„Theorie in Skizzen“ ist der Titel des neuen Buches von PD Dr. phil. habil. Maren Lehmann vom Lehrstuhl für Kulturtheorie und –analyse. Es ist soeben Merve Verlag Berlin erschienen. Lehmann untersucht darin Theorien und beschreibt sie als „als Skizzen labyrinthischer, brüchiger, unbewohnbarer Architekturen“.
Wie schwer wiegt die Bindung einer Theorie an das Gebäude, das sie auf ihrem Grundriss errichtet hat? Wie bindend sind überhaupt Grundrisse, oder anders gefragt: Wie müsste ein Theoriegrundriss aussehen, der es erlauben würde, eine Theoriearchitektur sowohl zu errichten als auch umzubauen? Kann, ja muss ein Grundriss nicht neben einem Aufbau- immer auch ein Abrisskonzept sein? Sind die Begriffe einer Theorie vielleicht nichts anderes als Oszillationen von Aufbau und Abriss, und sind also Theorien nichts anderes als Architekturen von Einsturzchancen? Ein Labyrinth unsicherer Brücken über eingestürzten Arrangements? War Luhmanns Bezeichnung »System-Umwelt-Theorie« so gemeint? Die hier versammelten Texte gehen solchen Fragen nach, ausgehend von der Beobachtung, dass Theorien die Grenzen (oder, mit Georg Simmel: die Niemandsländer) der wissenschaftlichen Disziplinen besiedeln und damit auf einem Grund bauen, in dem man sich zwar aufhalten, in dem man sich aber nicht einrichten kann. Wenn dem so ist, dann sind Theorien nicht mehr, aber auch nicht weniger als Skizzen labyrinthischer, brüchiger, unbewohnbarer Architekturen.