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Lehrstuhl für Strategische Organisation & Finanzierung (SOFI) | Profil

Profil & Philo-Sofi

Der Lehrstuhl für Strategische Organisation & Finanzierung (SOFI) versucht in dem Dreieck von Strategie, Organisation und Finanzierung die wesentlichen Managementherausforderungen und -implikationen im Rahmen der gesellschaftlichen Entwicklung der

Individualisierung,
Globalisierung,
Temporalisierung,
Virtualisierung,
Wissensbasierung,
Deregulierung und
Privatisierung

für (1) kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) wie für (2) börsennotierte Konzerne ebenso wie für (3) öffentliche Verwaltungen zu beschreiben und diskutierbar zu machen. SOFI zielt dabei einerseits darauf ab, Oberflächenphänomene des managementphilosophischen Zeitgeistes empirisch zu analysieren und zu reflektieren und andererseits Tiefenstrukturen von privatwirtschaftlichen wie öffentlichen Organisationen durch modelltheoretische Überlegungen beobachtbar zu machen.

Drei Charakteristika sind für den Lehrstuhl kennzeichnend:

(1) Interdisziplinarität in der Betriebswirtschaft:
Entscheidend für die Lehrstuhlarbeit ist die Verschränkung einerseits der drei Interventionsformen Strategie, Organisation und Finanzierung, die theoretisch und empirisch sehr unterschiedlich fundiert sind, aber für den Top-Entscheider notwendigerweise zusammengedacht werden müssen. Die funktional ausdifferenzierte Betriebswirtschaftslehre leistet bisher nur bedingt einen Beitrag für komplexe multidisziplinäre Problembeschreibungen und Lösungsansätze.

(2) Zielgruppenversionierung für organisierte Sozialsysteme in der Privatwirtschaft und im Staat sowie in Märkten:
Weiterhin wird das Zusammenspiel zwischen privatwirtschaftlichen Organisationen, Märkten und öffentlichen Organisationen als Fokus der Beobachtung gesetzt. Die Verwaltungswissenschaft war zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Grundlage für die später entstehende betriebswirtschaftliche Organisationstheorie. Heute werden deren teilweise unterkomplex wirkende Re-Importe in die Verwaltungswissenschaft versucht.
SOFI wird die organisierten Sozialsysteme sowohl im Bereich der Privatwirtschaft, des Staates als auch die Interaktionssysteme der branchenbezogenen Märkte als Untersuchungsobjekte analysieren. So werden auch Bildungs-, Kultur- oder Politikmärkte beobachtbar und auf ihre gesellschaftssystemimmanenten Unterscheidungen im Hinblick auf die Organisation untersucht.

(3) Kommunikationstheoretische Basierung der Betriebswirtschaftslehre und Managementtheorie:
Organisation heißt heute vor allem “Organisation von Kommunikation“: Kommunikation in die eigene Organisation, in die Wertschöpfungskette, in Märkte, Netzwerke und Politik. Zentral für den Lehr- und Forschungsansatz des Lehrstuhls ist die radikale Basierung der aus diesen Analysen entstehenden Management-Theorie auf eine leistungsfähige Kommunikationstheorie, die konstruktivistische, kybernetische, systemtheoretische wie kognitionstheoretische und medientheoretische Elemente aufzunehmen weiß. Damit wird der systemtheoretischen Erkenntnis Rechnung getragen, dass organisierte Sozialsysteme sich über die spezifische Kommunikation der „Entscheidung“ reproduzieren. Die Kommunikationsaspekte werden aber wissenschaftlich wie praktisch interessanter, wenn es um die Interaktion zwischen Organisationen ausgleichen oder anderen Gesellschaftssystemen (z.B. Wirtschaft, Kunst, Medien, Wissenschaft und Politik) geht, die mit anderen systembedingten Codes arbeiten (inter- und extrasystemische Netzwerke). Als ein Phänomen sei die Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft und Öffentlicher Hand, z.B. in Public Private Partnerships, genannt.

