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01.02.2015

Esther Bishop

Musik spielt im Leben von Esther Bishop eine zentrale Rolle. Bereits im Kindesalter erlernte sie das Spielen von Blockflöte und Klavier, später gesellte sich die Oboe dazu. Damit begleitete sie das Landesjugendorchester, darin absolvierte sie ein Diplomstudium an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar. Doch sie kehrte dem Orchestermusiker-Dasein den Rücken, widmete sich ganz der Musikforschung. Ein Umfeld dafür bietet ihr die ZU, wo die 28-Jährige aktuell den CCM-Master studiert.



Gefördert von ihren Eltern, spielte Esther Bishop zunächst Musikinstrumente wie Blockflöte und Klavier. Eher zufällig trat dann das Instrument Oboe auf den Plan, als der Musiklehrer des Gymnasiums noch Mitstreiter für das Schulorchester suchte, insbesondere Blech- und Holzbläser. „Auch wenn ich zunächst wenig damit anfangen konnte, so fand ich die Oboe doch am spannendsten“, berichtet Bishop. Mit der Zeit beherrschte sie das Instrument so sicher, dass sie es sogar ins Landesjugendorchester schaffte. Auftritte damit führten sie gar bis nach Japan. Zum Ende ihrer Schulzeit folgte ein weiterer Höhepunkt: Sie gab – begleitet vom Schulorchester – ein Solokonzert.


Nach dem Abitur und einem weiteren viermonatigen Aufenthalt ins Land der aufgehenden Sonne – diesmal für eine Tätigkeit in einer Oboen-Manufaktur nahe Tokio – begab sich Esther Bishop auf eine einjährige Tour durch Deutschland, um an diversen Musikhochschulen vorzuspielen. „Dieser Prozess dauert seine Zeit. Denn bei einem Musikstudium ist es absolut wichtig, dass man mit dem Instrumentalprofessor auf einer Wellenlänge ist“, erklärt Bishop. Ein gutes Gefühl hatte sie sogleich an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar, wo sie im Alter von 20 Jahren ein Diplomstudium in Oboe aufnahm.


Doch wie gestaltet sich der Studienalltag an einer Musikhochschule? „Die meiste Zeit habe ich mich eingesperrt und geübt“, antwortet Bishop. Und sie führt weiter aus: „Angekommen an der Musikhochschule, habe ich zwei Stunden Technikübungen absolviert und mich eingespielt. Ab und an gab es noch Vorlesungen und wöchentlich Einzelunterricht mit dem Instrumentalprofessor. Darüber hinaus habe ich bei großen Hochschulorchester-Projekten mitgewirkt sowie mit Kommilitonen Kammermusikstücke geprobt und darin Prüfungen abgelegt.“


Raus aus dem Studienalltag hingegen führten sie „Gelegenheitsgeschichten“. „Dazu zählte nicht nur, dass ich selbst Oboen-Unterricht gab, sondern auch bei Konzerten mit professionellen Orchestern mitwirkte“, erläutert Bishop.


Doch Esther Bishop bemerkte noch vor dem erfolgreichen Abschluss ihres Musikstudiums, dass sie nicht den Weg eines Orchestermusikers einschlagen mochte. „Ich habe während des Studiums zu viele Träume an die Wand fahren sehen. Denn die Anzahl der Festanstellungen für Musiker in staatlich finanzierten Orchestern sinkt, während die Zahl der Absolventen an deutschen Musikhochschulen stetig steigt“, erklärt Bishop. „Doch viele Kommilitonen haben davor die Augen verschlossen und eine Haltung des Selbstschutzes eingenommen, was ich nicht konnte.“ Dabei ist ihr der Entschluss keineswegs leicht gefallen: „Ich hatte lange Zeit einen Traum, in den ich viel Zeit und Energie investiert habe.“


Während einer Tournee nach Israel führte sie deshalb ein Gespräch mit dem Weimarer Hochschulpräsidenten, um ihn nach alternativen Wegen zu fragen. „Er hat mich dann auf die ,Alfred Toepfer Stiftung‘ aufmerksam gemacht“, sagt Bishop. Sie absolvierte ein sechsmonatiges Praktikum „in einem fantastischen Laden, der in Sachen kulturelle Innovationen ganz weit vorne mit dabei ist.“ Als Praktikantin durfte sie die Verleihung des „CULTURA-Preises“ organisieren und an der internen Akademie „Concerto21“ teilnehmen. Dabei geht es vor allem darum, über zeitgemäße Konzertformate nachzudenken. „Ich war direkt begeistert von dem Ansatz, alte Denkmuster zu hinterfragen und innovative Konzepte zu entwickeln“, sagt Bishop. Geleitet wird die Akademie von ZU-Professor Martin Tröndle: Von ihm erfuhr sie dann erstmals von der ZU.


