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01.07.2010

Ilya Kompasov

Man muss wirklich genau hinhören, um in seiner Aussprache noch einen russischen Akzent zu hören: Der gebürtige Moskauer Ilya Kompasov lebt erst seit dem Jahr 2008 in Deutschland, spricht aber ein besseres Hochdeutsch als so manche Schwaben – was sicherlich auch daher kommt, dass er seit seiner Jugend ein großer Deutschland-Fan war. „Ich hatte damals in der Schule die Möglichkeit, Deutsch zu lernen und habe mich in die Sprache und das Land verliebt“, sagt der 24-Jährige, der an der ZU im 4. Semester Kultur- und Kommunikationswissenschaften auf Master studiert. Seine Deutschland-Begeisterung führte schließlich in der 10. Klasse zur Entscheidung, ein Auslandsjahr an einer deutschen Schule zu verbringen. Kompasov lebte von seinem 15. bis 16. Lebensjahr in einer Gastfamilie in Oldenburg und besuchte dort das Gymnasium, wo seine künstlerische Ader entdeckt und stark gefördert wurde. „Die Zeit in Deutschland war sehr wichtig für mich, denn in diesem einen Jahr habe ich meine Interessen für Sozialwissenschaften entdeckt“, erzählt Kompasov.


Trotz seiner Liebe zu Deutschland und einer tiefen Integration versteht sich Ilya Kompasov als ein „fremdes Element“ dieser Kultur, was er aber als klaren Vorteil wahrnimmt. Genau diese Eigenschaft helfe ihm, die gewöhnlichen alltäglichen Dinge unter einem anderen Licht zu sehen, „mit weit geöffneten Augen“, was seiner Meinung nach die wichtigsten Bestandteile der Kommunikation und der Kunst sind, die er nun mittlerweile zum Beruf gemacht hat.


Der 24-Jährige, der mit einer Kulturmanagerin verheiratet ist, stammt aus einer Arztfamilie, wollte aber nicht in die Fußstapfen seiner Eltern treten. Stattdessen entschied er sich zunächst für ein Politikstudium an der renommierten „State University – Higher School of Economics“ in Moskau. „In Russland passierte damals so viel - ich wollte einfach ein Teil davon sein und die Hintergründe der Politik verstehen“, so Kompasov. Nach dem Bachelor hängte er wegen der besseren Jobaussichten gleich noch den Master dran. Um das Studium und den Lebensunterhalt finanzieren zu können, arbeitete Ilya Kompasov in der PR- und Marketingabteilung eines großen Moskauer Hotels und war unter anderem verantwortlich für die Werbekampagnen des Fünf-Sterne-Golf-Resorts. In seinem Studium spezialisierte er sich auf politische Kommunikation und hätte damit eigentlich auf lange Sicht gutes Geld verdienen können – die große deutsche Kommunikationsberatung „CNC Communications“ hatte ihn nach seinem Master-Abschluss eingestellt, Kompasov entwarf Kommunikationsstrategien für NGOs und große Banken. „Irgendwie reichte mir das aber nicht, es fehlte etwas“, sagt der 24-Jährige. Beim Surfen im Internet stieß er zufällig auf die Webseite der ZU und war spontan begeistert. „Der Leitspruch ,Hochschule zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik‘ traf genau auf meine Interessen zu.“


Nach seiner Teilnahme an der ZU-Spring School 2008 war für ihn endgültig klar „Hier will ich studieren“. Aufgrund seiner Begeisterung für Kommunikationswissenschaften und für Kunst entschied er sich für den Master in CCM. In einem Seminar von Karen van den Berg entdeckte er bald das Thema Kulturmanagement für sich, und das artsprogram förderte sein Interesse, selbst kuratorisch tätig zu sein. Diese Möglichkeit ergab sich im Frühjahr 2009 durch die Lounge „Superchunk“ des Berliner Künstlers Tilo Schulz. Die multifunktionale Wand mit vielfältigen Displays ist auch als Plattform für studentische Präsentationen gedacht. In seiner Installation „Body De|construction“ stellte Kompasov die Frage: „Unser Körper ist multifunktional, er gibt uns grenzlose Möglichkeiten. Die Frage ist nur: Wissen wir genug über unseren eigenen Körper?“


Seine Liebe zur Zeitgenössischen Kunst führte schließlich auch zu einem Praktikum im Bregenzer Kunsthaus, wo Kompasov die Ausstellung von Anthony Gormley mit aufbaute und ein Open Air Kino-Festival organisierte. Derzeit arbeitet er in einer Frankfurter Galerie und hat seine Masterarbeit mit der Fragestellung, wie Künstler mit Öffentlichkeit umgehen, fertiggestellt. Die Idee zu diesem Thema hatte er nach einem Gespräch an der ZU mit dem bedeutenden Sammler Christian Boros.


Im August steht jedoch sein bisher größtes Vorhaben ins Haus: Dann wird Ilya Kompasov zum ersten Mal Vater.