13.11.2020

Arbeiten in der Verwaltung – spannender, als viele denken

Katharina Große und Jan Wiesner verantworten in verschiedenen Ministerien auf Landesebene die Digitalisierung von Verwaltungsabläufen. Im Gespräch mit Kompass-Studierenden geht es um den eigenen Werdegang, Zukunftsperspektiven und Berufschancen im öffentlichen Dienst.


Jan Wiesner absolvierte sowohl seinen Bachelor als auch seinen Master im Fachbereich PAIR (Politics, Administration & International Relations) an der ZU. Seit 2017 arbeitet er im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz an der Einführung einer neuen Softwarelösung: Mit der E-Akte BW sollen herkömmliche Akten, aber auch der Schriftverkehr und Bearbeitungsvorgänge digitalisiert werden.
Katharina Große studierte zunächst Business Management in den Niederlanden. Auf einer Messe wurde sie dann auf die ZU aufmerksam und begann dort ein Masterstudium in PMG (Public Management & Governance, heute PAIR). Auch für ihre Doktorarbeit blieb sie an der ZU und promivierte am The Open Government Institute (TOGI) im Bereich Wirtschaftsinformatik. Seit 2017 ist sie beim Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg für die Verwaltungsmodernisierung zuständig. Bürgerinnen und Bürger sollen in Zukunft alle Formulare und Anträge über die zentrale Website www.service-bw.de abrufen können.


Foto: ZU | Annika Hörenberg

Für die Studierenden hört sich das alles sehr „IT-lastig“ an – lernt man das schon im Studium? Die Grundlagen eignete sich Katharina Große in Kursen zum Thema Verwaltungsinformatik im Masterstudium an und eine gewisse IT-Affinität ist ihrer Meinung nach für die Arbeit im öffentlichen Dienst auch von Vorteil. Sie hat beispielsweise eine Weiterbildung im Bereich User Experience (UX) gemacht. Die konkrete Umsetzung des Serviceportals übernimmt beim Innenministerium aber ein IT-Dienstleister.
Generell muss man bei den Berufsfeldern in Ministerien zwischen zwei Bereichen unterscheiden: Jedes Ministerium hat fachliche, eher nach außen gerichtete Abteilungen sowie organisatorische, nach innen gerichtete. Für die Arbeit in einer Abteilung, die sich beispielsweise mit dem Radwegenetz beschäftigt, ist eine spezifische fachliche Ausbildung nötig. In den Abteilungen, die sich mit internen Prozessen und Arbeitsweisen beschäftigt und Veränderungsprozesse anstoßen kommt es dagegen verstärkt auf Interdisziplinarität und Querschnittsthemen an. Im Hinblick auf Digitalisierung kommen beispielsweise sozialwissenschaftliche Kenntnisse genauso zum Einsatz wie IT-Affinität und das Wissen um den Umgang mit Gesetzen. Katharina Große hat im Rahmen ihrer Arbeit oft Kontakt zu anderen ZU-Alumni, die ebenfalls in diesem interdisziplinären Bereich auf Länderebene tätig sind.


Großes Interesse fand im Gespräch das Thema Verbeamtung, denn auch bei einem Quereinstieg in die Verwaltung ist diese möglich. Meist muss man sich circa drei bis vier Jahre bewähren, einheitliche Regelungen für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger gibt es dafür aber nicht. Jan Wiesner sieht im Beamtenstatus vor allem Vorteile, etwa im Hinblick auf die Bezahlung. Katharina Große dagegen hat sich den Schritt zur Verbeamtung gut überlegt: Angestellte haben beispielsweise eine geringere Wochenarbeitszeit als Beamtinnen und Beamte und im Vergleich zu anderen Tarifen ist der Tarif des öffentlichen Dienstes ihrer Meinung nach auch ohne Verbeamtung bereits sehr attraktiv. In jedem Fall lohnt es sich, möglichst früh in den öffentlichen Dienst einzusteigen.


Eine weitere Frage der Kompass-Studierenden: Warum entscheidet man sich für eine Arbeit auf Landesebene und nicht für die Bundesebene oder sogar die europäische? Katharina Große hatte schon im Studium erste Kontakte zur Landesebene und hat sich letztendlich aufgrund der dortigen Aufgaben für diesen Bereich entschieden. Sie sagt: „Die Politik scheint als Handlungsfeld erst mal attraktiver, aber eigentlich passiert in der Verwaltung sehr viel mehr Konkretes – wenn auch hinter den Kulissen.“ Jan Wiesner hat ein Praktikum in Brüssel absolviert und dabei herausgefunden, dass ihm die Landesebene mehr liegt. Sie hat außerdem den Vorteil, dass er in der Heimat bleiben konnte.

Und welche Vorstellungen haben die beiden Alumni von ihrer Zukunft? Die Einführung der E-Akte, an der Jan Wiesner beteiligt ist, ist in zwei bis drei Jahren abgeschlossen. Er kann sich aber gut vorstellen, auch längerfristig im öffentlichen Dienst zu bleiben. In den nächsten Jahren gehen sehr viele Beschäftigte in Rente – das heißt, es geht vorhandenes Wissen verloren, aber es gibt auch neue Chancen für Veränderungen, vor allem für Quereinsteiger. Katharina Große weiß, dass sie mit ihren Kenntnissen auch in der Industrie gute Chancen hätte, ihr ist aber wichtig, mit ihrer Arbeit etwas fürs Gemeinwohl zu tun. Deshalb hat sie sich für die Verbeamtung und die weitere Arbeit in der Verwaltung entschieden. Eigentlich ist dort ein Wechsel der Position im Abstand von fünf Jahren vorgesehen, doch es setzt sich zunehmend die Überzeugung durch, dass auch eine Spezialisierung auf einem gewissen Themengebiet nötig ist, was nur durch längerfristige Tätigkeiten im selben Bereich erreicht werden kann. Auf Bundesebene möchte sie nicht arbeiten, da Berlin für sie nicht attraktiv ist. Eine leitende Position auf Landesebene ist aber eine ansprechende Option für die Zukunft.

Zum Abschluss gibt Katharina Große den Studierenden noch einen Rat: „Macht das, worauf ihr Bock habt! Macht, was euch interessiert, denn dann werdet ihr immer etwas mitnehmen – und im Endeffekt ist dann irgendwann ein roter Faden drin.“


Mehr Informationen zur Berufsorientierung im Kompass-Studium

Zeit, um zu entscheiden

Diese Webseite verwendet externe Medien, wie z.B. Karten und Videos, und externe Analysewerkzeuge, welche alle dazu genutzt werden können, Daten über Ihr Verhalten zu sammeln. Dabei werden auch Cookies gesetzt. Die Einwilligung zur Nutzung der Cookies & Erweiterungen können Sie jederzeit anpassen bzw. widerrufen.

Eine Erklärung zur Funktionsweise unserer Datenschutzeinstellungen und eine Übersicht zu den verwendeten Analyse-/Marketingwerkzeugen und externen Medien finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.