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01.08.2014

Laura Niemann

Kreativ und neugierig, aufgeschlossen und engagiert, selbständig und verantwortungsbewusst: So lässt sich der Charakter der neuen studentischen Vizepräsidentin Laura Niemann beschreiben. Dabei sind es allesamt Eigenschaften, die sie in ihrem Leben stets vorwärts gebracht haben – auch in schwierigen Phasen. Und die der 26-jährigen Studierenden des Master-Studiengangs CCM sicherlich weiterhelfen, als hauptamtliches, vollwertiges Mitglied des Präsidiums die studentischen Interessen zu vertreten.



Um zu verstehen, warum sich Laura Niemann so entwickelt hat, wie sie heute ist, lohnt sich ein Blick in ihre Kindheit. „Meine Geschwister und ich sind zur Selbständigkeit erzogen worden. So konnten wir uns frei entfalten“, erläutert sie. Dem kam zugute, dass in der Familie eine starke kreative Ader vorhanden war. „Beispielsweise hat meine Schwester bereits in ihrer Kindheit mit dem Zeichnen angefangen und ihr Talent ausgelebt. Heute ist sie als selbständige Schnittdirektrice in der Modebranche tätig“, erzählt Niemann. Ihr eigener Wunsch, selbst kreativ zu wirken, hat sich erst spät entwickelt, zu einer Zeit, als sie im Alter von 16 Jahren mit der Austauschorganisation Youth For Understanding (YFU) ein Auslandsschuljahr auf der Colony High School Wasilla in Alaska verbrachte. „Dort hatte ich eine wunderbare Kunstlehrerin, die mich ungemein gefördert und davon überzeugt hat, mein Talent auch zu nutzen“, berichtet Niemann.


Und auch sonst hat sie von dem Auslandsschuljahr nur profitiert: „Ich wollte in die Ferne, um aus dem Gewohnten auszubrechen, neue Menschen kennenzulernen und mich in einer anderen Umgebung zu erleben. Doch vor allem, um noch unbekannte Seiten an mir selbst zu entdecken“, sagt Niemann. „So habe ich nicht nur meine künstlerischen Interessen verfolgt, sondern auch erfolgreich im Schwimmteam meiner High School an Wettkämpfen teilgenommen. Ich musste mich allein in einem fremden Land zurechtfinden und habe dadurch gelernt, auch schwierige Hürden zu überwinden. Alles in allem hat mir das Auslandsschuljahr persönlich sehr viel gebracht.“


Unmittelbar nach der Rückkehr aus den USA hat sie damit begonnen, sich für YFU zu engagieren. „Das Prinzip, sich ehrenamtlich für Völkerverständigung und den internationalen Jugendaustausch einzusetzen, hat mich begeistert. Nach einigen Fortbildungen habe ich in der Auswahlkommission gesessen und als Teamer bei Vorbereitungsseminaren mitgewirkt“, beschreibt Niemann. Dabei hat sie einen so guten Eindruck hinterlassen, dass sie schnell eigene Seminare leitete sowie konzipierte. „Das war zwar mit einem immensen Arbeits-, Zeit- und Koordinationsaufwand verbunden, doch die Freude und der Spaß bei der Arbeit haben das ausgeglichen“, sagt Niemann. „Darüber hinaus stellt jedes Seminar einen immer wieder vor neue Herausforderungen. Doch wenn man diese dann gemeinsam gelöst hat, ist das ein unglaublich erfüllendes Gefühl.“ Seitdem ist ihr bewusst, dass man mit der richtigen Einstellung, einem guten Gespür für seine Mitmenschen und Motivation alles meistern kann, egal was passiert.


Um ihre Kreativität weiter auszuleben, entschied sich Niemann in der Oberstufe sogleich für den Leistungskurs Kunst, und nach dem Abitur wollte sie unbedingt Grafik- und Kommunikationsdesign studieren. Sie bestand die künstlerische Eignungsprüfung an der FH Bielefeld University of Applied Sciences und nahm wenig später das Studium in Gestaltung mit Schwerpunkt Grafik und Kommunikation auf.


„Bis zur Mitte des dritten Semesters lief alles nach Plan, ich hatte zahlreiche Kurse besucht und bestanden, sodass ich meinen Abschluss auch nach fünf Semestern geschafft hätte“, erzählt Niemann. Doch dann hatte sie einen schweren Unfall beim Snowboarden. „Dabei habe ich mir mein Ellenbogengelenk zertrümmert. Des Weiteren kam es zu Komplikationen, aufgrund derer die einzelnen Knochensplitter nicht wieder zusammengewachsen sind und die Versorgung des Armes zeitweise unterbrochen war“, berichtet Niemann. Knapp drei Monate war sie komplett raus aus dem Studium und auch die nachfolgenden Operationen und Rehabilitationsphasen haben den weiteren Studienverlauf beeinträchtigt.


Hinzu kam, dass Laura Niemann kurz vor dem Unfall zur Studiendekanin gewählt wurde, vor allem, weil sie zuvor eine aktive, studentische Rolle in der Hochschulpolitik einnahm. „Weil für mich dieses Amt ungemein wichtig war, habe ich keine Krankheitssemester eingelegt. Im Nachhinein betrachtet war das ein Fehler. Denn der Arm hat mir energietechnisch so viel Kraft geraubt, dass ich in das Amt mehr Zeit investiert habe als in mein Studium“, gesteht Niemann ein. So stand sie nahezu anderthalb Jahre nur mit einem halben Fuß im Studium.


