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Lehrstuhl für Internationale Beziehungen

Forschungsschwerpunkte

Umstrittenheit und Wandel der multilateralen Weltordnung

Ein erster Schwerpunkt des Lehrstuhls Internationaler Beziehungen an der Zeppelin Universität beschäftigt sich mit dem Streit um die multilaterale Ordnung, und den Dynamiken um sie, im Kontext internationaler Organisationen (IOs) sowie internationaler Normen und Regime.


Die Verflüssigung Internationaler Organisationen?

Reaktionsmuster von internationalen Organisationen auf zivilgesellschaftliche Kontestation

Internationale Organisationen sind heute zentral an der Entwicklung, Interpretation und Überwachung der Einhaltung internationaler Regeln beteiligt. Mögliche Ineffizienzen in ihrer Arbeit erklärten Forscher*innen lange zum einen mit spezifischen Prinzipal-Agenten-Konstellationen, zum anderen mit der fortschreitenden Bürokratisierung solcher Organisationen.

Diese Analyse scheint inzwischen überholt. Ein weltweiter Trend zu New Public Management, also zu Flexibilisierung, zu mehr Konkurrenz zwischen internationalen Organisationen sowie zu Kurzzeitbeschäftigung und Beraterverträgen hat Spuren hinterlassen. Inwiefern transnationale professionelle Netzwerke zu einer Verflüssigung und Informalisierung von internationalen Organisationen beitragen, soll in einem ersten Projekt untersucht werden.


Spezialisierung in der multilateralen Diplomatie

Außerdem wandelt sich die Art, wie Staaten in multilateralen Entscheidungsgremien innerhalb von internationalen Organisationen Politik betreiben. In vielen Bereichen beobachten wir einen Trend zur Spezialisierung – also weg von der Beschickung durch Karrierediplomaten hin zur Entsendung von ExpertInnen aus Fachministerien. In der bestehenden IB-Forschung wird das als effiziente, entpolitisierende Strategie beschrieben. Diese Spezialisierung scheint jedoch ungeplante Nebenwirkungen zu entfalten, wie in einem zweiten Projekt untersucht werden soll.


Internationale Normen im Streit: Kontestation und Normrobustheit (DFG-Sachbeihilfe)

Die zunehmende Umstrittenheit von Normen und Regimen der multilateralen Weltordnung ist ein dritter wichtiger Aspekt dieses Forschungsschwerpunkts. Zum einen beobachten wir die Infragestellung vieler internationaler Normen und Regelwerke, die lange Zeit als unantastbar galten – auch durch Staaten, die entscheidend an ihrer Entwicklung beteiligt waren. Aktuelle Beispiele sind das internationale Folterverbot, der Atomwaffensperrvertrag oder die Klimarahmenkonvention.


Zum anderen finden zentrale Machtverschiebungen im internationalen System statt. Die Dominanz des „liberalen“ Wertekonsens, getragen von einer westlichen Koalition im internationalen System seit den 1990er Jahren, scheint zu bröckeln. Zudem übernehmen „nicht-westliche“ Staaten und Regionen immer wichtigere Rollen im internationalen System. Führt dies zu einem Verfall existierender internationaler Normen – oder zu einer erneuten Stärkung? Inwiefern werden die Bedeutungen internationaler Regeln in unterschiedlichen Kontexten lokalisiert und verändert, zum Beispiel die Internationale Schutzverantwortung in China oder Brasilien? Wann haben solche Lokalisierungen Rückwirkungen auf einen globalen Konsens über bestehende internationale Normen und Regime?


Weitere Informationen zum Projekt und zu den Forschunsgergebnissen finden Sie nachstehend.


Zum DFG-Projekt


Friedens- und Konfliktforschung

Der Bereich der friedlichen Konfliktbeilegung hat in den letzten 25 Jahren einen wahren Schub der Internationalisierung und Institutionalisierung erlebt. Peacekeeping-Missionen erhalten immer umfangreichere Mandate und brauchen größere Truppenunterstützung. Sogenannte Peacebuilding-Aktivitäten nehmen inzwischen einen Großteil der Portfolios vieler internationaler Organisationen und auch vieler nationaler Entwicklungshilfeorganisationen ein. Ebenfalls wird eine Vielzahl neuartiger Institutionen erprobt (vom Internationalen Strafgerichtshof bis zu hybriden Investigationskommissionen in Nachkriegsländern).


Zugleich haben komplexe Konflikte wie im Irak, in Syrien oder Afghanistan eine gewisse Interventionsmüdigkeit bei vielen Staaten hervorgerufen. Das frühere Ziel der nachhaltigen Friedensschaffung durch die Etablierung demokratischer Institutionen wird abgelöst durch ein neues Interesse an lokalen Lösungen, also zum Beispiel indigener Rechtsprechung oder Stammesjustiz, und an mehr „Ownership“ durch Regierungen in Konfliktgebieten. Die Umsetzungen und Auswirkungen dieses Dilemmas zwischen immer weiterer Internationalisierung bei gleichzeitiger Suche nach lokalen Lösungen ist der Fokus des zweiten Forschungsschwerpunkts.