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Karl-Mannheim-Lehrstuhl für Kulturwissenschaften

Forschungsprojekte

Klimapolitik

Projektbeschreibung

In einem sehr allgemeinen Sinn trifft sicher zu, dass die Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen (Mitigation) und die Anpassung der Gesellschaft an den Klimawandel Handlungsstrategien repräsentieren, in denen es jeweils um die Reaktion der Gesellschaft auf wahrgenommene Umweltveränderungen geht. Und in dieser allgemeinen Bedeutung widersprechen sich Abwehr und Anpassung nicht. Abwehr und Anpassung umfassen kollektive Verhaltensmodifikationen, die darauf abzielen, das Verhältnis von Natur und Gesellschaft zu beeinflussen. Solche Veränderungen des Verhaltens können vielfältiger Art sein: geplant, zufällig oder das Ergebnis nicht intendierten Handelns. In diesem generellen Sinn gibt es in der Praxis keine Zielkonflikte zwischen klimapolitischen Maßnahmen, die auf Anpassung oder Abwehr zielen. Im Gegenteil, Abwehr ohne Anpassung ist beispielsweise angesichts der "Verweildauer" von Kohlendioxid in der Atmosphäre eine Handlungsoption, die auf längere Sicht fehlschlagen muss. Langfristig verstanden, konvergieren Anpassungs- und Abwehrmaßnahmen. Aber trotz dieser Gemeinsamkeiten unterscheiden sich Abwehr und Anpassung als Reaktionen auf die globale Klimaveränderung radikal: Abwehr ist in erster Linie der Versuch, die Natur (zum Beispiel das Korallensystem) vor der Gesellschaft zu schützen, während Anpassungsverhalten darauf abzielt, die Gesellschaft (zum Beispiel Küstenregionen) vor der Natur zu schützen. Im Fall der Abwehr ist es die Natur, die entscheidet, was in ihr getan werden muss. Abwehr bedeutet primär, Naturprozesse zu beeinflussen. Im Fall des Klimawandels geschieht dies konkret auf dem Weg über eine Reduktion von Emissionen, es wird also versucht, die "Klimamaschine" selbst zu beeinflussen. Bei der Handlungsstrategie der Anpassung dagegen wird nicht nur die Beziehung von Natur und Gesellschaft in einem anderen Sinne verstanden, indem etwa Informationen über Veränderungen natürlicher Systeme als Hinweis auf Verhaltensveränderungen dienen, sondern es ist auch die Gesellschaft, die entscheidet, was in ihr selbst verändert werden muss. Diese Unterschiede im Verständnis von Mitigation und Anpassung spiegeln sich ebenfalls in den dominanten Diskursen und praktischen Reaktionen auf die wissenschaftlichen Erträge der Klimaforschung der vergangenen Jahrzehnte über adequate Vorgehensweisen der Politik, gesellschaftlicher Institutionen und einzelner Personen national wie auch international wider. Abwehr wurde eindeutig zur herrschenden Strategie. Wir untersuchen, ob eine radikale Neuorientierung der Klimapolitik notwendig ist. Die Frage konkreter Anpassungsstrategien wird jedoch nicht behandelt, zumal Anpassungsverhalten in hohem Grad situationsspezifisch und regional bestimmt ist. Unsere Überlegungen zur Anpassung werden in einer Reihe von Gedankenschritten vorangebracht: Erstens verweisen wir in Form von Stipulationen auf die Tatsache, dass jede Klimapolitik von gesamtgesellschaftlichen Veränderungen mitbestimmt wird; zweitens beschreiben wir die Abwehr- und Anpassungsansätze der Klimapolitik sowie die ihnen zugrunde liegenden Annahmen näher; und drittens kommen wir in einem Vergleich der beiden Strategien zu dem Ergebnis, dass Anpassungsstrategien von der Politik nicht nur vernachlässigt werden, sondern dass ihnen und der Anpassungsforschung eine höhere Priorität zukommen muss.

Ansprechpartner:

Projektlaufzeit

von 01.01.2004 bis 31.12.2007

Projektleitung

Prof. Nico Stehr

Projektbearbeitung

Prof. Nico Stehr Ph.D., FRSC

Finanzierung

eigenfinanziertes Forschungsprojekt



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