Als Studiendekanin war Niemann Teil des Dekanats am Fachbereich Gestaltung und nahm regelmäßig an Sitzungen des Fachbereichrats teil: „Dabei ging es in erster Linie darum, den Kontakt zwischen der Studierendenschaft und der Fachbereichsleitung produktiv zu gestalten. Ferner wurde diskutiert, wie der Fachbereich zukünftig ausgerichtet, wie das Budget verteilt und wie das Bewerberverfahren verbessert wird“, erzählt sie. „Dabei habe ich stets neue Ideen in vorhandene Strukturen eingebracht, um Prozesse für Studierende zu optimieren.“ Und sie hat ihr Amt derart verantwortungsbewusst ausgeübt, dass sie wiedergewählt wurde.


Zusätzlich hat Niemann während des Studiums jede sich bietende Möglichkeit wahrgenommen, sich bei YFU zu engagieren. Dabei war sie mit so viel Elan bei der Sache, dass sie zur Landesvertreterin der Landesgruppe Hamburg und anschließend zur Landesgruppen-Vorstandssprecherin eines sechsköpfigen Leitungsteams gewählt wurde. „Ich habe zeitweise mehr für YFU als für mein Studium getan. Und ich habe nach und nach festgestellt, dass ich meine Zukunft nicht in der Designerbranche, sondern vielmehr im Kultur- und Projektmanagement sehe“, räumt Niemann ein. „Daher habe ich mich letztlich für ein Master-Studium in einem anderen Bereich entschieden.“


Bei ihren Recherchen ist sie dann auf die ZU gestoßen. „Mich hat vor allem begeistert, dass die ZU so aufgeschlossen gegenüber anderen Bachelor-Abschlüssen ist und die Kunst als wichtiger Aspekt im Studienkonzept mit bedacht wird“, sagt Niemann. „Das merke ich nun auch im Studium. Hier sitzen Produktdesigner im PAIR- oder ausgebildete Musiker im CCM-Studiengang. Das kann zwar dazu führen, dass die Diskussionen extrem anstrengend, dafür aber auch unheimlich bereichernd sein können.“


Kaum das Master-Studium in CCM an der ZU aufgenommen, verspürte sie den Drang, die ZU von innen kennenzulernen. „Als ich dann davon erfuhr, dass der Bewerbungsprozess für das Amt der studentischen Vizepräsidentschaft begonnen hatte, war meine Neugierde geweckt und ich wusste sofort, dass ich diese Chance nutzen muss“, sagt Niemann. „Denn ich habe bereits als Kohortensprecherin die Erfahrung gemacht, dass die studentische Meinung ernstgenommen wird und Kritikpunkte zu tatsächlichen Veränderungen führen.“


Sie reichte ihre Bewerbung ein und wenig später war es dann soweit: Laura Niemann wurde nach einem gestaffelten Auswahlverfahren zur studentischen Vizepräsidentin berufen. Bevor sie jedoch ihr Amt selbständig antreten konnte, stand ein gemeinsamer Monat mit ihrer Vorgängerin Michelle Mallwitz an. „Ich bin äußerst dankbar, dass sie mich so gründlich in die Themen eingewiesen und mir ungemein viel an Organisationswissen vermittelt hat“, erläutert Niemann. Seit dem 1. Juli ist sie auf sich allein gestellt und verantwortlich für ein breites Aufgabenspektrum: „Derzeit bin ich dabei, die Planung der am 31. August beginnenden Einführungswoche zu koordinieren. Darüber hinaus befasse ich mich beispielsweise mit der Angebotserweiterung der psychologischen Beratungsstelle und mit Projekten zur weiteren Hochschulöffnung der ZU als Universität der Diversität“, beschreibt Niemann ihre anstehenden Aufgaben.


Was fasziniert sie so am Amt der studentischen Vizepräsidentin? „Zum einen ist es der hohe Verantwortungs- und Wirkungsgrad. Ich entscheide als hauptamtliches, vollwertiges Mitglied des Präsidiums über Punkte, welche die gesamte Universität betreffen. Zum anderen muss ich unglaublich facettenreiche Rollen ausfüllen: Während ich in einem Gremium die Perspektive der Studierendenschaft mitdenken muss, muss ich in einem anderen die Sichtweise der Universitätsleitung einnehmen. Doch das macht den spannenden Lerneffekt dieses Amtes aus“, sagt Niemann.


Die einzige Tätigkeit, der sie parallel zum Amt der studentischen Vizepräsidentin nachgehen möchte, hat mit ihrem ehrenamtlichen Engagement für YFU zu tun: Ab September betreut Laura Niemann eine 16-jährige Gastschülerin aus Estland, die für ein Jahr in einer Friedrichshafener Gastfamilie leben wird. Das für Laura Niemann soziales Engagement einen hohen Stellenwert einnimmt, ist auch an ihrem Berufswunsch erkennbar: „Ich bin ein Mensch, der sich viel im sozialen Bereich engagiert und der auch künftig das soziale Gefüge beeinflussen und Verantwortung übernehmen möchte. Daher kann ich mir vorstellen, im Stiftungswesen oder einer ähnlichen Organisation zu wirken und Dinge zu bewegen!“