Italiens Botschafter fordert bei ZU-Veranstaltung mehr Disziplin und Solidarität gegen die Euro-Krise
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21.10.2011
Friedrichshafen. „Mehr Europa, mehr Disziplin, mehr Solidarität und mehr Zusammenarbeit“: Das hat Italiens Botschafter in Deutschland Michele Valensise als Konsequenz aus der Euro-Krise anlässlich eines Vortrags an der Zeppelin Universität (ZU) gefordert. Valensise sprach auf Einladung des „Club of International Politics“ von ZU-Studierenden vor mehr als 100 interessierten Gästen über „Europa am Scheideweg?“.
Grundsätzlich sei Europa „eine Erfolgsgeschichte in den letzten 50 Jahren“, stellte Valensise fest, der „heutige Notstand ist vor allem eine Schuldenkrise.“ Italien sei heute mit 117 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zwar hoch verschuldet, neu sei dies allerdings nicht, denn das Problem mit den Schulden gäbe es schon seit 30 Jahren. Im Unterschied zu anderen hoch verschuldeten Staaten aber gebe es in Italien viele positive Indikatoren. Und: „Der Staat ist zwar arm, die Familien sind allerdings recht reich“, erklärte Valensise. Zudem habe Italien ein sehr stabiles Bankenwesen: „In Italien haben die Banken kaum Geld in dubiose Papiere gesteckt. Keine Bank musste mit Steuergeldern gerettet werden.“
Zudem seien Sparmaßnahmen sehr schnell und hart umgesetzt worden – ohne große Proteste. „In der Bevölkerung herrscht breiter Konsens darüber“, meinte Valensise, „das ist sehr ermutigend. Die Frage, ob Europa am Scheideweg ist, müssen wir daher mit ,vielleicht‘ beantworten.“ Die Demonstrationen in Italien richteten sich seines Erachtens vor allem gegen Ministerpräsident Berlusconi und dessen Regierung. Der Botschafter kritisch: „Berlusconi hat umfangreiche Reformen versprochen und seit der Wahl vor dreieinhalb Jahren keine umgesetzt.“
Für Valensise birgt nicht nur die Schuldenkrise eine große Herausforderung für Europa, sondern auch der arabische Frühling. „Wir haben die Füße im Wasser“, erklärte er, Tunesien sei nur 140 Kilometer von Italien entfernt. „Es war eine unvorhergesehene Entwicklung in unserer Region“, beschrieb er die Situation. „Die Konsequenzen des arabischen Frühlings bekam Italien direkt zu spüren: Allein in den letzten Monaten hatte Italien nach Valensises Einschätzung mehr als 60 000 Flüchtlinge. Das einzige Mittel dagegen sei laut Valensise eine enge Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern: „Unsere Pflicht ist es, diese Länder bestmöglich zu unterstützen. Wir würden uns freuen, wenn sich Europa hier mehr engagieren würde.“
Sprach an der ZU über Gegenwart und Zukunft Europas: der italienische Botschafter in Deutschland Michele Valensise
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