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01.04.2018

Nora Freudenberg

Nora Freudenberg hat mit ihren 22 Jahren schon viel erkundet und erlebt. Längere Zeit lebte sie in Frankreich, Tasmanien, Indien und Kanada, ging in den Ländern zur Schule oder zur Universität oder engagierte sich in einem sozialen Projekt. Dabei lernte sie nicht nur Sprachen, sondern auch mehr über Land und Leute, das Leben und ihre Leidenschaften. Auch dass sie letztlich an der ZU landete, hat mit ihren Auslandsaufenthalten zu tun.



Schon früh musste Nora Freudenberg lernen, sich in einer neuen Umgebung zurecht zu finden: Kaum vier Jahre alt, verschlug es die Familie in eine französische 5000-Seelen-Gemeinde, wo Nora Freudenberg ihre ersten Grundschuljahre verbrachte. Auch wenn sie mit dem extremen Wechsel des Umfeldes zu kämpfen hatte, gelang es ihr schnell, sich zu integrieren und das „Alien-Dasein“, wie sie selbst sagt, abzulegen. Nach drei Jahren ging es zurück nach Deutschland, und erneut wurde Freudenberg aus ihrem gewohnten Umfeld rausgerissen und musste sich an neue Begebenheiten anpassen. Auch diesen Neustart bewältigte sie mit Bravour. Stabilität und Sicherheit erhielt sie dabei durch neu gewonnene und bis heute wichtige Freundschaften, Sichtbarkeit und Selbstbewusstsein durch die ihr übertragene Verantwortung und die damit verbundene Rollenzuschreibung: Zunächst wurde sie von ihren Mitschülern zur Klassen- und Kurssprecherin, später zur Schülersprecherin gewählt.


„Ich war früh fasziniert von der Schule als Organisation sowie der Schule als Ort der Persönlichkeitsentfaltung und -entwicklung“, sagt Freudenberg, „zugleich wurde in mir der Wunsch immer stärker, diese im Leben eines heranwachsenden Menschen so eminent wichtige Station weiter zu entwickeln.“ Dabei war es ihr wichtig, viele unterschiedliche Bühnen zu schaffen, auf denen Schülerinnen und Schüler ihre Talente – abseits von Schulleistungen – präsentieren und dadurch Anerkennung finden konnten: So organisierte sie unter anderem Sportturniere und Musikfestivals, „wobei ich stets darauf achtete, dass sowohl jüngere als auch ältere Schüler gemeinsam in einem Projekt involviert sind.“ Als Mitglied und zeitweise auch als Vorstand der Schülermitverwaltung vertrat sie zusätzlich die Interessen der Schülerschaft in verschiedenen Gremien und vor der Schulleitung.


Mit einer gehörigen Portion Neugierde und Offenheit ausgestattet, packte sie zwischendurch das Fernweh, „auch weil ich wusste, dass ich mich zügig an eine neue Umgebung anpassen und gewöhnen kann.“ Mit dem Ziel, eine Sprache zu lernen, die den abstrakten Austausch mit möglichst vielen Menschen ermöglicht, priorisierte Nora englischsprachige Länder und begab sich schlussendlich für ein Jahr nach Tasmanien. Ein bedeutender Aspekt ihrer Auslandserfahrung war, dass im Zuge dessen der Kontakt mit der weltweit aktiven Schüleraustauschorganisation „Youth for Understanding e.V.“ entstand. Um dem Verein etwas zurückzugeben, aber auch, weil sie leidenschaftlich hinter dem Konzept steht, entschloss sie sich dazu, Tagungen rund um das Thema Schüleraustausch zu organisieren und zu leiten und Austauschschüler sowie Gastfamilien zu betreuen – ehrenamtlich und bis heute. „Bei den Seminaren habe ich von Anfang an viel über kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede, menschliche Umgangsformen sowie Grenzen der Anpassung gelernt, Themen, die aus meiner Sicht in einer immer komplexer und dichter werdenden Welt zunehmend wichtiger werden“, erzählt Freudenberg.


Einen noch tieferen Einblick in gesellschaftliche und soziale Entwicklungen gewann Nora Freudenberg nach ihrem Abitur bei einem längeren Auslandsaufenthalt in Indien: „Ich war zum wiederholten Male an einem Punkt angelangt, an dem ich über einen längeren Zeitraum neue Beziehungen knüpfen und mich wieder neu verwurzeln wollte.“ Bei ihren Recherchen stieß sie auf den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ und mit der „Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie“ auf eine passende Trägerorganisation, die noch Freiwillige suchten. „In meinem Projekt, dem Good Shepherd Health Education Centre & Dispensary, geht es unter anderem darum, den Zusammenhalt innerhalb einer Dorfgemeinschaft und damit das Verantwortungsgefühl unter- und füreinander zu stärken“, erklärt Freudenberg. „Daraus soll eine soziale und wirtschaftliche Einheit entstehen, in der sich die Mitglieder gegenseitig kontrollieren und unterstützen, von der aber auch gemeinschaftlich beschlossene Investitionen getätigt werden.“


