Auf dieser Seite
Fragen?
Ihre Frage:
 
15.05.2019

Warum spielen beim Lernen hilft

Lernen bedeutet, dass Informationen in unserem Langzeitgedächtnis verankert werden und so unseren Wissensbestand erweitern. Der Haken ist, dass Lernen häufig mit reiner Wissensaufnahme - sei es durch Lesen oder Zuhören - gleichgesetzt wird. Damit machen wir uns den Lernstoff aber nicht zu eigen, wir inkorporieren ihn nicht in unseren bestehenden Wissensbestand, weil wir nicht an etwas andocken, was schon da ist.

Wissen dockt erst dann an, wenn wir uns aktiv mit dem Lernstoff beschäftigen. Das kann durchaus auch beim Lesen oder Zuhören geschehen und zwar dann, wenn wir uns aktiv beim Lesen und Zuhören fragen: „Kenne ich ein Beispiel für diesen Zusammenhang?“ oder „Habe ich diesen Begriff nicht schon mal in einem anderen Kontext gehört?“. Besonders gut funktioniert diese Anbindung, wenn man nicht nur an bestehendes Wissen, sondern an Erfahrungen und Emotionen andocken kann, sich also fragt: „Kenne ich diesen beschriebenen Zusammenhang nicht selbst aus einer anderen Situation? Das war eine tolle Erfahrung.“

Natürlich steht es letztlich in der Eigenverantwortung jedes Lernenden, neues Wissen aktiv aufzunehmen. Aber Lehrende können dabei auch unterstützen. Klassischerweise werden in der Hochschullehre in Übungen Fälle bearbeitet, die dann als Beispiel dienen. Genau hier können Spiele genutzt werden.

Spiele haben den besonderen Vorteil, dass sie Erfahrungen schaffen, die häufig auch mit Emotionen verbunden sind. Deshalb funktionieren Planspiele so gut als Lehr- und Lernformat: In der Spielphase werden (im Idealfall emotionale) Erfahrungen geschaffen, um sie im Debriefing zu reflektieren und mit bestehendem Wissen in Verbindung zu bringen. Damit ist die Grundlage für eine nachhaltige Wissensaufnahme geschaffen. Letztlich gilt dieser Mechanismus aber nicht nur für Planspiele, sondern für alle Formen von Spielen oder aktiven Lehr- und Lernmethoden. Daher: Bevor in der Lehre neue Inhalte vermittelt werden, kann es sehr sinnvoll sein, mit einem kleinen spielerischen Element eine Erfahrungsgrundlage zu schaffen. Es muss nicht immer ein Planspiel sein. Ein kurzes Wissensquiz oder ein thematisches Memory kann schon ausreichen.

Literatur zum im Text beschriebenen Verarbeitungslernen: Hofmann, Eberhardt / Löhle, Monika (2012): Erfolgreich Lernen: Effiziente Lern- und Arbeitsstrategien für Schule, Studium und Beruf. Göttingen: Hogrefe Verlag.