Studie untersucht Führung im öffentlichen Sektor
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14.06.2012
Friedrichshafen. Was unterscheidet eigentlich Public Sector Leadership von Führung in der Privatwirtschaft? Das haben jetzt ZU-Professor Rick Vogel und Doris Masal, Akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Public Management & Public Policy, untersucht. Eines der Ergebnisse: Die öffentliche Verwaltung sollte ihre Identität auch im Hinblick auf die Führungskultur bewahren und nicht blind der vermeintlich überlegenen Privatwirtschaft folgen.
Ausgangspunkt der Untersuchung war, dass der öffentliche Dienst künftig mit weniger Personal wachsende Ansprüche der Bürgerinnen und Bürger erfüllen muss. Diese Entwicklung stellt, so Vogel und Masal, aber auch neue Herausforderungen an Führungskräfte im öffentlichen Sektor. Trotzdem sei Führung ein Thema, das in der Public Management-Literatur bislang vernachlässigt wurde.
Ihrer Untersuchung zur Folge ist professionelles Leadership für die öffentliche Verwaltung unabdingbar – denn nichts ist so wichtig wie Führung. Das gelte gerade in Zeiten, in denen der öffentliche Dienst mit weniger Personal mehr leisten müsse und Führungsnachwuchs rar werde. Die aktuellen Reformbemühungen blieben nicht ohne Folgen für das Führungsverständnis im öffentlichen Sektor. Vorläufige Ergebnisse empirischer Studien deuteten nun an, dass in der öffentlichen Verwaltung ein partizipativer Führungsstil vorherrsche, der mit den motivationalen Grundlagen der Beschäftigten harmoniert.
Instrumente der Leistungssteuerung geben Führungskräften in der öffentlichen Verwaltung jedoch Mittel an die Hand, stärker direktiv mit extrinsischen Anreizen zu führen. Die Leistungen einzelner Personen oder Gruppen sollen gemessen werden und in der Vergütung Berücksichtigung finden. „Sollten Managerinnen und Manager im öffentlichen Dienst deshalb ihren Führungsstil der Privatwirtschaft angleichen?“, fragen Vogel und Masal. Beide warnen davor, „weil extrinsische Anreize dazu führen können, dass die intrinsische Public Service Motivation und mit ihr die individuelle Leistungsbereitschaft abnimmt“. Es gelte also, die Identität der öffentlichen Verwaltung auch im Hinblick auf ihre Führungskultur zu bewahren und nicht blind der vermeintlich überlegenen Privatwirtschaft zu folgen. Vogel und Masal: „Der partizipative Führungsstil hat in der öffentlichen Verwaltung seine Berechtigung und sollte nicht voreilig aufgegeben werden.“
Beide haben zugleich festgestellt, dass die Forschung zu Public Sector Leadership noch ganz am Anfang steht. Die empirischen Ergebnisse seien noch lückenhaft und nur bedingt verallgemeinerbar. So müsse sich zum Beispiel noch erweisen, ob Erkenntnisse aus Skandinavien oder Großbritannien auch auf die deutschsprachigen Verwaltungssysteme übertragen werden können. Vogel und Masal: „Führung im öffentlichen Sektor ist also eines der zentralen Zukunftsthemen in Theorie und Praxis des Public Managements.“