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Lehrstuhl für Internationale Beziehungen

Forschungsprojekte

Offene oder geschlossene internationale Organisationen: Bedingungen für Politikwandel durch Kontestation

Projektbeschreibung

Unter welchen Bedingungen wandeln internationaler Organisationen (IO) ihre Politik als Reaktion auf Kontestation durch Betroffene, die von internationalen Normen und Regeln, die IOs verbreiten, eigentlich geschützt werden sollen? Wann lassen IOs Kontestation abprallen, wann lässt sich Politikwandel beobachten? Internationale Organisationen sind bürokratische Kolosse, in denen Außeneinflüsse durch eine hierarchische Kultur und rigide Organisationsstrukturen gefiltert werden. Zivilgesellschaftlicher Protest gegen von IOs vertretene Normen wird zwar oft rhetorisch und prozedural aufgenommen, führt aber selten zu tiefgreifendem Politikwandel in internationalen Organisationen, so die weitverbreitete These – IOs sind also „geschlossene Organisationen“. Inwiefern ist dies jedoch überhaupt noch zutreffend? Aktuelle Forschung beschreibt IOs als „offene Organisationen“: Durch Reformen im Bereich des New Public Managements werden Organisationskulturen und -strukturen zunehmend durchlässiger und ihre formalen „Grenzen“ spielen immer weniger eine Rolle: stattdessen kämpfen bereichsspezifisch professionelle Netzwerke in internationalen Organisationen um Kontrolle und ihr jeweiliger Einfluss prägt das Verhalten internationaler Organisationen. Zivilgesellschaftlicher Protest, das wäre die abgeleitete These, scheitert nicht an der bürokratischen Kultur, sondern muss Unterstützung bei durchaus innovationsfreudigen professionellen Netzwerken generieren, um IOs zu beeinflussen Das Projekt verbindet diese oft kontrastiert dargestellten Spielarten konstruktivistischer IO-Forschung zu einem empirischen untersuchbaren Forschungsdesign: eine offene Organisationskultur und -struktur sollte Politikwandel, eine geschlossene Organisationskultur und -struktur sollte keinen Politikwandel als IO-Reaktion hervorbringen. Dafür vergleicht das Projekt die Reaktionen von ILO, UNICEF, UNODC und WHO in verschiedenen Politikbereichen auf die Kontestation ihrer Politik durch Betroffenengruppen: Drogenbekämpfung, Kinderarbeit, Menschenschmuggel und weibliche Genitalverstümmelung. Das Projekt verbindet dafür einen hypothesentestenden Fallvergleich mit process tracing und verwendet methodisch Interviewforschung, Inhaltsanalyse und Netzwerkanalyse.

Ansprechpartner: Lisbeth Zimmermann

Projektlaufzeit

von 01.05.2019 bis 30.09.2022

Projektleitung

Lisbeth Zimmermann

Projektbearbeitung

Nele Kortendiek, M.Sc.

Finanzierung

Deutsche Forschungsgemeinschaft



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