25.03.2021

„Gründen ist wie Achterbahn fahren“

Seine erste Firma gründete Vincent Osterloh schon in der Schulzeit – damals hieß sie pc-hilfe.de, heute heißt sie OCX und bietet IT-Dienstleistungen für kleine und mittelständische Unternehmen an. Nach der Firmengründung suchte er dann auch eine „unternehmerische“ Universität und absolvierte an der ZU den Bachelor-Studiengang Corporate Management & Economics. Für ihn auch knapp 10 Jahre nach seinem Abschluss eine gute Entscheidung: „Vieles an der ZU hat mich inspiriert und meinen Horizont erweitert. Außerdem konnte ich mir im Studium schon ein unternehmerisches Netzwerk aufbauen.“ Während seines Studiums konnte er Schwerpunkte auf die Themen Unternehmertum, Innovation und Marketing legen. Auch über den Vorlesungsbetrieb hinaus engagierte er sich zum Thema Gründung: Er leitete den Entrepreneurs Club und die Veranstaltungsreihe Young Entrepreneurs & Professionals (YEP), die Studierende mit jungen Gründerinnen und Gründern ins Gespräch bringt. Mit einem Professor der ZU ist er bis heute in Kontakt. Ihm ist es auch wichtig, heute etwas an die ZU zurückzugeben – zum Beispiel durch das Treffen mit den Kompass-Studierenden.


Foto: ZU | Annika Hörenberg

Und wie schafft man es, die eigene Firma und ein Studium unter einen Hut zu bringen? Vincent gab viele operative Aufgaben an Mitarbeitende ab und sagt, dass er trotz Doppelbeschäftigung auch Zeit für Feiern und andere Freizeitaktivitäten hatte. Er schränkt aber auch ein: „Ich war schon mehr als andere darauf bedacht, meine Zeit effizient zu nutzen. Vereinzelt habe ich dann auch mal in Lehrveranstaltungen gearbeitet – aber für die meisten Veranstaltungen kann ich das nicht empfehlen!“ Da die ZU sich als Gründeruniversität sieht, ließen sich Firma und Studium teilweise aber auch gut verbinden. So konnte er beispielsweise die Zeit für das Inlandspraktikum in seine eigene Firma investieren.

Über einen Absolventen der ZU kam er auch zu seinem ersten Praktikum bei einem Startup im Silicon Valley. Die Startup-Mentalität dort unterscheidet sich dabei sehr von der in Deutschland. Die Leute seien offener und eher bereit, sich zu treffen und Ideen auszutauschen. In Deutschland herrsche hingegen mehr Zurückhaltung, auch aus Angst, dass Ideen von anderen übernommen werden. Vincent sieht das nicht so kritisch: „Wenn mir nur jemand eine Idee ‚klaut‘, dann bringt das im Grunde nichts. Es kommt auch sehr stark auf die Umsetzung an. Die Gründer von Zalando waren bestimmt nicht die Ersten, die die Idee eines Online-Versandhandels für Mode hatte – aber diejenigen, die sie am besten umgesetzt haben.“


