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01.10.2018

Farnaz Nasiriamini

Farnaz Nasiriamini ist bekannt für ihre kritischen Texte: Dafür hat die freie Journalistin und Autorin bereits einige Preise und Auszeichnungen abgeräumt. Darüber hinaus hat sich die SPE-Studentin in ihrem Bachelorstudium auf den Bereich der Politischen Kommunikation spezialisiert. Bei alledem kommt aber ihr gesellschaftliches Engagement nicht zu kurz: Sie bringt sich in den Hochschulinitiativen ein; sei es im Juso-Hochschulgruppenvorstand oder bei „Rock Your Life!“. Als Koordinierungstalent studiert sie außerdem neben dem ZU-Studium parallel Jura an der Universität Konstanz und steht jetzt kurz vor dem Abschluss der juristischen Zwischenprüfung und der Abgabe ihrer Bachelorarbeit.



Als Drilling und in der iranischen Hauptstadt Teheran erblickte Farnaz Nasiriamini das Licht der Welt. Doch aufgrund verschiedener Umstände verließ sie mit ihrer Familie einige Jahre später den Iran in Richtung Deutschland, genauer gesagt in die Stadt Butzbach im Herzen Hessens – da war Farnaz Nasiriamini gerade einmal 6 Jahre alt. Kaum untergebracht in einem Asylbewerberheim, erfolgte auch schon ihre Einschulung auf eine Grundschule. „Als Kind ist es mir glücklicherweise nicht schwergefallen, die deutsche Sprache zu erlernen“, bemerkt Nasiriamini. Dass es ihr einfach fiel, lag allerdings auch an ihrer Offenheit gegenüber ihren Mitmenschen und ihrem ausgeprägten Interesse an Literatur. So verbrachte sie viel Zeit in der Schulbibliothek und verschlang ein Buch nach dem anderen. „Während andere Kinder mit Fernsehverbot bestraft wurden, bekam ich zu Hause Leseverbot“, scherzt Nasiriamini.


Mit dem Interesse an Literatur kam auch die Leidenschaft fürs Schreiben. „Von Anfang an hat mir das Schreiben die Möglichkeit gegeben, mich selbst zu sortieren und meine Alltagserfahrungen zu reflektieren“, erläutert Nasiriamini. Schon früh engagierte sie sich als Redakteurin für die Schülerzeitung, später arbeitete sie als freie Mitarbeiterin bei der regionalen Tageszeitung und bis heute für überregionale Zeitungen; schon früh nahm sie an schulischen Literaturwettbewerben teil, später sollte sie mehrfach mit dem OVAG-Jugend-Literaturpreis und dem Nachwuchs-Autorenpreis des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen ausgezeichnet werden. Darüber hinaus organisierte sie als Vorstandsmitglied der Jugendpresse Hessen den Hessischen Schülerzeitungswettbewerb sowie Workshops und Projekte für junge hessische Medienmacher. „Nach und nach habe ich meine Liebe zu literarischen Texten entdeckt“, erzählt Nasiriamini. „Denn damit lassen sich gesellschaftskritische Töne und Botschaften deutlich wirksamer transportieren als mit rein journalistischen Arbeiten.“


Zehn Jahre lang lebte Farnaz Nasiriamini mit ihrer Familie in einem Asylbewerberheim, musste hautnah erleben, wie kompliziert Aufnahmeverfahren sein können und wie andere Kinder in ihren Bildungschancen benachteiligt werden. Zwar hatte das Lehrpersonal der Grundschule auch Farnaz Nasiriamini die Empfehlung fürs Gymnasium verwehrt, doch mit der vollen Unterstützung ihrer Familie im Rücken wagte sie den Schritt und schaffte den Sprung von einer Klasse zur nächsten bis hin zum erfolgreich bestandenen Abitur. „Ich habe mit der Zeit gelernt, dass ich mich mit viel Fleiß entgegen äußerer Umstände durchsetzen und meine Träume verwirklichen kann“, bemerkt Nasiriamini. Diese Erfahrungen wollte sie aber nicht nur in ihren Texten verarbeiten, sondern auch im realen Leben und in Gemeinschaften aktiv angehen.


Politisch aktiv war sie als Schülersprecherin in der Schülervertretung, und weil ihr das Thema Soziale Gerechtigkeit besonders am Herzen liegt, wirkte sie im Kreisvorstand der Jusos Wetterau und im Vorstand der SPD Butzbach mit. Sozial engagierte sie sich in der ortsansässigen Evangelischen Stadtmission und für geflüchtete Menschen, wobei ihre guten Sprachkenntnisse in Farsi zum Tragen kamen. An ihrer Schule übernahm sie die Koordinierung eines Afrikaprojekts, bei dem togoische Schüler durch Patenschaften und Stipendien unterstützt werden. Als Folge dessen betrieb sie als ONE-Jugendbotschafterin Kampagnenarbeit gegen extreme Armut und erstellte als Teilnehmerin einer Jugendkonsultation des Deutschen Instituts für Menschenrechte einen entwicklungspolitischen Aktionsplan zur Umsetzung von Kinder- und Jugendrechten. „Während meines politischen und sozialen Engagements wiederum sind mir viele Themen begegnet, die dann in meine literarischen Texte eingeflossen sind“, ergänzt Nasiriamini.


