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Stadt-Friedrichshafen-Lehrstuhl für Verwaltungswissenschaft | Profil

Verwaltungswissenschaft und Verwaltungsmodernisierung

Das besondere Profil dieses Arbeitsbereiches deckt die Konturen einer modernen Vergleichenden Verwaltungswissenschaft ab, die sich von politikwissenschaftlichen, organisationssoziologischen und managementorientierten Fragestellungen leiten lässt. Diese multidisziplinären Forschungsfragen richten sich auf die Funktionsweise des gesamten öffentlichen Sektors auf allen internationalen und innerstaatlichen Ebenen. Das Verständnis des „Öffentlichen“ ist hier weit gefasst und umfasst neben staatlicher und kommunaler Politik und Verwaltung z. B. auch öffentliche Unternehmen und gemeinnützige Organisationen.

Der Kontext dieser öffentlichen Funktionen – und damit auch der wissenschaftlichen Arbeit – wird zunehmend durch umfassende Herausforderungen geprägt, welche die etablierten Struktur- und Handlungsmuster in öffentlichen Organisationen sowie unsere tradierten Denkweisen vom „Staat“, der „Verwaltung“ und dem „Öffentlichen“ grundsätzlich in Frage stellen. Die veränderten wirtschaftlichen und budgetären Rahmenbedingungen, der gesellschaftliche und politische Wandel, der Einsatz neuer Technologien und nicht zuletzt die wachsende Internationalisierung erfordern eine tief greifende und nachhaltige Verwaltungsmodernisierung, die sich nicht in technokratischen Reformen der Führungsstrukturen erschöpfen darf, sondern die Komplexität öffentlicher Organisationen und ihre vielfältigen Verflechtungen mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Blick behalten muss.

Diese moderne Verwaltungsentwicklung in vergleichender internationaler Perspektive mit Blick auf ihre Ursachen, ihre aktuellen Reformprojekte und ihre Konsequenzen für Politik und Gesellschaft in Forschung und Lehre zu begleiten, ist die Zielsetzung dieses Arbeitsbereichs. Die inhaltlichen Forschungsperspektiven lassen sich dabei von drei Grundströmungen der klassischen und aktuellen verwaltungswissenschaftliche Debatte leiten:

 

Verwaltung und neue Steuerungsformen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

„Herrschaft im Alltag ist Verwaltung“ (Max Weber): Folgt man dieser Einsicht, wird die zentrale Bedeutung einer politischen Verwaltungslehre für das Verständnis moderner Gesellschaften unmittelbar verständlich. Es geht also nicht um „Amtsschimmel“, „Aktenstaub“ oder „Bürokunde“, sondern um die Frage, mit welchen Mitteln in unseren modernen Wissens- und Organisationsgesellschaften durch öffentliche Politik gestaltet werden kann. Die Formen und Mittel dieser politisch-administrativen Steuerung unterliegen jedoch einem grundlegenden Wandel: weniger hierarchisierte und zentralisierte Formen; mehr laterale, verhandelnde Beziehungen oder auf Marktkoordinierung und wettbewerblichen Anreizen beruhende Steuerung. Und überhaupt fransen die Grenzen des öffentlichen Sektors aus: Wie lässt sich die neue Balance zwischen „öffentlich“ und „privat“ bestimmen und welche Abgrenzungskriterien können herangezogen werden?

 

Verwaltung und neues öffentliches Management

Die moderne Verwaltung und mit ihr die moderne Verwaltungswissenschaft hat sich verstärkt einer Managementorientierung geöffnet. Neben die politische Rationalität sind zunehmend Kriterien der wirtschaftlichen Effizienz getreten. Und dennoch gilt: „Public and private management are fundamentally alike – in all unimportant respects“ (Wallace Sayre). Die Führungs- und Entscheidungsprobleme in öffentlichen Organisationen lassen sich somit nur begrenzt mit denen privatwirtschaftlicher Firmen vergleichen. Welche Anleihen aus dem Fundus betriebswirtschaftlicher Reforminstrumente können daher für die verschiedenen Formen staatlicher und kommunaler Verwaltungen und öffentlicher Einrichtungen empfohlen werden? Wie lassen sich unter den spezifischen Bedingungen öffentlicher Organisationen die Reform- und Leistungsfähigkeit erhöhen?

 

Verwaltung und neue europäische Staatlichkeit

Die klassische Rolle des europäischen Nationalstaates wird mehr und mehr von zumindest zwei Seiten in die Zange genommen: die steigende Aufmerksamkeit für die regionale Ebene zehrt „von unten“ an seiner Legitimation und Durchsetzungskraft, während auf der anderen Seite als Folge der europäischen Integration eine neue supranationale Ebene entstanden ist. Diese Europäisierung wiederum ist nur eine Variante verschiedener Formen der zunehmenden Internationalisierung bzw. Globalisierung auch öffentlicher Funktionen und Dienstleistungen. Der nationalstaatliche Bezugsrahmen ist daher für eine moderne Betrachtung von Verwaltungsreformen, ihrer Ursachen und Konsequenzen, zu eng geworden. Welche grenzüberschreitenden Verwaltungsverflechtungen gibt es? Was bedeutet „Europäisierung“ und „Globalisierung“ für die moderne Verwaltungsentwicklung? Wie funktionieren inter- und supranationale Verwaltungsorganisationen?

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geändert: 14.03.2013