Twitter, Facebook, Reddit. Wordpress, Flickr, Indymedia. Schöne neue Kommunikationswelt. All jene, die in ihr leben, wollen Sie nicht mehr missen. In der heutigen Alltagswelt der digitalen, globalen Kommunikation, vermischen sich öffentliche und private Kommunikation. Neue Formen des Wissens- und Meinungsaustausches entstehen. Neue Arten der Partizipation kündigen sich an. Und die Piraten entern deutschlandweit die Landesparlamente. Wo liegen die Chancen, wo die Gefahren dieser kommunikativen Revolution? Was bedeuten sie für unsere demokratischen Prozesse und für unsere sozialen Beziehungen? Diesen und anderen Fragen widmet sich der Vortrag, und versucht dabei weder der Technikangst noch der Technikeuphorie zu verfallen.
Die Antike hat mit der aristotelischen Logik der drei Sätze der Identität (A=A), des Widerspruchs [¬(A ∧ ¬A)] und des ausgeschlossenen Dritten (A ∨ ¬A) für zweitausend Jahre die abendländische Logik und Ontologie geprägt. Im Zuge des Nachdenkens über stabile Fragilitäten und fragile Stabilitäten lohnt es sich, mit der Kybernetik zweiter Ordnung und dem Formenkalkül von George Spencer-Brown über die Alternative einer kybernEthischen Logik nachzudenken, die mit den drei Sätzen der Paradoxie (a ≠ a), der Ambivalenz (a ∧ ¬a) und der Kontrolle arbeitet (a ∨ a). Der Beitrag geht dieser Alternative mithilfe einiger medienarchäologischer Überlegungen nach, das heißt, er verortet die aristotelische Logik in den von einer Schriftgesellschaft zu lösenden Problemen und die kybernEthische Logik in den von der Computergesellschaft zu lösenden Problemen.
„Der Markt wird es schon richten“ – das hört man oft. Auch führende ökonomische Theorien schließen sich dieser These weitgehend an. Dennoch greift der Staat aus verschiedenen Gründen (und berechtigterweise) in viele Märkte aktiv ein: Verbraucherschutz, Sicherheit, Marktversagen oder mangelnder Wettbewerb. Der geneigte Bahnkunde wird auch für Regulierung plädieren: Zugausfälle, Verspätungen, keine freien Sitzplätze, mangelnde Information. Konkurrenz belebt das Geschäft – und genau dies ist ein wichtiges Ziel der Regulierung. Doch welche Auswirkung hat Regulierung tatsächlich auf den Markt? Ein Fallbeispiel rund um die Deutsche Bahn AG, ihre Wettbewerber und Regulierungsbehörden soll das diskutieren, verbunden mit einer Einschätzung neuester Entwicklungen. Genießen Sie es in vollen Zügen. Oder eher: hoffentlich nicht.
Vortrag von Prof. Dr. Joachim Behnke, Lehrstuhl für Politikwissenschaft Wie „politikfähig“ sind die Parteien? Politik im Spannungsfeld zwischen Prinzipien und Interessen
Politiker sind dem Grundgesetz nach dem Gemeinwohl verpflichtet, da sie Abgeordnete aller Bürger sind und demnach auch die Interessen aller Bürger und nicht nur diejenigen ihrer Wähler zu berücksichtigen haben. Andererseits müssen Politiker erst einmal gewählt werden, um überhaupt Politik machen zu können. Zudem wäre es naiv zu erwarten, dass Politiker nicht auch eigene Interessen verfolgen. Beide Faktoren wirken sich dahingehend aus, dass für Politiker eine große Versuchung besteht, das langfristige Interesse der Gemeinschaft den kurz- und mittelfristigen Interessen der eigenen Wähler und somit auch den eigenen unterzuordnen. Prinzipiengeleitete Politik beruht hingegen auf Regeln, die die partikulären Interessen aus dem politischen Meinungsbildungsprozess ausblenden sollen.
