mehr Informationen zu ZU|Daily
 
Auf dieser Seite
Fragen?
Ihre Frage:
 
01.01.2015

Cordelia Tietz

Cordelia Tietz ist durch und durch kulturbegeistert. Sie liebt die vielen Facetten von Literatur und Sprachen, von Musik und Kunst, und sie liebt es, als Schauspielerin auf der Theaterbühne zu stehen und als Regisseurin Theaterstücke zu inszenieren. Zu ihrem besonderen Faible für Kultur passt auch ihre Studienwahl: Aktuell studiert die 22-Jährige an der ZU im sechsten Semester den Bachelor-Studiengang CCM.



Cordelia Tietz stammt aus einer kulturaffinen Familie: Ihr Vater hat jahrelang hobbymäßig Theater gespielt, ihre Mutter ist Deutsch-, Geschichts- und Sozialkundelehrerin. Kein Wunder also, dass Tietz bereits früh auf vielfältige Weise mit Kultur in Berührung kam. „Als ich noch klein war, haben mir meine Eltern regelmäßig Geschichten und Gedichte vorgelesen“, erinnert sie sich zurück. „Das führte dazu, dass ich ab einem gewissen Alter ein Buch nach dem anderen geradezu verschlungen und darüber hinaus eine wahre Leidenschaft für Sprachen entwickelt habe“, erzählt Tietz. Aufgewachsen in einem kleinen Ort nahe Kaufbeuren, war glücklicherweise auch der Weg zum nächstgelegenen Theater nicht weit, so dass sie ihr Vater öfter dorthin mitnahm. „Mich hat von Anfang an die gesamte Atmosphäre im Theater, vor allem aber die Menschen auf der Bühne fasziniert“, erwähnt Tietz.


Erste Schritte auf die Bühne unternahm sie, als sie dem Schulchor beitrat, wo sie aufgrund ihrer tiefen Stimme als Solistin die Altstimme zugesprochen bekam. Parallel dazu wusste sie aber, dass sie auch auf eine andere Art und Weise Bühnenerfahrung sammeln möchte, fühlte sich von der Schauspielbühne angezogen. „Doch anfangs war meine Scheu, auf einer Bühne zu stehen und vor Publikum zu spielen, einfach zu groß“, erzählt Tietz. Erst die noch größere Begeisterung von den Aufführungen der Schultheatergruppe führte dazu, dass sie sich entschied, sich dort in einem Casting zu bewerben. „Es war ein schrecklich peinlicher Moment. Ich stand auf der Bühne, wusste aber nicht, was ich mit meinen Gliedmaßen anstellen soll“, blickt Tietz zurück. Sie wurde abgelehnt, wirkte zunächst als Maskenbildnerin und Visagistin hinter den Kulissen. Doch Cordelia Tietz gab nicht auf. Sie ging ein weiteres Mal zum Casting, und diesmal klappte es: Sie bekam die weibliche Hauptrolle der Helena beim Stück „Der Trojanische Krieg findet nicht statt“. Dies war der Anfang von mehreren Theaterstücken, in denen sie als Schauspielerin mitwirkte.


Bei all dem verlor sie nie ihr Faible für Literatur und Sprachen aus dem Blick. So lernte sie ab der fünften Klasse Latein, um damit den Grundstock für romanische Sprachen wie Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch zu legen. „Was mich an Sprachen fasziniert, ist deren Dynamik, Logik und Grammatik sowie deren praktische Anwendbarkeit“, begründet Tietz. Ihre Leidenschaft für Schauspielerei einerseits und Literatur und Sprachen andererseits zu kombinieren, erlaubte ihr ein anderes Terrain: die Theaterregie. Mit 18 Jahren führte sie erstmals beim „Trinationalen Comenius-Theaterprojekt“ Mitregie, ein von der EU gefördertes Projekt. Genauso wie bei der Schauspielerei, so folgten auch im Bereich der Regie in regelmäßigen Abständen weitere Projekte.


Beruflich hingegen ging es nach dem Abitur zunächst darum, die richtige Studienwahl zu treffen. Zwar stand die Überlegung im Raum, ein literatur- und sprachwissenschaftliches Studium aufzunehmen. Da sie sich aber nicht auf einen Studiengang festlegen wollte, nahm sie ein sogenanntes „Studium Generale“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München auf, eine einsemestrige Orientierungsphase für noch Unentschlossene. Ein Semester lang belegte Cordelia Tietz jeweils einen Kurs eines Studiengangs ihrer Wahl: ob Russisch, Italienisch, Französisch, Portugiesisch oder Philosophie. Anschließend legte sie sich fest, entschied sich für ein Studium der Romanistik mit Nebenfach Kommunikationswissenschaften. Doch nach einem Jahr Studium in München folgte der Abbruch: „Wegen meiner Schüchternheit hatte ich bis zuletzt Probleme, mir meine Freunde zu suchen, fühlte mich daher oft isoliert. Zusätzlich stellte sich heraus, dass das Studium nicht das Richtige für mich ist.“


