Lehrstuhl für Medientheorie & Kulturgeschichte | Lehre HS 2012
Ringvorlesung zum Zeppelin-Projekt Architekturen | 1. Semester | 100003 Prof. Dr. Joachim Behnke | Prof. Dr. Stephan A. Jansen | Dr. Gloria Meynen | Prof. Dr. Karen van den Berg
Im Internet machen immer mehr »Killer Apps« Karriere. Sie versprechen, den Konsum von Internet und Social Media drastisch einzuschränken. Kann man aussteigen, dem Einfluss digitaler Medien entkommen? Wie wirken digitale Medien? Welchen Einfluss haben sie auf unseren Alltag, die Gesellschaft und unsere Selbstbilder?
Das Seminar führt in die Mediengeschichte der Computerschnittstellen ein. Von den Anfängen der Künstlichen Intelligenz, über die Erfindung der grafischen Benutzeroberflächen bis zum »Internet der Dinge« (der Allgegenwart der RFID-Chips) untersucht es, ob und wie Medienkritik unter digitalen Bedingungen möglich ist. Welchem Traum folgt die Allgegenwart der Computer? Auf welchen Konzepten, Szenarien, Techniken und Technologien gründen die Medien unserer Gegenwart? Gibt es Killer-Applikationen, mit denen wir ihre Wirksamkeit eindämmen und kontrollieren können, oder haben sie schon längst jede Kontrolle über uns übernommen?
Literatur: | Dyson, Esther; Toffler, Alvin u.a.: »Cyberspace and the American Dream: A Magna Charta for the Knowledge Age«, New York Times, 22. August 1994, wiederabgedruckt in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.1995, S. 30.
| Foucault, Michel: »Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses«, Kap. III (Disziplin). Suhrkamp, Frankfurt a. M 1976, S. 173-292.
| Friedewald, Michael et al.: »Ubiquitäres Computing. Das „Internet der Dinge“«, Edition Sigma, Berlin 2010.
| Hookway, Branden: »Pandemonium. The Rise and Fall of Predatory Locales in the Postwar World«, Houston 1999.
| Licklider, Joseph C. R.: »Man-Computer-Symbiosis«, IRE Transactions on Human Factors in Electronics, Bd. HFE-1, März 1960, S. 4–11.
| Kittler, Friedrich: »Der Kopf schrumpft«, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.09.1995, wiederabgedruckt in ders.: Short Cuts, Suhrkamp, Zweitausendeins, Frankfurt a. M. 2002, S. 168-176.
| Krajewski, Markus: »Eine Frage der Macht. Wer beherrscht wen?«, in: ders.: Der Diener. Mediengeschichte einer Figur zwischen König und Klient, S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2010, S. 555-567.
| Rosol, Christoph: »RFID – Vom Ursprung einer (all)gegenwärtigen Kulturtechnologie«, Kadmos, Berlin 2008.
| Weiser, Mark: »The Computer for the 21st Century«. Scientific American 1991 (265), Nr. 4, S. 94-104. Reprint in: Mobile Computing and Communications Review 1990 (3) Nr. 3, S. 3-11.
Mediale Inszenierung: Leben im Büro | 241061 Dr. Gloria Meynen
Als der Ingenieur Walter Porstmann das DIN-A4-Format erfindet, orientiert er die Mobiliarordnung des Büros an dem Seitenverhältnis der Papierformate. Ablagen, Karteikästen, Schreibtische und Aktenschränke folgen seitdem dem Seitenverhältnis 1: √2. Das Büro als Normgefolge und Raum wird um 1922 buchstäblich mit den Schnittstellen der neuen Papierformate erfunden. Mit dieser Geburtsstunde des modernen Büros sollen im Seminar die sozialen, kulturellen und ökonomischen Ordnungen der Arbeitswelt als Inszenierungen technischer Medien diskutiert werden. Welche Medien unterwerfen den Aktenlauf und die Verwaltung dem Fließband und der großen Zahl? Welche Schnittstellen definieren Organisationen als Feedbackschleifen und lebende Organismen? Und kommt das Büro, das mit den Papierformaten entstand, nicht irgendwann an ein Ende?
Mit Cloud Computing und Outlook verwischen die Grenzen zwischen Arbeitswelt und Freizeit. Zugleich entdecken Microsoft und Google (wie viele andere) das Büro als Wohn- und Wohlfühlort. Wenn die Unterscheidung zwischen Freizeit und Arbeit kollabiert, droht ein Leben im Büro, und das lebenslänglich. Vor diesem Hintergrund will das Seminar an drei Medien – dem Gehülfen, der Schreibmaschine und dem Personal Computer – das Büro als Ort prothetischer Ersetzungen und Eskalationen diskutieren. Vom Kontor über das Scientific Management bis zur Bürolandschaft soll diskutiert werden, welchen Anteil die Medien an den Hierarchien, an der Architektur, den Konzepten des Kalküls, der Rationalität, der Effizienz und den Techniken und Praktiken der Selbstoptimierung haben.
Literatur: | Bartmann, Christoph: »Leben im Büro. Die schöne neue Welt der Angestellten«. Carl Hanser Verlag, München 2012.
| Baecker, Dirk: »Organisation als System«. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1999.
| Drucker, Peter: »Das Fundament für Morgen. Die neuen Wirklichkeiten in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, Düsseldorf« Econ Verlag, Düsseldorf 1957.
Kulturwissenschaft bezeichnet weniger ein Feld, einen Kanon oder eine eingängige Theorie. Sie ist streng genommen noch nicht einmal eine Disziplin. Sie belegt vielmehr einen Ort zwischen den Disziplinen. Damit reagiert sie auf eine weitgehend vernetzte Welt, in der ein Überblick – etwa der Blick auf Inszenierungen, Codierungen, Schnittstellen, Strukturen und Gestalt – mehr gilt als Detailwissen. Das Seminar behandelt an ausgewählten Fragestellungen die Geschichte, Schwerpunkte, Theoriedebatten, Methodenfragen und Zielsetzungen kulturwissenschaftlicher Forschungen.
Bachelorthesis |111402 Prof. Dr. Anja Achtziger | Prof. Dr. Marian Thomas Adolf | Prof. Dr. rer. soc. Dirk Baecker | Prof. Dr. Udo Göttlich | Prof. Dr. Gertraud Koch | Dr. Gloria Meynen | Prof. Dr. Markus Rhomberg | Prof. Nico Stehr Ph.D. F.R.S.C. | Prof. Dr. Martin Tröndle | Prof. Dr. Karen van den Berg
Prof. Dr. Anja Achtziger | Prof. Dr. Marian Thomas Adolf | Prof. Dr. rer. soc. Dirk Baecker | Prof. Dr. Udo Göttlich | Prof. Dr. Gertraud Koch | Dr. Gloria Meynen | Prof. Dr. Markus Rhomberg | Prof. Nico Stehr Ph.D. F.R.S.C. | Prof. Dr. Martin Tröndle | Prof. Dr. Karen van den Berg