Mobilität von Personen und Gütern war schon immer eine wichtige Basisressource der Gesellschaft. Die Mobilität der Zukunft steht vor großen Herausforderungen: Ressourcenknappheit, Umwelt- und Klimaprobleme, demographischer Wandel und Infrastrukturengpässe sind nur einige der Stichworte, welche die Stabilität lange Zeit dominierender Mobilitätsmuster in Frage stellen: Kommt es aufgrund der Kulmination der Einflussfaktoren zu einer Mobilitätsrevolution, welche die durchaus fragile Stabilität des Verkehrssystems in Frage stellt oder werden die Visionen von intelligenter, postfossiler und grüner Mobilität nicht realisiert werden können?
Die Beziehung zwischen Bürgern und Staat verändert sich durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien radikal. Bei zahlreichen Beteiligungsprojekten wünschen sich Bürger – spontan und trotz rechtlich gültiger Beschlüsse – eine höhere Flexibilität des Staates. Gleichermaßen muss die Kontinuität und Verlässlichkeit des Staates erhalten bleiben. Als Beispiele für solche stabilen und gleichermaßen fragilen Einstellungen, Erwartungen und Entscheidungen lassen sich das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ oder die dritte Landebahn des Flughafens Münchens aufführen. Aber: Wie kann der Widerspruch von Flexibilität und Kontinuität gelöst werden? Wer sind Akteure dieser Debatte? Welche Instrumente eignen sich zur Lösung der Herausforderungen?
Mit dem Wandel der Massenmedien hat sich die „fragile Stabilität“ des dispersen Massenpublikums zu einer „stabilen Fragilität“ des „aktiven Publikums“ gewandelt. Während die einseitige Kommunikation keine unmittelbare Kommunikation zwischen Sender und Empfänger zugelassen hat, bestehen heute scheinbar unendliche Partizipationsmöglichkeiten, für deren Beschreibung die gängigen Publikumskonzepte nur bedingt tauglich erscheinen. Der Beitrag diskutiert den Wandel der Publikumskonzepte und beschreibt, welche neuen Formen des Publikums sich hinter der „stabilen Fragilität“ verbergen und welche Folgen sich für die öffentliche Kommunikation ergeben.
Vortrag von Prof. Dr. Dirk Heckmann, Zentrum für Recht, Sicherheit und Vertrauen in elektronischen Prozessen am TICC | Deutsche Telekom Institute for Connected Cities Concordisierung der Rechtsordnung - Wer oder was steuert unsere Gesellschaft im Internetzeitalter?
Das Internet verändert alles. Auch das Recht? Die rasante technische Entwicklung und mir ihr die sozialen Veränderungen im Kommunikationsverhalten der Gesellschaft verdrängen zunehmend geltendes Recht. Man spricht vom Ende der Privatsphäre und von der Abschaffung des Urheberrechts; politisches Hochhalten von Werten wird quittiert mit Shitstorms. In den letzten 60 Jahren war unsere Rechtsordnung nie so fragil wie heute.
Der windige und sturmsichere Bambus ist in Mode. In der Mode der aktuellen Organisations- und Managementtheorie, die nicht länger die Gleichzeitigkeiten der Ungleichzeitigkeiten, die dynamischen Ungleichgewichte, die Sicherheit über unauflösbare Unsicherheiten, die theoretische Komplexitätsbedarfe der Komplexität von Praxissystemen ignorieren. Resistenz gegenüber Krisen bedeutet dann vor allem Resilienz, d.h. Toleranz bei Turbulenz durch Redundanz. Aufbauend auf den Gedanken des Organisationspsychologie, der Katastrophensoziologie sowie der Netzwerk-, Lern- und Universitätstheorie werden ausgewählte Prinzipien der Resilienz an Beispielen vorgeführt. Sie zeigen: Widerstandsfähigkeit liegt in einem besonderen Beziehungsmanagement des vermeintlich Fragilen, des Lockeren, des Unnötigen.
