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Karl-Mannheim-Lehrstuhl für Kulturwissenschaften

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Profil

Der Soziologe Nico Stehr ist seit 2004 Inhaber des Karl-Mannheim-Lehrstuhls für Kulturwissenschaften und Gründungsdirektor des Europäischen Zentrums für Nachhaltigkeitsforschung an der ZU.

Als Inhaber des Karl-Mannheim-Lehrstuhls ist Stehr der Problematik des Wissens und der Frage der gesellschaftlichen Rolle des Wissens, die ihn bereits lange Zeit als Forscher an renommierten nordamerikanischen Universitäten beschäftigten, treu geblieben: Ihn interessieren die sozialen Auswirkungen der gestiegenen Bedeutung der Rolle des Wissens in der modernen Gesellschaft. Denn einerseits ist immer mehr Wissen vorhanden und medial verfügbar, andererseits haben sich die Hoffnungen, die man einst an einen solchen Wissensfortschritt geknüpft hat, nur sehr bedingt erfüllt. Denn der Begriff des Wissens und die von mit zusammen mit dem Philosophen Gernot Böhme entwickelte Theorie der „Wissensgesellschaft“ bleiben aktuell.

Intensiv befasst sich Stehr auch mit der Klimafolgenforschung insbesondere im Bereich der Anpassung und Vorsorge. Im Herbst 2011 gründete er an der ZU das Europäische Zentrum für Nachhaltigkeitsforschung, das von namhaften Unternehmen wie Tognum und AUDI AG gefördert wird. Das Zentrum hat sich zum Ziel gesetzt, zu einem Forschungszentrum von nationalem und internationalem Stellenwert zu werden und wissenschaftliches Denken im Bereich der Nachhaltigkeit noch weiter zu etablieren und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis umsetzen zu helfen.

Nico Stehr ist neben seiner Tätigkeit an der ZU Mitglied der Royal Society of Canada, Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften, Mitglied der Verbraucherschutzkommission Baden-Württemberg, der Kommission für Risikoforschung und -wahrnehmung des Bundesinstituts für Risikobewertung, und er war Mitglied des Expertengremiums „Global Governance of Science“ der Europäischen Kommission.

Die Wissensgesellschaft

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Das Zeitalter der Industrialisierung, der sozialen Ordnung der Industriegesellschaft und der Fähigkeiten und Fertigkeiten, die nötig waren, um es zu bewältigen, steht vor seinem Ende. Die Grundlagen der sich am Horizont abzeichnenden Gesellschaftsordnung basieren auf Wissen.

Wissensgesellschaften sind zunehmend zerbrechliche Gesellschaften, weil es in ihnen zu einem bemerkenswerten Herrschaftsverlust der großen gesellschaftlichen Institutionen, die den Verlauf des 20. Jahrhunderts noch ganz entscheidend mitgeprägt haben, kommt.

Wir befinden uns in einem Übergangsstadium zwischen zwei Gesellschaftsformationen. Man kann nicht umhin, von der wachsenden Kontingenz und der sich damit weiter abschwächenden Stabilität moderner Gesellschaften beeindruckt zu sein. Die Zukunft der Gesellschaft ist immer weniger ein Abbild ihrer Vergangenheit. Die zunehmende Unschärfe und Unbestimmtheit moderner Gesellschaften ist die unmittelbare Folge der weiter steigenden (und keinesfalls einseitigen) Bedeutung einer hochdifferenzierten gesellschaftlichen Institution, nämlich des Wissenschaftssystems und seiner Produkte, für die Kultur und Struktur unserer Gesellschaft.

Die umfassende Zirkulation des Wissens und das Wissen um das Vordingen des Wissens in alle Handlungskontexte der modernen Gesellschaft haben zur Folge, dass die durch strittiges Wissen konstruierten und konstituierten Handlungsstrukturen ambivalent, fragil und offen werden. Und zwar offen für multiple Interpretationen unterschiedlicher Akteure.

Zumindest in diesem Sinn lässt sich deshalb folgern, dass das Wachstum des Wissens und seine zunehmende gesellschaftliche Verbreitung paradoxerweise größere gesellschaftliche Unsicherheit und Kontingenz produzieren und nicht etwa Meinungsverschiedenheiten reduzieren oder eine Basis für eine effizientere Herrschaft zentraler gesellschaftlicher Institutionen schaffen.

Diese neugewonnene Einsicht in die gleichzeitige Macht und Fragilität wissenschaftlicher Erkenntnis führt zu dem Ergebnis, dass die wachsende gesellschaftliche Bedeutung des Wissens und die Abhängigkeit der Gesellschaft vom Wissen einhergehen wird mit dem Zerfall der intellektuellen Autorität der Experten und einer wachsenden Skepsis gegenüber der Unparteilichkeit und Objektivität von Expertenmeinungen. Den Vertretern des Fachwissens und der Expertise wird es immer schwerer fallen, ihre kognitive Autorität und das Vertrauen in ihre professionelle Tätigkeit aufrechtzuerhalten.
Dennoch wird die Abhängigkeit vom Wissen weiter zunehmen. Denn trotz der Demystifizierung des Wissens kann die Alternative nicht lauten, statt dessen mehr oder weniger zufällig auf irgendwelche Glaubensvorstellungen zu vertrauen. Man muss sich mit dem Gedanken der Kontingenz des Wissens vertraut machen und die Illusion verabschieden, dass dieser Zustand nur eine vorübergehende Erscheinung sei, die über kurz oder lang wieder verschwindet.

Die Geschichte neigt sich keineswegs ihrem Ende zu, aber sie hat sich grundlegend geändert. Die alten Regeln, Sicherheiten und Entwicklungsschemata passen nicht mehr. Die Zukunft imitiert nicht mehr die Vergangenheit. Deshalb wächst das Gefühl der Zerbrechlichkeit der Verhältnisse. Die Erfahrungen mit grundlegenden Veränderungen werden umfassender. Und zurückhaltende, gebremste und sanfte Zuversicht löst überschäumende Hoffnungen oder auch tiefe Deprimiertheit ab.

Stehr, Nico Prof PhD FRSC

Curriculum Vitae

 

Team

Ruser, Alexander Dr
Tel:+49 7541 6009-1342
Fax:+49 7541 6009-1399
Raum:Semi 1.26


Stehr, Nico Prof PhD FRSC
Tel:+49 7541 6009-1341
Fax:+49 7541 6009-1399
Raum:Semi 1.11
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