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01.03.2015

Baran Topbas

Baran Topbas ist ambitioniert, neugierig und ein humorvoller Kosmopolit. Denn seine bisherigen akademischen Stationen umfassen neben der ZU die University of St. Andrews und die Peking University. Seine praktischen Tätigkeiten hingegen führten ihn in ein Seniorenheim für jüdische Holocaust-Überlebende in Chicago und an die Deutsche Botschaft in Washington D.C. Als Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung setzt er sich außerdem für Bildungsgerechtigkeit in Deutschland ein.



Nach seinem Abitur entschied sich Baran Topbas für ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Seniorenheim für jüdische Holocaust-Überlebende in Chicago. Eine Mischung aus Abenteuerlust, Neugier für jüdisch-amerikanische Kultur und das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der deutschen Geschichte haben ihn zu diesem Vorhaben bewegt. In der Einrichtung namens „Selfhelp Home“ war er für die Organisation und Koordination der Freizeitaktivitäten zuständig. „Ich habe mit den Senioren morgens Yoga gemacht, ihnen tagsüber Gesellschaft geleistet, und abends habe ich Veranstaltungen wie klassische Konzerte oder Filmabende auf die Beine gestellt“, berichtet Topbas. „Der Austausch mit den Senioren war ein prägendes Erlebnis für mich. So bekam ich Einblicke in die Geschichte einer anderen Generation und durfte mit Zeitzeugen im Dialog stehen.“ Direkt im Anschluss entschied er sich für eine Backpacker-Tour durch Neuseeland. „Für mich war es wichtig, meinen Alltag zu entschleunigen und mir bewusst zu werden, welche Richtung ich überhaupt einschlagen möchte. Letztlich haben mir beide Auslandsaufenthalte dabei geholfen, überlegte Entscheidungen im Hinblick auf meine Zukunft zu treffen. Auch wenn ich einen Umweg gehen musste, um schließlich an das richtige Ziel zu kommen“, erläutert Topbas.


Seit 2011 studiert Baran Topbas den Studiengang Politik, Verwaltung und Internationale Beziehungen an der ZU. Zusätzlich zu seinem Major absolviert er einen Minor in Wirtschaftswissenschaften. Neben der interdisziplinären Ausrichtung des Studiums waren vor allem die Studierenden selbst ausschlaggebend für seine Entscheidung an den Bodensee zu kommen. „Der innovative Lehransatz bestehend aus Zeppelin- und Humboldt-Jahr gibt mir die Freiheit, mein Studium mitzugestalten“, erwähnt Topbas. „Darüber hinaus habe ich im Laufe meines Studiums zunehmend ein Interesse für internationale Politik und globale Fragestellungen entwickelt.“


Angetrieben von seinen akademischen Interessen entschied er sich für ein Auslandssemester an der University of St. Andrews. „Von den Studieninhalten hat dieser Aufenthalt sehr gut zu meinem bisherigen Studium gepasst. Mit zwölf Lehrstühlen an der dort ansässigen ,School of International Relations‘ ist die University of St. Andrews eine renommierte Institution für die Disziplin der ,Internationalen Beziehungen‘“, erklärt Topbas. Eine weitere Besonderheit waren die internationalen Kommilitonen: „Drei Sprachen zu sprechen und in mehreren Ländern aufgewachsen zu sein wird plötzlich zum Normalfall“, sagt Topbas, der selbst als Sohn einer türkischstämmigen Einwandererfamilie zweiter Generation inmitten zweier Kulturen aufwuchs.


Die kritische Auseinandersetzung in St. Andrews mit Chinas Aufstieg in der internationalen Politik führte zu seinem Entschluss, ein Auslandssemester an der Peking University einzulegen. „So konnte ich Nischen-Seminare mit regionalem Schwerpunkt belegen und befand mich gleichzeitig am Puls des Geschehens,” erläutert Topbas. Einem Kulturschock konnte er sich jedoch nicht entziehen: „Mein Aufenthalt in China hat mir auch in kultureller Hinsicht die Augen geöffnet. China ist sehr anders, aber das ist auch gut so.“


Die neu gewonnenen Kenntnisse über internationale Politik und Wirtschaft konnte Baran Topbas im Sommer 2014 in der Wirtschaftsabteilung der Deutschen Botschaft in Washington D.C. einbringen. Im Rahmen eines dreimonatigen Praktikums konnte er bei Fragestellungen zur globalen Energie- und Handelspolitik mitwirken. „Das Praktikum ermöglichte es mir auch, an Veranstaltungen renommierter Institutionen wie dem IWF, dem US-Kongress und der Brookings Institution teilzunehmen“, sagt Topbas.
Mit Beginn des Studiums ist Baran Topbas in den Club of International Politics (CIP) eingetreten, um sein politisches Interesse mit dem Engagement in einer studentischen Initiative zu verbinden. Zwei Jahre engagierte er sich für die Veranstaltungsreihe „GlobalTalks“, indem er die Akquise von Politikern und die Organisation der Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen organisierte. „Ich finde es weiterhin beeindruckend, dass hochrangige Politiker wie Peer Steinbrück oder Jürgen Trittin der Einladung des CIP folgen und in einem kleinen Kreis über aktuelle politische Themen referieren und debattieren“, sagt Topbas.


Parallel dazu engagierte er sich für die Bildungsinitiative „Rock Your Life!“. Über einen Zeitraum von zwei Jahren begleitete er einen Jungen mit türkischem Migrationshintergrund, der vor seinem Hauptschulabschluss stand. „Besonders in dieser wichtigen Phase des Lebens ist es von großer Bedeutung, wenn junge Menschen einen Ansprechpartner, aber auch einen Impulsgeber haben, der ein Stück weit die Richtung vorgibt und dabei beratend und unterstützend wirkt“, erklärt Topbas. Für seine akademischen Leistungen und sein gesellschaftspolitisches Engagement wurde er in das Begabtenförderwerk der Friedrich-Ebert-Stiftung aufgenommen und mit dem ,Geh Deinen Weg-Stipendium‘ ausgezeichnet.


Zukünftig stehen für Baran Topbas Fragestellungen wie der Digitale Wandel oder Old vs. New Economy weit oben auf der politischen Agenda. „Mein Ziel ist es, an globalen Herausforderungen wie diesen mitzuarbeiten und die Gesellschaft von morgen mitzugestalten.“