Nimmt man das Zerbrechliche als Kommunikationsproblem ernst, hat man über äußerste Zuspitzungen des Möglichen oder über extreme Ausdünnungen des Verlässlichen nachzudenken. Natürlich kommen dafür Situationen infrage, in denen das Gewohnte einfach unversehens entgleitet und die dann plötzlich und unerwartet auf der Kippe stehen. Aber außerdem, und das ist vielleicht sogar interessanter, kommen dafür auch Situationen infrage, die eigens herbeigeführt werden – etwa, um das Gewohnte ändern zu können, denn dafür muss es zunächst auf den Punkt gebracht werden. Heikle Ereignisse sind Ereignisse, in denen nichts sicher ist als eines: Es werden Entscheidungen fallen.
Oft stehen bekannte Persönlichkeiten aufgrund ihrer Führungsqualitäten in den Schlagzeilen. Z.B. wird einem Fußballtrainer vorgeworfen, sein Team nicht „richtig“ geführt zu haben. Doch auch fernab dieser prominenten Führungspersönlichkeiten fragt man sich im täglichen Berufsleben, wie eine Person in einer Führungsposition überhaupt führen soll (z.B. freundschaftlich, autoritär oder beides zugleich?) und ob sie bestimmte Charakterzüge aufweisen muss. Vor dem Hintergrund des Jahresforschungsthemas wird in diesem Vortrag mit anschließender Diskussion auch thematisiert, welches Verhältnis von Stabilität und Fragilität „gute“ Führung auszeichnet. Ist es vielleicht ein Merkmal guter Führung, wohldosierte Fragilität und damit Verunsicherung der Mitarbeiter zu verursachen, um Höchstleistungen zu provozieren?
Nachhaltigkeit hat sich zur zentralen Begrifflichkeit entwickelt, an der sich Politik, Wirtschaft, ja sogar die Menschheit als Ganzes in Zukunft orientieren sollen. Bei der Nachhaltigkeit handelt es sich weder um eine Theorie, die in sich konsistent und widerspruchsfrei wäre noch um ein Konzept, das auf empirischen ‚Tatsachen’ beruht. Nachhaltigkeit ist vielmehr eine Erzählung, die von Menschen für das menschliche Zusammenleben geschrieben wird. Als solch ‚lebendiges’ Konzept ist Nachhaltigkeit zwangsweise vage, umstritten, voller Widersprüche und im stetigen Wandel. Gleichzeitig schafft das Bild der Nachhaltigkeit durch seine Dominanz aber doch eine bestimmte Ordnungsvorstellung, die wenn auch weniger vorhersehbar und kontrollierbar, vielleicht aber stabiler ist.
Wenn "Stimmungen" die politische Debatte und die Demokratie beeinflussen, schwingen die negativen Konnotationen von "Stuttgart 21" oder von manchen Anliegen der Piratenpartei mit. Sofort wird gewarnt vor labilen, schwankenden und unreflektierten Kurswechseln aufgrund einer kurzfristigen Orientierung an den Bauchentscheidungen der Bürger; von vielen Seiten ertönt umgehend der Wunsch nach einer stabilen "Linie" in der Politik. Doch was gewinnt und verliert man mit einer Politik der Stabilität wirklich? Und wie könnte man den Begriff einer fragilen "Stimmungsdemokratie" definieren, die bürgernah und doch in sich kohärent bleibt?
In unserer Gesellschaft ist Wissen zu einem zentralen Erfolgsfaktor geworden. Allerdings war Wissen nie so fragil wie heute. Forschung und Entwicklung tragen dazu bei, dass die Halbwertszeit von Wissen schwindet, was jeden Einzelnen vor neue Herausforderungen stellt. Wenn das einmal angeeignete Wissen nicht mehr für die Dauer eines (Berufs-)Lebens ausreicht, gewinnt die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen zunehmend an Bedeutung. In diesem Kontext kommt (Hoch-)Schulen – als nach wie vor zentrale Stätten der Bildung und Sozialisation – eine wesentliche Rolle bei der Qualifizierung Heranwachsender zu. Um weiterhin zukunftsfähig zu sein muss sich eine moderne Bildung verstärkt weg von der Vermittlung deklarativen Wissens, hin zum Aufbau von Konzeptwissen und nachhaltiger Kompetenzen entwickeln.