„Ich habe mir zwar noch weitere Master-Studiengänge im Bereich Kulturmanagement angeschaut, aber besonders bei der ZU hatte ich ein gutes Gefühl“, erläutert Bishop. „Denn hier werden Fragen zu kulturellen Themen behandelt und diskutiert, die mich schon lange beschäftigen.“ Was ihr an der ZU besonders gefällt, ist der hohe Grad an Selbstverantwortung, dass sie ihren eigenen Weg gehen kann und nicht nur durch das Studium geleitet wird. So hat sie anfangs auch gleich die Chance ergriffen, als Sprecherin des Studiengangs CCM die Kommunikation zwischen der Programmleitung und den verschiedenen Anspruchsgruppen zu forcieren. Und sie hat gleich bei mehreren studentischen Projekten mitgewirkt: So hat sie für die „Lange Nacht der Musik 2013“ die Musikerakquise übernommen und bei der ZUfo 2014 das künstlerische Rahmenprogramm organisiert. Auch als Moderatorin konnte sie sich auszeichnen: So bei der BürgerUniversität mit der Medienunternehmerin, Autorin und Kunstsammlerin Christiane zu Salm.


Eines allerdings musste Esther Bishop mit dem Beginn des Studiums an der ZU zurückschrauben: das Musizieren. „Das liegt vor allem daran, dass ich mir sämtliche wissenschaftliche Methoden und Kompetenzen erst einmal aneignen musste und mich dann voll und ganz auf das Studium konzentriert habe“, erklärt Bishop. „Da bleibt dann keine Zeit mehr fürs Üben.“ So unterstützte sie parallel zum Master-Studium lediglich das „ensemble ponticello“, eine in Dresden ansässige Gruppe von engagierten Musikern, die frei von Vorgaben auf höchstem künstlerischem Niveau musizieren und Konzertprogramme gestalten. „Dort habe ich einen Workshop geleitet und zeitweise das Projektmanagement übernommen“, erläutert Bishop.


Im Laufe des Studiums entwickelte sie sich immer mehr zur Wissenschaftlerin: Unterstützt von Martin Tröndle untersuchte sie in ihrem Forschungssemester mittels einer Online-Befragung, welchen Tätigkeiten die Absolventen von Musikhochschulen heute nachgehen und wie gut ihr Studium sie auf ihre späteren Aufgaben vorbereitet hat. Im Rahmen der „5. Wiener Tage der Musikwirtschaftsforschung“ wurde sie mit dem „Best Paper Award“ für ihren Forschungsbeitrag ausgezeichnet. Die Ergebnisse der Studie werden derzeit veröffentlicht, und Esther Bishop erhält mehrfach Einladungen, ihre Ergebnisse zu präsentieren. Auch in ihrer Masterarbeit beschäftigt sie sich mit dem Thema: „Doch dieses Mal analysiere ich die Struktur und Kultur von Musikhochschulen aus organisationstheoretischer Sicht.“


Beruflich gelang ihr der Einstieg bereits während ihres Studiums durch ihren Praxiscoach Albert Schmitt, Managing Director der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen: „Er hat mich bei unserem letzten Coaching-Gespräch gefragt, ob ich nicht Lust habe, bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen zu arbeiten.“ Sie nutzte die Chance und arbeitet schon seit Beginn der Masterarbeit als Assistentin der Geschäftsführung, ist für Aufgaben im Bereich der Kommunikation, der wissenschaftlichen Kooperationen und des Sponsoring zuständig. „Doch ich weiß jetzt schon, dass ich irgendwann wieder Forschung betreiben möchte, und das am liebsten im Rahmen einer Promotion.“


Zum ZU|Daily-Beitrag über das Forschungssemester von Esther Bishop geht es hier