Relations. Bei Koch vereinen sich Praxis und Theorie im Verwaltungsbereich auf ganz besondere Weise: Seit dem Jahr 2003 ist er Bürgermeister (in der Schweiz heißt es eigentlich „Gemeindepräsident“) der kleinen Gemeinde Wolfhalden mit 1700 Einwohnern - und zwar ohne vorher schon große Erfahrungen in der Politik gemacht zu haben. Der alte Präsident schied aus und Max Koch wurde gefragt, ob er nicht kandidieren wolle. Die Bürger von Wolfhalden wählten ihn spontan zum Nachfolger.

„Ich musste binnen kurzer Zeit von Null auf Hundert durchstarten“, beschreibt Koch sein erstes Jahr. Dass das Dasein als Gemeindepräsident kein Halbtagsjob ist, merkte er bald. „Da kommt dann frühmorgens auf dem Privattelefon schon mal ein Beschwerdeanruf eines Bürgers, etwa, weil der Hund des Nachbarn zu laut bellt, aber das gehört eben auch zu dieser Aufgabe dazu, ich habe die Entscheidung kein einziges Mal bereut“. Im Gegenteil: Max Koch kandidierte erfolgreich für die FDP für das Kantonale Parlament Appenzell-Außerhoden und wurde 2007 als Bürgermeister in seinem Amt bestätigt. Nach dem Sprung ins kalte Wasser der Gemeinde- und Kantonspolitik kam kurz darauf der Wunsch, Praxis und Theorie durch ein Studium zu verbinden „Ich habe mich dann an verschiedenen Unis über Politikstudiengänge informiert und bin letztendlich an der ZU gelandet. Das Arbeiten in kleinen Gruppen und das Seminarangebot haben mich überzeugt.“

Aleksandra Rhomberg

Mit sechs Jahren kam die gebürtige Polin nach West-Berlin, machte dort ihr Abitur, um zum Jurastudium nach Frankfurt/Oder an die neu gegründete Europa-Universität Viadrina zu gehen – direkt an der Grenze zu Polen. Nach dem Staatsexamen arbeitete Aleksandra Rhomberg in der Verwaltung des Deutschen Bundestages in den Bereichen Besucherdienst, Europa-Ausschuss und Vergaberecht.


Aleksandra Rhomberg | MA PAIR

Der Wissensdurst kam wieder und offenbar auch der Drang, wieder an eine neugegründete Universität und in ein Grenzgebiet zu gehen – an die ZU am Bodensee. Die Schnittstelle von Politik, Verwaltung und Medien war ihre Forschungsfrage. So dann auch die Masterthesis: „Welche Realität konstruieren Massenmedien am Beispiel des EU-Gipfels im Juni 2007? Eine Diskursanalyse deutsch-polnischer Massenmedien“. Schon während des Studiums arbeitete sie in der Redaktion des Münchner Merkurs und absolvierte einen Forschungsaufenthalt an der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau und nebenher gründete sie an der ZU einen Literaturzirkel und initiierte einen Theoriezirkel für Master-Studierende und und und... Zwei Wochen nach ihrer Disputation ist sie wieder zurück im Bundestag – als Referentin für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. 

Christian Geiger

Christian Geiger ist dem Bodensee treu geblieben. Nach dem Bachelor-Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaft an der Universität Konstanz wechselte er zum Master-Studium an die ZU. Während des Studiums absolvierte er mehrere Praktika, unter anderem im Staatsministerium Baden-Württemberg sowie auf Seiten der Industrie bei der TOGNUM AG.


Christian Geiger | MA PAIR

Seine Masterthesis schrieb er zum Thema „Regionen im Standortranking – Diskussion und Erarbeitung eines Evaluationsinstruments für eine nachhaltige Regionalentwicklung“. Da ihn zu diesem Zeitpunkt seit mehreren Jahren das Thema E-Government umtrieb, kam ihm die Eröffnung des Telekom Institute for Connected Cities an der ZU gerade recht: Er wurde erster wissenschaftlicher Assistent und Doktorand des neuen Direktors Jörn von Lucke. Bereits im ersten Semester seiner Promotion übernahm Christian Geiger Lehrtätigkeiten im Seminar zum Thema „Mediensysteme, Medienpolitik und Medienökonomie: T-City Friedrichshafen“. Und nach Abschluss seiner Promotion fing er 2013 bei der Stadt Ulm an und beschäftigt sich dort mit Open- und E-Government.