Neben den zwischenmenschlichen waren es auch die thematischen Erfahrungen, die für Nora Freudenberg prägend waren. „Wenn ich nicht in Indien gewesen wäre, dann wäre ich vermutlich nicht an der ZU gelandet“, sagt Freudenberg. „Denn kaum war ich zurückgekehrt, haben mich permanent Fragen der Ungleichheit begleitet.“ Besonders einprägsam waren dabei die Begegnungen mit in der Textilbranche arbeitenden Dorfbewohnerinnen. „Danach war es für mich nicht möglich, meinen Lebensstil beizubehalten – überhaupt fühlte ich mich in Deutschland eine Zeit lang wie gelähmt“, erinnert sich Freudenberg. Unterdessen begab sie sich auf die Suche nach einem Ort, an dem diese Fragen gestellt und diskutiert werden. „Ziemlich verzweifelt habe ich eine Berufsberatung aufgesucht, die mir dann die ZU empfohlen hat“, berichtet Freudenberg. „Bereits bei meinem ersten Besuch an der Universität ahnte ich, dass nicht nur ich, sondern auch meine Fragen einen Platz gefunden haben und Menschen, die sich damit intensiv auseinandersetzen.“ So fand sie im Rahmen des Zeppelin-Projektes eine Arbeits- und später auch Freundesgruppe, mit der sie „weltwärts“ als ideologisches Konstrukt in seiner Legitimität reflektieren konnte.


Aktuell studiert Nora Freudenberg im sechsten Semester den SPE-Bachelorstudiengang, „einen interdisziplinären Studiengang, der mir und meinen Fragen die meisten Freiräume gibt.“ Und diese Freiräume nutzt sie konsequent aus: Während sie sich zeitweise mit Strukturen und Herausforderungen globalen Regierens sowie der makroökonomischen Theorie befasste, rückte im Zuge ihres Auslandssemesters in Kanada die Mathematik verstärkt in ihren Fokus. „Am meisten war ich fasziniert von den Kursen an der Schnittstelle von Mathematik und Soziologie, in denen versucht wurde, mit der Mathematik und insbesondere der Graphentheorie gesellschaftliche Phänomene zu beschreiben“, ergänzt Freudenberg. Zurückgekehrt nach Deutschland, begab sie sich verstärkt auf das Terrain der quantitativen Methoden, „was vor allem mit meiner Faszination für die Klarheit von Zahlen zu tun hat.“


Nora Freudenberg bezeichnet sich selbst als Herzblut-SPElerin – und das nicht nur, weil sie sich interdisziplinär austobt und zwischen Wirtschaft, Kultur und Politik bewegt. Bereits im zweiten Semester ging es für sie in die Hochschulpolitik, wo sie in Arbeitsgruppen und Gremien an der strategischen Weiterentwicklung des Studienganges, aber auch an der Gestaltung der Universität mitwirkte – zunächst als stellvertretende, dann als SPE-Programmschaftssprecherin. „Ich finde den Studiengang so großartig, dass es mir wirklich am Herzen lag, das Selbstverständnis des Studienprogramms weiter zu denken“, bemerkt Freudenberg.


Derzeit arbeitet Nora Freudenberg an einem ganz frischen Projekt. Gemeinsam mit weiteren Kommilitonen gründete sie kürzlich mit der studentischen Initiative „Wir müssen reden“ ein für alle Mitglieder der ZU offenstehendes Austauschformat außerhalb digitaler Medien und Vieraugengespräche. „Damit wollen wir das soziale Miteinander unter Mitarbeitenden und Studierenden stärken“, erläutert Freudenberg. „Und das geht nur, indem man inklusiv miteinander offen und ehrlich redet.“


Ein weiteres Herzensprojekt von Nora Freudenberg ist der „FAIRwandler“-Preis. Diesen begleitet die Stipendiatin der Stiftung der Deutschen Wirtschaft mit einer ehemaligen Kommilitonin seit der Gründungsphase. Der „FAIRwandler“-Preis wird seit 2015 jährlich von der „Karl Kübel Stiftung“ vergeben und richtet sich an Menschen, Projekte und Initiativen, die sich in der Entwicklungspolitik engagieren. „Damals wie heute haben wir mit vielen inspirierenden Menschen über das Thema gesprochen, um herauszufinden, was eigentlich wert- und wirkungsvolle entwicklungspolitische Arbeit auszeichnet – unter anderem auch mit dem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus“, erzählt Nora Freudenberg. „Nach all den Begegnungen wächst das Gefühl, dass die Welt da draußen so viel Schönes zu bieten hat.“