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01.07.2011

Matthias Garbin

Schon als Schüler organisierte Matthias Garbin Simulationen der Vereinten Nationen, sogenannte Model United Nations (MUN). Seit 2006 hat er selbst an 15 solcher Simulationen teilgenommen. Zuletzt wurde er bei der MUN in New York für seine herausragende Leistung im Sicherheitsrat mit dem „Best Delegate Award“ ausgezeichnet. Nun haben Garbin und 20 Studierende der ZU unter seiner Führung die erste LakeMUN für 120 Schüler aus Deutschland und Österreich am Bodensee ausgerichtet.


Die Hürde, sich mit internationaler Politik zu beschäftigen, war für den 21-jährigen PMG- Studierenden von Anfang an sehr niedrig. Dank seiner Eltern, die beide in der Entwicklungshilfe in Nigeria tätig gewesen waren, wuchs er zweisprachig auf. Während er mit seinem Vater den Umgang in Deutsch pflegte, verständigte er sich mit seiner Mutter auf Englisch. Hinzu kamen zahlreiche Englandaufenthalte. Ein weiterer Vorteil war, dass er eine Schule in Oldenburg besuchte, denn seit 2001 wird dort jedes Jahr die OLMUN für 650 Schüler aus der ganzen Welt abgehalten. Die MUN in Oldenburg ist die einzige Schülerkonferenz in Deutschland, die komplett unabhängig von Schülern organisiert und geleitet wird.


Als 16-Jähriger nahm Garbin zum ersten Mal als Delegierter an der OLMUN teil. Und in der Vorbereitungszeit wurde sein Interesse für die Internationale Politik richtig geweckt. In den darauffolgenden Jahren half er bei der Organisation der OLMUN mit. An MUNs nimmt er am Liebsten als Komitee-Leiter (Chair) teil. „Mir macht die Leitung der Komitees mehr Spaß, gibt er freimütig zu.


2010 flog Garbin mit einer Gruppe von ZU-Studenten nach New York zur MUN. Dort entstand in Zusammenarbeit mit Mattia Nelles und Juri Schnöller die Idee, einen Verein an der ZU zu gründen, der sich verstärkt mit internationaler Politik beschäftigt. Die Idee für die Gründung des Club of international Politics (CIP) war geboren. Garbin ist derzeit Mitglied im Vorstand des CIPs und dort zuständig für die Koordination der MUN-Projekte, wie der LakeMUN.


Ursprünglich wollte Garbin nach der Schule Englisch, Latein und Religion auf Lehramt studieren: „Lehrer zu werden war für mich eine valide Option.“ Während seines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in London unterrichtete er deshalb Kinder im Grundschulalter aus sozial schwachen Familien in Peckham, einem Londoner Problemviertel. Die Kinder lebten in extremer Armut, und für viele von ihnen war sexueller Missbrauch und häusliche Gewalt an der Tagesordnung. „Nach dem FSJ war mir klar, dass ich in die Politik gehen wollte, um Menschen zu helfen“, erzählt er. Nach dem Studium möchte er deshalb für die Vereinten Nationen arbeiten: „Am besten für das Welternährungsprogramm!“ Um auf dem Laufenden zu bleiben, informiert sich Matthias regelmäßig über die Webseite der UN und verfolgt wichtige Debatten und Abstimmungen live über UNTV.


Wer allerdings denkt, dass Matthias Garbin sich in seiner Freizeit nur mit internationaler Politik beschäftigt, der irrt. Seine zweite Leidenschaft ist die Eisenbahn. Im Alter von sechs Jahren fing es mit einer Modelleisenbahn an. „Ich habe immer gerne gebastelt“, berichtet er. Mit der Zeit wurde dieses Hobby immer größer. Während andere Menschen Briefmarken oder Münzen sammeln, sammelt er Fahrkarten. Bis heute sind es weit über 4000 Stück.


Obwohl Garbin die 8. Klasse übersprang und die Schule mit einem Abi-Schnitt von 1,6 abschloss, blieb ihm noch genügend Zeit, um sich mit seinem Freund mit den Fahrplänen dem Eisenbahnbetrieb zu beschäftigen. So rechneten sie Fahrpläne nach und stießen dabei tatsächlich auf Fehler. Aus dieser Zeit hat er noch einen Gutschein für die Bahncard 100 in der Schublade. „Ein kleines Dankeschön von der Deutschen Bahn.“ Zudem lernten sie gemeinsam Fahrpläne auswendig. „In der Schule war ich bekannt als Bahnexperte. Wir sind damals ins Ruhrgebiet gefahren, und ich habe die Fahrten organisiert. Ich konnte genau sagen, mit welchen Zügen wir fahren müssen, um rechtzeitig ans Ziel zu gelangen“, berichtete er. Zudem ergab sich daraus noch ein weiteres Hobby: „Wir haben uns an die Nähe von Gleisen gestellt und interessante Züge fotografiert.“ Neben einem Autoführerschein hat Matthias auch einen Führerschein für Kleinlokomotiven. „Das war der ultimative Schritt“, berichtete er.


Neben einer Welt mit mehr Gerechtigkeit und besserer Völkerverständigung mit weniger Vorurteilen träumt Matthias Garbin übrigens von einer „Lok (Baureihe 110, 101, 628 oder 146) im Garten“. Am besten mit einem Wagen und ein paar echten, ausrangierten Signalen.