mehr Informationen zu ZU|Daily
 
Auf dieser Seite
Fragen?
Ihre Frage:
 
01.07.2018

Deniz Parin

Deniz Parin ist ein Kämpfer. Viele Jahre hatte er zwar noch mehr mit seinen Umständen zu kämpfen, doch spätestens während seines Bachelorstudiums in Immobilienmanagement an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden taute er richtig auf. Dort schloss er das Studium nicht nur als einer der Jahrgangsbesten ab, sondern gründete in dieser Lebensphase seine ersten erfolgreichen Start-ups. Aktuell studiert der 27-Jährige an der ZU den GEMA-Masterstudiengang, parallel dazu arbeitet er weiter an seinen Gründungen. Dabei ist es ihm wichtig, sein Wissen und seine Erfahrungen mit anderen zu teilen, aber auch von seinen Mitmenschen zu lernen – möglicherweise ja auch, um seinen hochgesteckten Zielen ein bisschen näherzukommen.



Ohne Vater und in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, musste sich die kurdischstämmige Familie um Deniz Parin durch den Alltag in Neunkirchen bei Siegen kämpfen. „Besonders für meine Mutter war es eine harte Zeit, weil sie von einem auf den anderen Tag ihre fünf Kinder alleine versorgen musste, und das in einem Land, dessen Sprache sie nicht beherrschte“, erzählt Parin. „Das war eine sehr prägende Zeit für mich, denn ich musste früh lernen, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen.“ So erlernten Deniz Parin und seine Geschwister die deutsche Sprache vor allem im Umgang mit Menschen aus dem näheren Umfeld und so richtig erst ab der Kindergartenzeit.


Auf der Grundschule mehr Klassenclown als aufmerksamer Schüler, erhielt er nach der vierten Klasse eine Sonderschulempfehlung. Davon alarmiert, nahm ihn seine in Erlangen lebende und als Sozialpädagogin arbeitende Schwester zwei Jahre lang unter ihre Fittiche – und sie sorgte dafür, dass ihr kleiner Bruder auf eine Realschule kam. „In dieser Zeit habe ich erstmals erfahren, was es heißt, für den Schulunterricht zu lernen“, bemerkt Parin. Und siehe da: Mit verbesserten schulischen Leistungen im Gepäck kehrte er in seine Heimatstadt zurück – doch nicht nur das: Kurz nach der Ankunft waren auch die alten Gewohnheiten und Muster zurückgekehrt. Er bewegte sich mehr im Kreise seiner Jungs als auf der Schule, die Konsequenz: Erst mit 18 Jahren machte er die mittlere Reife, sodass ihm ein höherer Abschluss auf dem ersten Bildungsweg verwehrt blieb. „Es soll nicht wie eine Ausrede klingen, aber zu der Zeit habe ich neben der Schule und dem Freundeskreis ungemein viel gearbeitet, um meiner Familie finanziell unter die Arme zu greifen“, erklärt Parin.


So kam es, dass Deniz Parin nach dem Realschulabschluss die allgemeine Fachhochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg erwarb, „ein Bildungsgrad, der mir völlig gereicht hat.“ Ohne jegliche Perspektive, umso mehr Arbeit: So gestaltete sich der Alltag bis zu dem Zeitpunkt, als er seine Freundin kennenlernte, „eine Begegnung, die vieles veränderte, und eine Frau, der ich einiges zu verdanken habe“, sagt Parin. „Meine Freundin und mein Bruder waren es, die mein Potential entdeckten und mir Wege aus meinem Dilemma zeigten.“ „Dennoch fiel mir die Entscheidung für einen zu mir passenden Studiengang unglaublich schwer.“


Zufällig begegnete Parin auf einer Verlobungsfeier einem Immobilienmogul, „der mir bescheinigte, dass ich ein Salesman bin und die Immobilienbranche genau das richtige Pflaster für mich ist.“ Gemeinsam mit seiner Freundin und seinem Bruder schaute er sich nach einem entsprechenden Studiengang um: Immobilienmanagement an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden sollte es sein. Deniz Parin packte seine sieben Sachen und machte sich in einer Nacht- und Nebelaktion auf den Weg nach Wiesbaden. Erste Nächte noch im Freien verbracht, lernte er zum Glück schnell einen Kommilitonen kennen, bei dem er einziehen konnte. „Zudem habe ich erstmals davon erfahren, dass es eine staatliche Förderung namens BAföG gibt“, ergänzt Parin. „Kurze Zeit später hatte ich dann auch schon eine Studentenbude – und dann habe ich angefangen, richtig zu studieren.“


Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Als Trotzreaktion auf die für ihn ungewohnte Ellenbogenmentalität und vor allem, weil er sich und seinem sozialen Umfeld etwas beweisen wollte, zog er das Studium voll durch. Deniz Parin kämpfte sich durch Disziplinen wie Architektur, Bauingenieurwesen, BWL und Recht und durch den Studienalltag. Und das mit beträchtlichem Erfolg: Nur wenige Wochen nach Studienbeginn arbeitete er bereits als Tutor, zudem saß er mehrere Jahre in Hochschulgremien, um die studentischen Interessen durchzusetzen. Unzählige arbeits- und lernintensive Tage und Nächte später zahlten sich die Mühen aus: Deniz Parin schloss sein Bachelorstudium in Immobilienmanagement als einer der Jahrgangsbesten ab. „Und plötzlich war ich nicht mehr der Faule, sondern der Streber“, betont Parin. „Überhaupt habe ich mich in der Zeit in Wiesbaden komplett neu erfunden und mein Potential erstmals richtig entfaltet.“