Hinzu kommt die organisationale Kommunikation mit Märkten (Konsumenten-, Produzenten- oder Finanz-Märkte), mit deren spezifischen Kommunikationsform der „Zahlung“. Die spezifischen Übersetzungsleistungen und medialen Inszenierungen von strategischen, organisationalen bzw. finanzierungsbezogenen Interventionen im Hinblick auf ein zu erreichendes Marktverständnis macht eine Betrachtung der bestehenden Theorien und Konzepte notwendig. Hierbei sei als Beispiel die Kapitalmarktkommunikation angeführt, die in hochdifferenzierten Kommunikationsmodellen die zukünftigen Erträge von neuen Strategien, Organisationsformen oder Finanzierungsentscheidungen übersetzen. Es lassen sich bereits sogenannte Industry Recipes erkennen, als branchenbezogene, auf den Kapitalmarkt zielende Strategierezepte wie Allfinanz, Media Convergence oder Multi Utility. Auch das Thema des Risikos (Risk Management, Basel II) sowie der Kontrolle (Corporate Governance) sind Issues, die nur in diesem Dreieck Strategie, Organisation und Finanzierung mit einer kommunikationstheoretischen Basierung verständlich werden. Dabei wird das gut ein Jahrhundert währende theoretische Verständnis der Organisation von Produktion ergänzt bzw. ersetzt durch die Organisation von Kommunikation – gegenüber den Wertschöpfungspartner zur Steuerung der extern erbrachten Leistung, gegenüber den Finanzmärkten zur Refinanzierung, gegenüber den Kunden bzw. den Bürgern und Lobbygruppen zur Wiederwahl und Themenbesetzung, gegenüber den Medien, gegenüber den Märkten für Top-Entscheider usw. Die mediale Inszenierung von Personen, von Themen, von Produkten, von Kooperationen etc. wird zu einer der Hauptaufgaben von organisierten Systemen in dynamischen, d.h. beobachtungsintensiven Umwelten.

Mit der Kommunikation und deren Interpretation kommt gleichzeitig der Beobachter als Figur in die Theorie – eine der gewaltigsten Entdeckungen des letzten Jahrhunderts in der Soziologie, der Philosophie und Anthropologie sowie Psychologie, die nun langsam auch die Ökonomie und Politik theoretisch erreicht. Der Beobachter ist nicht vorrangig personell oder institutionell zu denken, sondern vor allem funktionell als eine Erinnerung der Nichtkausalität, Ambiguität und der Wahrscheinlichkeit des Missverstehens von Kommunikationen. Damit wird auch eine Problematik der Betriebswirtschaftslehre wie der Verwaltungswissenschaft vorgeführt: Die Annahme der Rationalität. Wir brauchen eine neue Management-Theorie!

 

II. Mission

Nachhaltige Organisationen sind Organisationen, die die Oszillation in ihren Paradoxien beherrschen, kurz: Organisationen, die oszillodox sind. Die durchschnittliche Lebensdauer von Unternehmen liegt unter 20 Jahren. Nachhaltigkeit von Managementtheorien: Oszillation in Paradoxien

Strategische Organisationen sind oszillodox!
Sie oszillieren virtuos in unauflösbaren Paradoxien.
Aber: Oszillodoxe Organisationen brauchen auch eine komplexe und virtuose Theorie

Nachhaltige Organisationstheorien müssen sowohl auf die kurze Lebensdauer von Organisationen und die Schattenseite dieser „schöpferischen Zerstörung“ wie auf die Paradoxien der organisationalen Praxis bezugnehmen. Und zwar mit angemessener Vielfalt, Empirie und theoretischem Überschuß und nicht mit disziplinärer Engführung.

Damit versteht sich der Lehrstuhl als ein kritischer Begleiter von Management-Moden und wird der Versuchung widerstehen, die Forschungs-Ergebnisse als Wahrheit zu verwechseln. Der Organisationstheoretiker Herbert Simon analysierte bereits 1946 sogenannte „Proverbs of Administration“, also Sprichwörter der Verwaltung, die das „Dilemma“ der Paradoxie in der Organisationstheorie offen legen:

„Für nahezu jedes Prinzip lässt sich ein genau entgegengesetztes Prinzip finden, das genauso plausibel und akzeptabel ist. Auch wenn die beiden Prinzipien zu exakt entgegengesetzten organisatorischen Empfehlungen führen, gibt es in der Theorie keinen Anhaltspunkt dafür, welche diejenige ist, die man anwenden sollte.“
“Proverbs of Administration” (Simon 1946)
(aus: Public Administration Review, 6, S. 53, eigene Übersetzung).

Beispiele für solche Paradoxien lassen sich vielfältig zeigen, wie die folgende Abbildung es zu zeigen versucht. Der Lehrstuhl versucht in seiner Arbeit Beschreibungen für Sowohl-als-auch-Organisationen:

Der Lehrstuhl sieht seine Aufgabe einerseits in der zunächst empirisch, dann modelltheoretischen Forschung von praxisrelevanten und wissenschaftlich herausfordernden Fragen der Strategie, Organisation und Finanzierung – gemeinsam mit der Praxis. Und andererseits soll in den nächsten zehn Jahren der Aufbau einer kommunikationstheoretischen Betriebswirtschafts- und Verwaltungslehre in Bezug auf ihre relevanten Märkte gelingen, die mit empirischen Analysen wie vielfältigsten (unverwandten) theoretischen Ressourcen diskutierbar werden soll.

Die Wahrnehmung der Wirtschaft in der Öffentlichkeit - Studie von Prof. Dr. Stephan A. Jansen und Dr. Markus Rhomberg



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geändert: 08.09.2009