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01.12.2020

Miray Salman

Miray Salman leistet sowohl wissenschaftliche als auch praktische Pionierarbeit. Während die vierte industrielle Revolution die Arbeitswelt umkrempelt, möchte sie Frauen dazu ermuntern und ermutigen, diesen Wandel mitzugestalten. Als Forscherin hat sie untersucht, wie Unternehmen ein Klima schaffen können, in dem Frauen ihre Digitalkompetenzen erweitern und einbringen können. Als Global Shaper des World Economic Forum (WEF) arbeitet sie an einer Plattform mit, auf der sich Frauen digital weiterbilden, aber auch untereinander austauschen und vernetzen können.



Miray Salman hat viele Vorbilder in ihrem Umfeld. Zu diesen gehört nicht zuletzt ihr Vater, der als Mitbegründer des Ethno-Medizinischen Zentrums e.V. und als Sozialunternehmer des Jahres die Gesundheitschancen von Zuwanderern in Europa verbessert. „Meine Eltern motivieren mich seit jeher, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen und stets auf meinen moralischen Kompass zu vertrauen“, bemerkt Salman. Als Schulsprecherin lernte sie, ihren Standpunkt zu vertreten und sich durchzusetzen. Dabei kam ihr zupass, dass sie gut darin war, Reden zu schreiben und zu halten. So konnte sie frühzeitig das eigene Umfeld mitgestalten, sich für die Interessen anderer einsetzen und zwischen gegensätzlichen Ansichten den Mittelweg moderieren.


Ihre Verantwortungsbereitschaft ist verbunden mit ihrer konstruktiven Neugier verstehen zu lernen, wie Institutionen, Systeme und Strukturen um sie herum funktionieren. So hat sie während ihrer Schulzeit Erfahrungen in der Kulturwelt gesammelt: zum einen als Moderatorin und Produzentin einer Radiosendung beim Bürgerradio LeineHertz; zum anderen stand sie als Schauspielerin vom Jungen Schauspiel Hannover auf der staatlichen Theaterbühne. Einen politischen Blick auf Themen wie Entwicklungszusammenarbeit oder Geschlechtergleichheit dagegen erhielt sie bei Praktika im Europäischen Parlament und beim American Jewish Committee.


Mit dem Anspruch, nicht nur die Welt zu verstehen, sondern auch zu lernen, wie man sie mitgestalten und verändern kann, bewarb sich Miray Salman für den CME-Bachelor an der ZU – auch weil sie hier ein gestaltungsfreudiges und praxisorientiertes Zusammenwirken von Studierenden, Dozierenden und Unternehmen erkannte. „Mit der Zeit ist mir immer klarer geworden, wie spannend wirtschaftliche Zusammenhänge sind und wie bedeutend die Rolle der Wirtschaft für den weltweiten sozialen Zusammenhalt ist“, erklärt Salman. „Die ZU war genau das richtige Umfeld für mich, denn hier konnte ich mit hartnäckigem Nach- und Hinterfragen offene Türen einrennen.“


Teils durch Zufall, teils durch Gespür begegneten ihr im Studium Themen, die bislang bei ihr im Verborgenen schlummerten. Zwar hatte sie sich bereits mit kulturellen Unterschieden und mit der Gleichheit der Geschlechter auseinandergesetzt, doch es war mehr ein Kratzen an der Oberfläche. Als sie sich um ein Stipendium der Deutschlandstiftung Integration bemühte, änderte sich das: „Ich wurde gefragt, wie mein Migrationshintergrund mich beeinflusst hat, was wiederum dazu geführt hat, dass ich erstmals realisierte, inwieweit ich kulturell und als Frau geprägt bin.“


Das Thema Digitalisierung ist für sie als Frau von besonderer Wichtigkeit: „Frauen waren und sind in Technologie bezogenen Themen in Bereichen wie Wirtschaft, Kultur, politische Teilhabe, Medizin oder Gesundheit stark unterrepräsentiert. Daher ist es wichtig, dieses Stigma um Technologien zu brechen.“ Deshalb ging sie als freiwillige Helferin zu einer Tagung des Nonprofit Management Institute an der Stanford University, um aus erster Quelle zu erfahren, wie Führungskräftenetzwerke den sozialen Wandel im Rahmen der Digitalisierungsprozesse vorantreiben. Ihr wissbegieriges Wesen fiel auch in Palo Alto auf – und so kam es zu Einladungen zum Familienessen beim Anwalt von Mark Zuckerberg und zum Facebook Headquarter im Menlo Park. „Diese Begegnungen führten mir die Bedeutung der digitalen Transformation für alle Lebensbereiche vor Augen“, berichtet Salman.