Aber was braucht es nun, um seine eigene Firma zu gründen und zu führen? Für Vincent vor allem Willensstärke und Resilienz, denn Rückschläge gehören eigentlich immer dazu. Außerdem hilft strukturiertes und kritisches Denken und man benötigt Verhandlungsgeschick für den Umgang mit Lieferanten, Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeitenden.
Für Vincent hat Gründen viele Vorteile. Er hat zum Beispiel sehr viel mehr Gestaltungsspielraum als in einem Angestelltenverhältnis: „Wie möchte ich meinen Tagesablauf strukturieren? Mit welchen Kunden möchte ich zusammenarbeiten und wen hole ich in mein Team?“ Vor allem gefällt es ihm aber, selbst etwas aufzubauen und etwas zu verändern. Damit verbunden ist eine anhaltend hohe Lernkurve: „Viele Mitstudierende haben berichtet, dass sie zwar beim Berufseinstieg noch mal sehr viel Neues gelernt haben, aber nach einer Weile sind sie dann irgendwie stecken geblieben. Bei einer eigenen Unternehmensgründung ist das anders, man lernt nie aus.“ Motivierend sei auch das direkte Marktfeedback.
Vincent räumt allerdings ein: „Gründen hat nicht nur schöne Seiten.“ Es sei mit einem hohen Maß an Unsicherheit verbunden und sowohl psychisch als auch physisch könne eine eigene Firma sehr belastend sein. Im ersten Jahr nach der Gründung des Unternehmens Reparando etwa arbeitete Vincent 14 bis 15 Stunden pro Tag. Kompass-Studentin Maya interessiert, wie man sich von solch einem Arbeitspensum wieder löst – denn die Aufgaben werden ja nicht weniger. Vincent erzählt, dass ihm erst ein zehntägiger Urlaub den nötigen Abstand zur Reflexion gegeben hat. Danach nahm er sich vor, nicht mehr nach 21:30 Uhr nach Hause zu kommen. „Das hört sich nach wenig an, aber es war eine enorme Verbesserung!“ Heute würde er so einen Urlaub bewusst schon vor der Gründung einplanen, um die nötige Auszeit dann auch wirklich zu nehmen. Er hat außerdem gelernt, bewusst einen Ausgleich zu schaffen, sei es in Form von Sport, Spaziergängen oder Zeit mit Familie und Freunden.
Insgesamt vergleicht Vincent Gründen mit einer Achterbahnfahrt. Es gebe sehr viele Aufs und Abs – teilweise im Stundentakt, teilweise im Jahrestakt. „Es kann sein, dass du ein tolles neues Teammitglied gewinnst und es dir richtig gut geht und am Abend bekommst du eine Mail, dass jemand anders gehen möchte. Oder du erhältst eine Zusage von einem großen Investor und kurz darauf sagt ein anderer, auf den du genauso angewiesen bist, ab.“ Und Fehler passieren – vor allem, wenn es gerade stressig ist. Für Vincent ist aber klar: „Achterbahnfahren macht ja auch Spaß!“ Wichtig ist für ihn eine Grundzufriedenheit und dass man in einem Bereich gründet, der einen wirklich nachhaltig begeistert.

Aber wie kommt man überhaupt auf eine Firmenidee? Manche entstehen aus Alltagsproblemen oder weil einem persönlich einfach etwas fehlt, was es so noch nicht gibt. Als Beispiel nennt Vincent die Bierothek, die Craft Beer vertreibt. Aber man kann auch gezielt auf die Suche gehen und in Gründungsblogs nach Trendthemen suchen oder strukturierte Ideengenerierungsprozesse durchlaufen. Kompass-Studentin Annika interessierte sich auch für Finanzierungsmöglichkeiten. Vincent erklärt, dass er mit verschiedenen Modellen Erfahrungen gesammelt hat. Ein Bankkredit ist für innovative Konzepte sehr schwierig zu bekommen, deshalb hat er alle seine Firmen von Anfang an selbst mitfinanziert. Bei Reparando kamen später große und kleine Investoren dazu. Von OCX ist er bis heute alleiniger Gesellschafter, Investoren sind nicht beteiligt. Und Crowdfunding? „Es gibt viele gute Ideen, die mit Crowdfunding finanziert wurden, aber meiner Erfahrung nach schreckt das viele große Investoren ab.“

Das einstündige Gespräch hinterlässt bei den Kompass-Studierenden eine Mischung aus Respekt und Faszination. Vincents Fazit: Gründen ist Arbeit, aber bietet ein hohes Maß an persönlicher Freiheit. Er empfiehlt deshalb allen, die sich grundsätzlich für das Thema interessieren, sich mit Gründerinnen und Gründern auszutauschen und den Arbeitsalltag in Startups im Rahmen von Praktika kennenzulernen.

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