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01.05.2011

Tina Egolf

Mosbach, München, New York, Berlin und Friedrichshafen: Tina Egolf hat schon eine ziemlich große Wegstrecke an privaten und beruflichen Erfahrungen hinter sich gebracht. Nach dem 3. Semester CME im Master steht für die 27-jährige brand eins-Stipendiatin fest: „Ich will einen positiven Unterschied in der Welt machen. Letztlich bin ich also doch noch Gutmensch geworden“, lacht sie.


Das war nicht unbedingt abzusehen. In ihrer badischen Heimat Mosbach rebellierte die damals 14-Jährige gegen Spießertum und ländliche Langeweile. Sie wurde ein Gothic. „Das war einfach eine typische Abgrenzungshaltung und Identitätssuche. Ich war die meiste Zeit auf mich selbst fixiert und habe 18 Jahre darauf hingearbeitet, aus Mosbach wegzukommen“, sagt Tina Egolf.


Drei Tage nach dem Abi, das sie mit der Note 1,1 abschloss, packte sie die Koffer und zog nach München. Noch ohne Plan, was sie mit ihrem Leben und der neu gewonnenen Freiheit anfangen sollte. „Wie so viele nach dem Abi dachte ich mir, ich mache „was mit Medien“. Lange nachgedacht über meine Pläne habe ich aber nicht“, erzählt Tina Egolf.


Nach einem Semester Mediendesign kam die Ernüchterung. Tina Egolf merkte, dass zwischen ihrem eigenen Interesse an kreativen Prozessen und den Anforderungen des Studiums am formalen kreativen Arbeiten ein zu großer Unterschied bestand und brach das Studium ab, um zunächst in einer Werbeagentur zu arbeiten und sich dann für Kommunikationswissenschaften an der LMU zu entscheiden. Im Jahr 2008 machte sie den Bachelor. Ein gut bezahltes Praktikum bei Red Bull lehnte sie kurzerhand ab und entschied sich für ein unbezahltes Praktikum in einer Münchner Galerie. „Ich hatte einfach das Gefühl, dass mich das weiterbringt. Die Red Bull-Welt passte nicht zu mir.“


Die Galerie, eine der größten für Moderne Kunst in München, war hingegen genau Tina Egolfs Welt. „Ich kannte mich damals nicht wirklich gut mit Moderner Kunst aus, aber das war mir egal.“ Das Praktikum führte schließlich zu einem Job in der Galerie Terminus, die Malergrößen wie Gerhard Richter vertritt. Nach einem Jahr mitten in der Münchner Künstlerszene packte Tina Egolf erneut das Fernweh. Kurzerhand kündigte sie ihren Job und setzte sich in einen Flieger nach New York. „Ich dachte ganz naiv, New York sei das Zentrum der Kunstszene der Welt, und da müsse ich auch sein“, schildert Tina Egolf. Schließlich landete sie zwar zunächst in New York, allerdings nur, um kurz darauf nach Berlin zu ziehen. Auf dem Flug hatte sie Gerd Harry Lybke getroffen, er gehört mit seiner Galerie „Eigen + Art“ zu den führenden Galeristen für zeitgenössische Malerei in Deutschland und „entdeckte“ unter anderen Neo Rauch. Tina Egolf hatte die Begegnung als Zeichen akzeptiert, sich ein Herz gefasst und ihn angesprochen - um schließlich die nächsten zwölf Monate als seine Assistentin zu arbeiten.


Die Gründung einer eigenen Galerie verschob sie, als sie im Jahr 2009 einen Artikel über die ZU las und spontan begeistert war: „Ich brauchte neue Impulse und wollte mir erst einmal das nötige Wissen für eine Unternehmensgründung aneignen.“ Noch bevor die Zusage für den Studienplatz kam, hatte sie bereits voller Urvertrauen in die Chemie zwischen ihr und der ZU ihre Berliner Wohnung gekündigt. „Vermisst habe ich Berlin nicht, was sicher auch an der tollen Gemeinschaft der Kommilitonen lag“, sagt Tina Egolf.


Gleich in ihrem ersten Semester wurde Tina Egolf Hiwi am FIF, wirkte an der Familienunternehmerkinder-Studie mit, baute die FIF-Datenbank und den Familienunternehmer-Blog auf. In einer Student Study entwickelte sie gemeinsam mit Kommilitonen das Konzept für den Friedrichshafener Familienfrühling. Zu dieser Zeit entstand ihr Wunsch, sich stärker mit der Finanzierung und Förderung von Startups zu beschäftigen. Von ihren Ideen erzählte sie dem Geschäftsführer der Buchanan GmbH, Steven Wilkinson, was schließlich dazu führte, dass Tina Egolf ein Praxissemester einlegte, um die strategische Planung für einen Schweizer Venture Capital Fond für junge Unternehmen zu unterstützen. „Das gab mir die einzigartige Möglichkeit, einen Einblick in die Welt des Investments zu bekommen. Nach dieser Zeit war mir allerdings klar, dass ein klassischer Karriereweg als Angestellte auf die Dauer nichts für mich ist, ich sehe mich eher als Gründerin, die ihre eigenen Wege geht, sehr viel Freiheit braucht und Verantwortung übernehmen will“, lautet ihr Fazit.


In ihrer Masterarbeit wird sie sich mit einem eher utopischen Thema beschäftigen, der Zukunft des Arbeitens in einer globalisierten Welt. „Es geht darum, das Thema Arbeit anders zu denken, als es bisher der Fall ist. Arbeit wird meist als notwendiges Übel angesehen, ich will andere Lösungsansätze diskutieren.“


Von ihrer eigenen Arbeitszukunft hat sie noch keine konkrete Vorstellung. „Deswegen mache ich mir aber keine Sorgen. Bisher haben sich die Dinge ja auch immer irgendwie ergeben.“