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01.12.2010

Rosa Bruderhofer

Eine Ausstellung zu organisieren und zu gestalten ist eigentlich ein Fulltimejob – Museen stellen dafür Kuratoren ein. Diese Aufgabe neben einem vollgepackten Semester-Stundenplan zu bewältigen, spricht für ein gutes Organisationstalent. Rosa Bruderhofer hat genau das in den letzten Wochen und Monaten bewiesen. Die 23-jährige Bachelor-Studierende der Kommunikations- und Kulturwissenschaften stellte gemeinsam mit der Wiener Studentin Maria Sagmeister die erfolgreiche Foto-Ausstellung „Högler-Fotografiegeschichten“ im Rohner-Haus im vorarlbergerischen Lauterach auf die Beine. Die Ausstellung über das Werk und die Geschichte der Bregenzer Fotografen-Familie Högler, die ab 1881 ein Studio in Bregenz betrieb, zeichnet exemplarisch die Entwicklung der Fotografie vom 19. Jahrhundert bis heute nach. „Die Idee entstand nach einem Praktikum im Bregenzer Kunsthaus und wuchs schließlich in den vergangenen zwei Jahren zu einem konkreten Projekt“, schildert Rosa Bruderhofer. Um sich in der heißen Phase vor der Eröffnung am 16. Oktober ganz den anstehenden Aufgaben widmen zu können hat sie derzeit ein Praxissemester eingelegt.


Die Überlingerin, probiert sich gerne aus und zögert nicht lange, wenn sie an eine Idee glaubt. Von der Waldorf-Schule wechselte sie nach dem 6. Schuljahr aufs Droste-Hülshoff-Gymnasium nach Meersburg, weil sie zu wenig Herausforderung verspürte. „Ich wollte wissen, wo ich leistungsmäßig stehe“, begründet sie diesen Schritt. Neben dem Gitarre-Unterricht absolvierte Rosa Bruderhofer eine Gesangsausbildung und sang im Überlinger Jugend- und Frauenchor. Nach dem Abitur entschied sie sich für eine freiwillige Zeit als Helferin in einer Behinderteneinrichtung in Salem und betreute eine Klasse von vier geistig behinderten Kindern. Weniger inspirierend als diese Erfahrung, war die Zeit als Au-Pair im irischen Cork. „Ich war in der Einöde gelandet und habe mich gelangweilt. Nach vier Monaten habe ich mich entschlossen, wieder nach Deutschland zurückzukehren und zu studieren“, sagt Rosa Bruderhofer. Fast nahtlos ging es dort nach Tübingen zum Studium der Philosophie und Geschichte. Im Gegensatz zu vielen Studenten, die sich mehrere Semester mit dem falschen Studienfach herumquälen und am Ende in einer Sackgasse landen, entschied sich Rosa Bruderhofer bereits zum Beginn des zweiten Semesters für einen anderen Weg. In dieser Zeit war sie auf die ZU gestoßen, die sie aus ihrer Schulzeit klischeehaft als „Schnösel-Uni“ im Kopf hatte. „Was man halt über Privatunis so denkt. Aber dann bin ich auf Empfehlung meiner früheren Geschichtslehrerin zum Uni live-Tag gegangen und habe mich eines Besseren belehren lassen.“


Ihrer Begeisterung für Kunst und Kulturmanagement konnte Rosa Bruderhofer seit Beginn ihres Studiums im Januar 2008 nachgehen und vertiefen. Sie wurde studentische Hilfskraft am Lehrstuhl von Karen van den Berg, organisierte während ihres Praktikums im Kunsthaus Bregenz ein Open Air-Kino, gab dort Führungen durch die Richard Serra-Ausstellung, machte Kunst-Workshops für Kinder und war studentische Mitarbeiterin im Event-Team für das Sommerfest 2008. Für ein Magazin über die Kultureinrichtungen Friedrichshafens zum Kunstfreitag portraitierte sie gemeinsam mit Kommilitonen mehrere Institutionen und absolvierte im Sommer 2010 ein Praktikum in einer Istanbuler Kunstgalerie. Außerdem engagierte Rosa Bruderhofer sich im Rock Your Life-Projekt – bis zum vergangenen Semester coachte sie eine Schülerin der Ludwig-Dürr-Schule.


Derzeit ist ihre Bachelor-Arbeit in Planung. Um „Kunst als gesellschaftliche Störung“ soll es gehen. Die Foto-Ausstellung im Rohnerhaus in Lauterach läuft noch bis zum April 2011. Infos gibt es hier.