Spätestens dort setzte sich auch eine andere Vorstellung über ihr CME-Studium durch, nämlich „dass das alleinige Jonglieren mit Zahlen und Formeln nicht ausreicht, um mein Wissen über die Welt zu erweitern oder meine persönliche Entwicklung voranzubringen. Ich wollte mich tiefergehend mit Technologien und Theorien beschäftigen und meiner Kreativität mehr Raum geben.“ Einen Schritt auf diesem Weg machte sie in einem dreimonatigen Praktikum bei Skoda. „Dort habe ich Mobilitäts-, Digitalisierungs- sowie Infrastrukturkonzepte für bestimmte Regionen auf dem indischen Markt mitentwickelt und dabei neben Zahlenwerten auch sozio-ökonomische Faktoren analysiert“, berichtet Salman. Wie digitale Prozesse in einer Organisation angestoßen und umgesetzt werden, erlebte sie in einem Praktikum bei der Deutsch-Amerikanischen Fulbright-Kommission, die jedes Jahr etwa 700 Stipendien für Studien-, Forschungs-, Lehr- und Weiterbildungsaufenthalte in den USA und Deutschland vergibt. „Dort habe ich redaktionell wie technisch an einem elektronischen Speicher- und Verwaltungssystem gearbeitet“, erklärt Salman.


Noch während ihres CME-Studiums wechselte Miray Salman in den CCM-Bachelor. Ihr eröffneten sich dadurch neue Perspektiven, die ihrem Forschungsinteresse zwischen Digitalisierung und Gesellschaft zugutekamen – damit sollte sie schließlich wissenschaftliches Neuland betreten. Eines Tages stieß sie auf das Buch zur vierten industriellen Revolution von Klaus Schwab. Der WEF-Gründer beschreibt darin, wie neue Technologien die Arbeitswelt verändern. Besonders inspirierend war für sie Schwabs Aufforderung, dass sich jeder selbst Gedanken darüber machen sollte, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die eigenen Interessen und Wirkungsbereiche haben würde.


Infolgedessen ging es für Miray Salman ein halbes Jahr zur AUDI AG, wo sie von der fortgeschrittenen Digitalisierungsexpertise lernen konnte und sich an der Konzeption für Digitale Innovation im Unternehmen beteiligte. „Nach diesen tiefgreifenden Erfahrungen in der Praxis war mir klar, dass das Mitwirken an Digitalisierungsprozessen in Unternehmen mir viele Lern- und Handlungsmöglichkeiten bietet und sich wissenschaftliche Erkenntnisse in dieser Umgebung leichter und ungehemmter umsetzen lassen“, bemerkt Salman. Aus diesen Erfahrungen entstand ihre Forschungsfrage: Wie beeinflusst die vierte industrielle Revolution die Geschlechtergleichheit? Bei der Recherche sowie dem Austausch mit Fachleuten erfuhr sie, dass sie ein kaum erforschtes Feld bearbeitet. Und doch stürzte sie sich ins Unbekannte – „was herausfordernd, aber auch befreiend war“.


In ihrer Humboldt-Arbeit hat sie erforscht, welche Faktoren technologiebezogene Karriere- oder Bildungsentscheidungen von jungen Studentinnen beeinflussen, und leitete daraus Empfehlungen für Unternehmen ab – insbesondere, wie sie den Pool an Talenten mit Digitalkompetenzen diverser gestalten und erweitern können. Für ihre Forschung wurde Miray Salman mit dem Gips Schüle Student Research Award ausgezeichnet. Die Unternehmensebene war dann Gegenstand ihrer Bachelorarbeit. Darin hat sie untersucht, inwiefern es in Unternehmen KI-Governancestrukturen gibt und wie diese realisiert werden. „Oftmals ist es so, dass Unternehmen die ökonomischen Vorteile getrennt von den ethischen Grundsätzen betrachten, wenn es um neue Technologien geht – doch nurbeides zusammengesehen garantiert nachhaltigen Erfolg“, ergänzt Salman.


Miray Salman möchte nicht nur wissenschaftlich arbeiten, sondern Theorie und Praxis vereinen. Daher initiiert sie als eine von mehr als 6.000 Global Shapers des WEF – einem weltweiten Netzwerk junger Menschen, die mit sozialen, kulturellen oder politischen Projekten in ihren Heimatorten etwas bewegen – zusammen mit ihren Co-Shapers ein Projekt zur Förderung von Digitalkompetenzen bei Frauen. Sie betont: „Wir wollen eine nachhaltige Plattform schaffen, auf der sich Frauen digital weiterbilden, aber auch untereinander austauschen und vernetzen können.“ Ihre eigenen Digitalkompetenzen und ihre Programmierkenntnisse hat sie übrigens bei der studentischen Initiative CodeCats weitergebildet. Diese kommen ihr bei ihrer aktuellen Arbeit an einem Projekt für die Stadt München zugute, wo sie eine E-Learning-Plattform zur Gesundheitskompetenz entwickelt.


Miray Salman plant ihre bisherigen Erfahrungen in naher Zukunft in ein Master- und Promotionsprogramm zwischen Wirtschaft, Technologie und Governance im englischsprachigen Ausland einzubringen.