Diese besondere Leistungsbereitschaft wurde und wird gewürdigt und gefördert: So erhielt Farnaz Nasiriamini gleich zu Beginn ihrer Oberstufenzeit das Deutsche Schülerstipendium der Roland Berger Stiftung, das begabte Kinder und Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen ideell wie finanziell unterstützt. An der ZU wurde ihr ein Vollstipendium verliehen, darüber hinaus ist sie Stipendiatin eines Begabtenförderungswerks des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie Stipendiatin des Stipendienprogramms der Deutschlandstiftung. „Die Stipendien haben mein Leben nachhaltig positiv verändert, weil mir dadurch Möglichkeiten eröffnet wurden und werden, zu denen ich sonst kaum Zugang bekommen hätte“, betont Nasiriamini.


Doch wie ist sie überhaupt auf die ZU aufmerksam geworden? „Zum ersten Mal in Berührung gekommen mit der ZU bin ich im Rahmen der Schülerakademie, die zum Förderprogramm der Roland Berger Stiftung gehört“, sagt Nasiriamini. Das war allerdings drei Jahre vor ihrem Abitur und damit zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch nicht wusste, wohin die Reise wirklich geht. „Doch auch Jahre später konnte ich mich nicht wirklich entscheiden, also habe ich nach einem Studiengang gesucht, der meine weitreichenden Interessen im gesellschaftlichen und sprachlichen Rahmen abbildet“, berichtet Nasiriamini. Erst noch fleißig gegoogelt, ist ihr dann urplötzlich wieder die ZU in den Sinn gekommen – „und sich in diesem inspirierenden Umfeld vier Jahre lang im Bachelorstudiengang SPE mit soziologischen, politischen und wirtschaftlichen Themen auseinandersetzen zu können: Das fühlte sich einfach richtig an.“


Kaum angekommen an der ZU, setzte sie ihre Aktivitäten im politischen wie sozialen Engagement konsequent fort. So hat sie nicht nur in der Juso-Hochschulgruppe mitgewirkt, sondern auch bei der studentischen Initiative „Rock Your Life!“ eine Hauptschülerin und bei dem studentischen Begegnungsprojekt „welt_raum“ geflüchtete Menschen betreut.


Neben ihrem Bachelorstudium und ihrem vielfältigen Engagement absolviert Farnaz Nasiriamini seit drei Semestern ein Parallelstudium in Rechtswissenschaften an der Universität Konstanz. „Mein Studium und mein Engagement sind darauf ausgelegt, die Gesellschaft zu verstehen und Veränderungen anzustoßen“, berichtet Nasiriamini. „Und Gesetze und Verordnungen sind nun mal die Grundlage einer Gesellschaft.“ Eine wichtige Rolle für ihre Entscheidung spielt außerdem, dass sie sich als bestellte gesetzliche Betreuerin ihres schwerbehinderten Bruders mit Betreuungs- und Amtsgerichten sowie mit dem Behindertenrecht und Sozialrecht auseinandersetzen musste – „und im Rechtsstudium kann ich nun auch dafür ein besseres Verständnis entwickeln.“


Fachlich hat sie sich während ihrer Zeit an der ZU auf den Bereich der Politischen Kommunikation fokussiert und unter anderem analysiert, inwieweit die Wahlprogramme der SPD und CDU von 2005 bis 2017 postdemokratische Züge aufweisen. Dieses Interesse hat sie auch im Auslandssemester an der American University in Washington D.C. und in ihren Praktika begleitet: So hat sie im Hessischen Landtag, für die Online-Redaktion der deutschen Sozialdemokratie mit dem Titel „vorwärts“ und in der SPD-Wahlkampfzentrale in Berlin gearbeitet sowie in den Presse- und Politikabteilungen bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Washington D.C. und im Deutschen Generalskonsulat in New York Projektarbeiten übernommen – und noch heute wirkt sie bei der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen im Arbeitskreis Gendergerechtigkeit mit.


Derzeit schreibt Farnaz Nasiriamini ihre Bachelorarbeit – und das zu einem interdisziplinären Thema, das erst kürzlich wieder in die Schlagzeilen geraten ist: „In meiner Abschlussarbeit möchte ich untersuchen, wie das Thema Schwangerschaftsabbrüche in den vergangenen Jahrzehnten in den Plenarsitzungen im Deutschen Bundestag behandelt worden ist.“ Parallel dazu bereitet sie sich auf die rechtswissenschaftliche Zwischenprüfung vor, danach sind noch fünf Semester zu absolvieren. Wie es danach weitergeht? „Ich möchte für das Jura-Hauptstudium wieder in meine Heimat Mittelhessen zurückziehen und werde daher vom Bodensee nach Gießen wechseln.“