Neben dem Studium war er bei der WISAG Group angestellt und dort im Bereich Gebäudeverwaltung tätig: „Dort habe ich zwar ungemein viel gelernt, aber auch gemerkt, dass das Angestelltenverhältnis nicht zu mir passt.“ Im Studium wiederum ist ihm immer wieder aufgefallen, dass Literatur in der Bibliothek stets vergriffen ist, der eine oder andere Wälzer mal eben so 150 Euro kostet und selbst in den Facebook-Gruppen der Studierenden ein völliges Chaos herrscht. „Da habe ich mich gefragt: Wie wäre es denn, wenn man einen Online-Marktplatz für Studierende entwickelt, auf der genau diese Bedürfnisse gestillt werden?“, bemerkt Parin. „Und so habe ich aus dem Nichts mit ,Studybuy‘ mein erstes Start-up gegründet.“ Anstatt seinen Monatslohn in Nahrung und Miete zu investieren, gab er das Geld für die Gründung aus: „Das dafür nötige Know-how habe ich mir autodidaktisch beigebracht.“ Ein Freund von ihm übernahm die Programmierung, ein weiterer kümmerte sich um die Finanzen und gemeinsam mit seiner Freundin arbeitete Parin an der Strategie und am Marketing.


Dann kam eines zum anderen: Es folgte der Besuch von Start-up-Veranstaltungen, nach einigen Pitches folgte das erste Investment, doch bevor es so richtig losgehen konnte, folgte schon die nächste Geschäftsidee: „Curmundo“, ein ambulanter Pflegedienst in Wiesbaden, der – was die Fahrzeugflotte und die zwischenmenschlichen Beziehungen anbelangt – ganz auf Nachhaltigkeit setzt und inzwischen zum größten Anbieter in der hessischen Landeshauptstadt angewachsen ist. Immer tiefer tauchte Deniz Parin in die Gründerszene ein, baute sich nach und nach ein breites Netzwerk auf und tauschte Wissen und Erfahrungen mit anderen Gründerinnen und Gründer aus.


An ein Masterstudium verschwendete Deniz Parin nicht einen Gedanken, „doch meine Familie belagerte mich mit dem Gedanken, das Studium fortzusetzen, weil Bildung nicht hoch genug einzuschätzen ist.“ Seine Freundin war es dann auch, die ihn auf die ZU und den GEMA-Masterstudiengang aufmerksam machte. „Meine ersten Eindrücke von der Universität zeigten, dass ich an einem Ort angekommen bin, an dem ich mich aufgehoben fühle, weil die Menschen zu mir und ich zu den Menschen passe“, beschreibt Parin. „Besonders beeindruckt bin ich von den vielfältigen Lebensgeschichten und den teils krassen Aktionen, die meine Mitstudierenden gemacht haben – Erfahrungen, von denen ich nur lernen kann.“


Mit dem Studienbeginn an der ZU endete sein Engagement bei Curmundo, das direkt in ein weiteres Start-up reinvestiert wurde: Mit „Immoni“ hat Deniz Parin eine App entwickelt, mit der kleine Privatvermieter ihre Immobilien verwalten können – nach einem ersten Großinvestment steht bald die Gründung und der Markteintritt an. Dabei allein blieb es allerdings nicht: Gemeinsam mit einem Kommilitonen und einem guten Freund betreibt er eine auf Image- und Musikvideos spezialisierte Werbeagentur namens „Cookie Times“. Mit ihrem ersten Musikvideo waren sie so erfolgreich (es war in den Trendcharts und hat bereits mehr als eine Million Klicks bei YouTube gesammelt), sodass sie inzwischen Filme für die Warner Music Group oder Red Bull produzieren. Warum so erfolgreich? „Weil wir spontan, jung, humorvoll und ehrlich sind – nur nicht professionell“, schmunzelt Parin. Trotz all der Erfolge bleibt Deniz Parin bodenständig: „Bei sämtlichen Vorhaben konnte ich immer auf das Verständnis und die Unterstützung meiner Familie und Freunde zählen. Ohne diese ganzen lieben Menschen um mich herum wäre ich nicht so weit gekommen.“


Weil er auch immer etwas zurückgeben möchte, teilt Deniz Parin die mit seinen Start-ups gemachten Erfahrungen mit seinen Kommilitoninnen und Kommilitonen: So hat er sich bei der studentischen Gründerinitiative „Tatendrang“ und im Rahmen der Workshop- und Karrieretage „ZUtaten“ engagiert. Selbstverständlich kann er es sich auch vorstellen, in weiteren studentischen Initiativen aktiv zu sein und an der ZU Gremienarbeit zu leisten, „doch leider fehlt mir aktuell die Zeit, um mich noch mehr einzubringen.“ Nur verständlich, wenn man weiß, dass Deniz Parin neben seinem Studium und seinen Start-ups momentan ein mehrmonatiges Praktikum in der Allianz Global Digital Factory absolviert und dort unter anderem globale digitale Lösungen für Allianz-Gesellschaften entwickelt und begleitet.


Was hat sich Deniz Parin für die Zukunft vorgenommen? „Zunächst einmal möchte ich gemeinsam mit einer Kommilitonin ein Buchprojekt realisieren und als aktiver Gründer anderen Menschen das Gründen näherbringen und ihnen die Angst vorm Gründen nehmen.“ Und er fügt hinzu: „Mein ganz großer Traum ist es, irgendwann einmal eine Stiftung zu gründen, die Menschen fördert, die in der Gesellschaft nicht gesehen werden, aber unglaublich viel Potential und Talent in sich tragen. Überhaupt geht es mir darum, meinen Orbit nachhaltig zu fördern, indem ich Wissen aber auch Möglichkeiten in die Welt verstreue.“