Zwischenzeitlich versuchte sie einen anderen Weg einzuschlagen und bewarb sich an der Otto Falckenberg Schule, einer der renommiertesten Schauspielschulen in Deutschland. Dabei schaffte sie es unter die letzten 30 Bewerber – immerhin waren mehr als 1.000 Bewerbungen eingegangen. Pro Jahr werden auch nur zwölf Kandidaten angenommen, sie gehörte nicht dazu. „Danach war ich ziemlich fertig, regelrecht am Boden zerstört“, berichtet Tietz. „Rückblickend betrachtet, bin ich auch ein wenig stolz darauf, im ersten Anlauf so weit gekommen zu sein.“


Doch anstatt den Kopf hängen zu lassen, rappelte sie sich wieder auf. Nur eines war klar: Der weitere Weg musste in eine andere Stadt und an eine andere Universität führen. Da erzählte ihr ein guter Freund von der ZU. „Als ich mir dann im Internet den Studiengang CCM näher anschaute, war ich sofort Feuer und Flamme. Besonders die Möglichkeit, ein Modul mit dem Titel ,Kuratieren & Inszenieren‘ zu belegen, hat mich begeistert“, berichtet Tietz. Sie bewarb sich, wurde angenommen und begann ihr Studium an der ZU. Und sie ist immer noch froh, dass sie diesen Schritt gegangen ist: „Die kleinen Semester- und Seminargrößen und die familiäre Atmosphäre entsprechen meiner Persönlichkeit vielmehr.“


Das liegt auch daran, dass ihr neben dem Studium an der ZU immer die Zeit für die Realisierung von Theaterprojekten bleibt. „Dabei ist es nur von Vorteil, dass mit Martin Valdés-Stauber und Benjamin Sandler zwei ehemalige Schulkameraden und Mitglieder der Schultheatergruppe an der ZU studieren“, erläutert Tietz. „So ließen sich bisher Theaterprojekte leichter vorbereiten und umsetzen.“ Dies führte auch dazu, dass sie erstmals allein die Regie für ein Stück übernahm: Im Frühjahrssemester 2014 inszenierte sie für die Bühne den Klassiker „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett. „Zum einen ist die Regiearbeit unfassbar anstrengend, denn jeder Schauspieler hat seine eigene Herangehensweise an ein Theaterstück und seine Rolle, hat mal gute, mal schlechte Laune oder tausend andere Verpflichtungen“, beschreibt Tietz. „Zum anderen ist die Tätigkeit des Regisseurs unglaublich herausfordernd, denn es geht darum, einen Text neu zu interpretieren und auf die Bühne zu übertragen, sich Gedanken zu machen über die Musik, das Bühnenbild und die Emotionen, die man beim Publikum entstehen lassen möchte.“ Doch die Arbeit hat sich gelohnt: Das Stück wurde sowohl im Stadttheater Kaufbeuren als auch im Casino Kulturhaus in Friedrichshafen aufgeführt, und beim Publikum war die Resonanz durchweg positiv.


„Darüber hinaus bemühe ich mich, so viel wie möglich selbst Theater zu spielen“, sagt Tietz. Dabei eignet sie sich in Friedrichshafen derweil eine neue Form der Schauspielerei an, weg vom klassischen Sprechtheater hin zum Improvisationstheater. Dies ermöglicht ihr eine Theatergruppe an der ZU. „Improvisieren bedeutet für mich, eine ganz andere Körperlichkeit zu entwickeln – im Gegensatz zu der relativ festgelegten Körperlichkeit, die man nach der Arbeit an einer Rolle hat. Dabei fallen mir weiterhin Techniken wie auf einzelne Personen im Publikum zuzugehen und diese direkt anzusprechen ungemein schwer. Aber Improvisationstheater ist etwas, was ich unbedingt erlernen möchte“, sagt Tietz. „Darüber hinaus ist es sehr angenehm, konträr zum Studienalltag Kommilitonen in einem Theaterkontext kennenzulernen, der entfesselt und weniger auf Konkurrenz denn vielmehr auf körperliches, intuitives Verständnis achtet.“


Um weitere Erfahrungen in der Theaterbranche zu sammeln, absolvierte Cordelia Tietz im Sommer 2014 zwei mehrwöchige Regiehospitanzen, zunächst im Stadttheater Konstanz und dann im Musiktheater Ulm. Auch während ihres im Januar beginnenden Auslandssemesters in Avignon möchte sie sich gerne kulturell weiterbilden, sie hofft, dass sie auf dem bekannten Festival d´Avignon arbeiten kann. Das wäre dann ein weiteres Puzzleteil auf dem Weg zu ihrem angestrebten Berufsziel: die Arbeit am Theater. „Ich überlege, ob ich mich nach dem Bachelorstudium ein weiteres Mal an einer Schauspiel- oder Theaterschule bewerben soll“, verrät Tietz. „Aber selbst wenn das nicht klappen sollte, so habe ich dann immerhin eine fundierte Ausbildung im Kultur- und Medienbereich in der Hinterhand.“